Highlight – High Constantia

Boutique Winery High Constantia

Das Drehbuch meiner Woche in Constantia hätte mit High Constantia kein besseres Finale erleben können. Der Abschluss war mein absolutes High-Light, und kam noch dazu ganz zufällig, wie vom Himmel gefallen.

Wie 450.000 andere Besucher auch, bin ich ich auf meinem Weg zur Anlage von Groot Constantia direkt an dieser Boutique Winery vorbeigefahren. Aber um Gegensatz zu mir, bleibt es für Großteil dieser jährlich 450.000 Besucher genau bei diesem Vorbeifahren. Gottseidank wissen sie dabei nicht, was sie da tun. Mich hingegen hat die Neugier gepackt, also bin ich am nächsten Tag noch einmal los.

Gestoßen bin ich auf ein verstecktes Juwel, auf einen authentischen, handwerklichen Betrieb. Hier wird Wein gemacht, und zwar genau hier, seit 1693 schon. Seit 1999 bewirtschaftet der Winemaker David van Niekerk das Weingut, seit 2001 unterstützt im Weinkeller durch Roger Arendse. Jährlich produzieren sie lediglich etwa 35.000 Flaschen. Ihr Angebot reicht vom MCC über Chardonnay, Sauvignon Blanc, Shiraz bis zum Cabernet Franc dominierten Cap Bordeaux Blend.

Herzlich begrüßt wurde ich durch Sannaline, die Frau des zweiten Weinmakers Roger. Seit 23 Jahren schmeisst sie zusammen mit den beiden Männern das Weingut, und ist dabei unter anderem für die Weintastings zuständig. Halleluja, was kann Besseres passieren, als ein Weintasting bei Sannaline! Herzliche Freundlichkeit trifft bei ihr auf eine eigene Motivation, Besuchern die Handswerkskunst des Weingutes und die Ideologie dahinter wirklich nahezubringen. Sannaline verkörpert die Form von echter Gastfreundschaft, die sich über Rückfragen, Austausch und gemeinsame Diskussion freut.

Start your tasting right, am besten mit Bubbles

Das Weintasting beginnt mit Omas Apfelkuchen, also zumindest mit seinen Aromen in der Nase, wenn sie sich aus dem Ofen langsam im Haus ausgebreitet haben. Clos André heißt der Start, ein MCC aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier, 2019, drei Jahre auf der Hefe gelagert. In der Nase dieser Apfel und diese Hefe, dazu eine Perlage auf der Zunge wie Seide. Was für ein Start, die Flasche mit der Nummer 525 von 712.

Weiter geht es mit Chardonnay 2021 und einem sensationellen Sauvignon Blanc (Cielo nel Capo, Jahrgang 2021). Beide bringen nur 12 Vol. % Alkohol mit ins Glas, was für eine Seltenheit hier in der Region, beides exzellent feine Weine. Mein Favorit der beiden Weißweine war der Sauvignon Blanc mit seinen Aromen von Pfirsich, Birne, Litschi, Grapefruit, ein ganz klein wenig Paprika, weißer Pfeffer und sanftes Karamell. Um die Frucht zu betonen, sowie um Alkohol, Säure sowie grüne Noten zu reduzieren, wurden die Trauben mit nur sanftem Druck gepresst. Nach der Gärung kam der Wein für 10 Monate in der 2. und 3. Belegung in heimisches Acaia Holz und französische Eiche.

Mein Tag schien an der Stelle eigentlich schon gelaufen. In meiner Überzeugung, dass es nicht mehr besser werden kann, bringt Sannaline die Rotweine…

Die Rotweine von High Constantia

Sie beginnt mit zwei reinsortigen Cabernet Franc, gegeneinander verkostet die Jahrgänge 2016 und 2013. Nicht etwa weil die wegmüssen, sondern weil es Philosophie dieser Boutique ist, Weine dann auf den Markt zu bringen, wenn sie soweit sind. Was auch der Grund dafür ist, dass sie irgendwann aufgehört haben, ihre Weine bei Platter‘s & Co verkosten zu lassen. Denn gemeinhin beschreibt und vergleicht ein Weinführer halt nun einmal die aktuellen Weine. Eigene Ideologie und klassisches Konzept passen hier einfach nicht aufeinander. Da sie hier bei High Constantia von ihrem Weg überzeugt sind, verzichte sie dann halt auf die Werbewirkung.

Der Jahrgang 2016 war etwas kühler als 2013, was ich bestätigen kann, wir waren im Winter 2016 auch hier. Was beim Cabernet Franc dieses Jahrgangs zu einer himmlischen Kombination aus Frucht und Würzigkeit führt, sanft eingebunden Tannine. Ich bin großer Cab Franc Fan, dieser Wein ist zum niederknien! Der Preis von umgerechnet 25 Euro die Flasche ergibt ein sensationelles Preis-/Genuss-Verhältnis!

Zum Abschluss, festhalten bitte, kommt ein 2009er Cap Bordeaux Blend in die Verkostung, 50% Cabernet Franc, 39% Merlot, 11% Cab Sauvignon. Im Glas schon erste bräunliche Töne, in der Nase natürlich überwiegend die tertiären Aromen der Flaschenreifung. Und dennoch viel frische Frucht am Gaumen, Brombeere, Kirsche, Pflaume, reife Erdbeeren. Herrlich dazu in der Balance Leder, Fleisch, Tabak und Würzigkeit, im Hintergrund ganz feine Tannine.

Vermutlich ist meine Freude über die Entdeckung von High Constantia in diesem Beitrag deutlich geworden. Ich möchte nicht sagen, „Leute, biegt bloß rechtzeitig ab, wenn ihr auf dem Weg zu Groot Constantia seid“. Die 450.000 Besucher liegen nicht falsch. Die wahren Weinkenner und -freunde sollten aber unbedingt am nächsten Tag wiederkommen, High Constantia darf man nicht verpassen!

Das Weintasting hat übrigens nicht mehr gekostet als überall anders in Constantia. R130 oder 150, geradezu lächerlich für das, was einem hier geboten wird. Hier der Link direkt zu ihrer Webseite.

Klein Constantia

Eingang zu Klein Constantia

„Ach, das ist ja ganz süß hier“, waren meine Gedanken auf den letzten paar Hundert Metern bevor ich auf dem Weingut Klein Constantia angekommen bin. Vorbei an Rebflächen und zwischen die durch ging es ein bisschen rauf, runter, links und rechts hinein in eine scheinbar verschlafene Ecke von Constantia. Der Name schien hier umgehend Programm.

Wie man auf der folgenden Karte gut sehen kann, steht Klein Constantia überwiegend für zwei Rebsorten. Sauvignon Blanc, das ist überraschungsfrei hier in der Gegend, und Muscat de Frontignan. Letzteres ist die Traube für den berühmten Vin de Constance, ein Süßwein, der zu den besten Dessertweinen der Welt gehört. Drüben bei den Kollegen von Groot Constantia nennen sie ihn übrigens Grand Constance. Oben rechts auf der Karte sieht man übrigens noch die Parzelle mit Riesling, auf die ich als großer Fan des Rheingaus natürlich super gespannt war. Leider geben sie den Riesling jedoch auf, reissen in den nächsten Wochen die Riesling Reben raus, ersetzen sie gegen Sauvignon Blanc, und hatten ihn natürlich auch nicht mehr in der Verkostung.

Lagenkarte Klein Constantia

Ich gebe es ja gerne zu, wenn man es kann, bin ich schon ein Freund davon, wenn sich Weingüter mit und in ihrer Landschaft inszenieren. Weil was bei Immobilien Lage, Lage, Lage heißt, heißt im Weinbau Terrain. Und das ist ja nun eher selten hässlich, sondern gerne offen und der Sonne zugeneigt. Kann man also ruhig zeigen, und das tun sie hier in Südafrika bekanntlich auch. Dabei kommt halt nur der Wein und das vertiefte Interesse daran dem Lifestyle und der Architektur bisweilen unter die Räder. Das ist hier in Klein Constantia anders.

Weintasting für echte Liebhaber

Wenn ich mich selbst als Gruppe bezeichne, waren heute Nachmittag fünf Gruppen mit insgesamt 12 Weinliebhabern zum Tasting vor Ort. Und alle hatten ihre Nasen in den Gläsern! Es wurden Aromen gesucht, Körper und Abgänge vermessen, es wurde geschwenkt, getuschelt und genickt. Die fünf Gruppen wurden von bis zu 4 super freundlichen und fachkundigen Hosts betreut. Mit ihnen konnte man diskutieren, sie sind auf ihre Gäste eingegangen und waren an ihren Meinungen interessiert. Me in heaven! Ich erinner mich noch gut an das Weintasting, bei dem der Host permanent seinen Spickzettel konsultieren musste.

Eben weil sie sich hier gerne die Zeit für ihre Gäste nehmen, bietet sich eine Reservierung vorab an. Das geht am besten direkt über ihre Webseite. Für Gruppen bis maximal 8 Personen bieten sie auch Vineyard Drives im offenen Landrover an. Das nehme ich mir fest für den nächsten Besuch vor!

Verkostungsraum von Klein Constantia

Der Spaß im Glas bei Klein Constantia

Über allem steht ihre Philosophie von Terroir geprägten Weinen, deren Trauben auf bis zu 300 Höhenmetern wachsen. Sie blenden hier nicht, sondern versuchen Jahr für Jahr den besten Wein aus seinem jeweiligen Terroir zu machen. Bei den Rebsorten definiert sich Klein Constantia überwiegend über Sauvignon Blanc. Neben den Vin de Constance Süssweinen natürlich, von denen ich zum Abschluss auch noch einen on-top verkosten durfte.

Insbesondere der Sauvignon Blanc Metis 2019 war ein schöner Wein, mit Aromen von reifer Ananas, Papaya, Pfirsich, einer schönen Mineral, hinten raus schön salzig. Sein relativ hoher Alkoholgehalt von 13,5% wurde durch einen leichten Schmelz (20% Holz-Anteil) schön überdeckt.

Bei aller Fokussierung auf Sauvignon Blanc. Aus meinem Signature Weintasting für R150 (Stand Februar 2024) fand ich dennoch ihren 2022 Chardonnay für mich am überzeugendsten. Vielleicht weil sie zugunsten der Frische auf die malolaktische Gärung verzichtet haben. Das Holz (60% für 9 Monate in französischer Eiche) war präsent, aber er war trotzdem erfreulich frisch statt übertünchend buttrig. Ein riesiges Bukett an Aromen in der Nase und am Gaumen, von Apfel, etwas Grapefruit, Brioche, Pfeffer, Heu bis zu wirklich ganz zartem Leder. Dabei ein immens langer Abgang, bei dem eine Salzigkeit aufgetreten ist, die sofort den nächsten Schluck verlangt hat. Tolle Trink- und Genussfreude!

Rotweinfreunden sei der Estate Red Blend empfohlen, eine Cuvée aus überwiegend Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Malbec. Ich habe Jahrgang 2021 verkostet, die 18 Monate in französischer Eiche gereift hat. In der Nase dominieren Schwarzkirsche und Karamell, am Gaumen gesellen sich Pflaume, schwarze Johannisbeere, rote Paprika, etwas Heu und feines Zedernholz dazu. Die Tannine sind super geschmeidig, sagen nur ganz leise „Hallo“, der Jahrgang ist schon heute gut trinkbar, hat seinen Höhepunkt meiner Meinung nach in 5 Jahren. Auch trotz seiner 14% Alkohol ist er wunderbar komplex und gradlinig.

Fazit

Das Weintasting bei Klein Constantia hat mich auf allen Ebenen überzeugt und ist eine echte Empfehlung für jeden Weinfreund in Constantia. Das Weintasting an sich war eine tolle Experience, die Weine sind hervorragend.

Buitenverwachting

Buitenverwachting, Zufahrt

Ist Picknick-Weingut eigentlich ein formal bekannter und anerkannter Fachbegriff? Egal, vielleicht sollte ich den Begriff einführen. Er ist dabei gar nicht despektierlich gemeint, sondern soll einfach der Einordnung dienen. Buitenverwachting in Constantia wäre eines dieser Picknick-Weingüter, in denen das Abhängen mit Freunden oder der Familie der eigentlich Besuchsgrund ist, der Wein eher die Begleiterscheinung. 

Ja, und damit ist der Wein halt auch austauschbar. Seine primäre Aufgabe in diesem Setting ist gutes Benehmen. Am besten fällt er einfach nicht unangenehm auf. Also bloß nicht wie zum Beispiel Onkel Ernst, früher Corona-Schwurbler, jetzt Klimawandel-Leugner. Vermutlich hat jeder irgendwo im (hoffentlich) sehr entfernten Familien- oder Bekanntenkreis einen solchen Onkel. Niemand braucht das, man will ja schließlich einen fröhlichen, leichten, seichten Nachmittag verbringen. Das ist auch total fein so – wenn der leichte Zeitvertrieb das Ziel der Reise ist. 

Zeitvertreib bei Buitenverwachting

In diesem Fall kann man sich bei Buitenverwachting eine hölzerne Nummerntafel neben die Picknickdecke stecken und sich damit seinen Claim für den Nachmittag mitsamt Friends & Family abstecken. Oder man holt sich bei Coffee Bloc einen nachmittäglichen Espresso. Spätestens danach sind Nase und Gaumen der Wein eh Wurst. Man kann hier sein Geld auch in Schmuck des Designer-Duos Maack & Martin anstelle in Wein anlegen. Oder in Seifen, Kerzen oder Glückwunschkarten. Egal was alles nichts mit Wein zu tun hat – bekommt man hier im Studio genannten Gebäude auch. Den Wein von Buitenverwachting gibts zuhause schließlich auch bei Lidl. 

Das war jetzt vielleicht etwas arg zugespitzt – und hat mir zuhause gleich einen Rüffel eingebracht. Das Gelände und das Angebot von Buitenverwachting sind super, wenn man eine entspannte Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen möchte. Und natürlich kann man hier auch ein Weintasting machen. Das Tasting-Center im 250 Jahre alten Weinkeller ist sogar wirklich schön gemacht. Nur habe ich sie mir ehrlicherweise erspart, nachdem ich ihren Sauvignon Blanc (Hussey’s Vlei, Jahrgang 2022) getrunken habe, den sie mir in der Vinothek als ihren Flagship Wein empfohlen habe. Mir war heute einfach zu wenig nach Picknick heute. Außerdem war ich alleine unterwegs, war also heute auf der Suche nach jemandem, der mir auch Antworten gibt, statt nur gefällig neben mir auf der Picknickdecke zu sitzen.

Der Andrang ist groß, für ein Weintasting würde ich vorab eine Reservierung empfehlen. Sonntags ist die Anlage geschlossen. Weitere Informationen findet ihr hier direkt auf der Webseite von Buitenverwachting.

Beau Constantia

Beau Constantia

Für mich das Weingut mit der besten Lage entlang der Constantia Wine Route. Ein wenig wie ein Amphitheater liegt das Weingut Beau Constantia oberhalb von Constantia, auf etwa 300 Metern Höhe am Constantia Nek. An guten Tagen reicht der Blick bis weit in die False Bay, bis zu den Bergen von Stellenbosch oder Helderberg. Aber bleiben wir erstmal hier, im Heute und beim Weintasting.

Es werden drei verschiedene Weintastings angeboten. Das Lifestyle Tasting „Pas de Nom“, bei dessen Weinen Trauben aus der Region rund um Stellenbosch verarbeitet werden. Im Februar 2024 kostete es R110. Bei sogenannten „Family Tasting“ (R150) stammen die Trauben direkt von der eigenen Farm. Die dritte Möglichkeit ist eine Mischung aus den Erstgenannten und kostet ebenfalls R150. Überraschungsfrei habe ich mich für das qualitativ höhere „Family Tasting“ (R150) entschieden, da ich immer auf der Suche nach Terroir bin. Also bin ich auch hier bei der Herkunft der Weine lieber vor Ort geblieben. Die Rebflächen von Beau Constantia reichen bis auf 350 Höhenmeter hinauf, die hier oben kühleren Nächte versprechen ideale Reifebedingungen und Frische.

Beau Constantia, Ausblick Richtung False Bay

Das Weintasting startet mit einem reinsortigen 2023 Viognier namens „Cecily“, sehr außergewöhnlich für die Region hier. Es gibt nur ein weiteres Weingut am ganzen Kap, das ebenfalls Viognier anbaut. Danach folgt ein 2023 Rosé aus 100% Cabernet Franc namens „Karin“, danach folgt mit „Lucca“ eine 2020er Cuvée aus 50/50 Cabernet Franc und Merlot. Das Tasting schließt ab mit einem nahezu reinsortigen Syrah namens „Stella“, ebenfalls Jahrgang 2020, dem sie „zur Verschlankung“ 0,5% Viognier mit die französische Eiche gegeben haben.

Spaß im Glas

Ich war vor 5 Jahren zuletzt hier, mein Favorit hat sich nicht geändert, es bleibt „Lucca“, die Cuvée aus Cabernet Franc und Merlot. Der Wein begleitet einen Grillabend ganz hervorragend, führt aber auch als Solist ganz hervorragend durch den Abend. Vor 5 Jahren haben wir ihn in auch mitgenommen zum Open Air Konzert im Botanischen Garten Kirstenbosch. Auch auf dieser super entspannten Bühne hat er eine gute Figur gemacht.

Und sonst? Ich mag eigentlich Viognier, aber mit seinen 13,5 Vol. % war er mir ehrlich gesagt eine Spur zu bullish, insbesondere um 11 Uhr am Vormittag… autsch. Der ist auch im Sommer eher nichts für tagsüber, aber am Abend zu gegrillten Shrimps kann ich mir den sehr gut vorstellen.

Für das Weintasting verlangen sie R150, also aktuell 7,50 Euro. Und ja, ich bin ein großer Freund von bezahlten Tastings. Die wechselseitigen Erwartungen sind einfach geklärt, das mag ich. Ich meine, dass dadurch auch der Service besser ist. Hier bei Beau Constantia war er zumindest ganz exzellent, fachkundig und aufmerksam. Und neben guten Weinen bekommt man optisch auch noch etwas geboten. Stichwort Lage, Amphitheater, zwei wirklich schöne Stunden! Eine Reservierung würde ich empfehlen, über Mittag wurde es ziemlich voll – sogar an einem Montag. Die Kontaktdaten findet ihr hier.

Chefs Warehouse at Beau Constantia

Ich kann den Blogbeitrag einfach nicht beenden, ohne auf das Restaurant auf der Farm hinzuweisen, Chefs Warehouse. Einfach weil die Küche von Chefkoch Ivor Jones zu den besten gehört, die man in Constantia finden kann. Es gibt also mindestens zwei Gründe für einen Besuch von Beau Constantia – viel Spaß dabei!

Constantia Glen

Constantia Glen, Innenhof

Man kann die Historie einer Cap typischen Farm zelebrieren, ohne dabei steif oder gar verstaubt zu wirken. Den österreichischen Besitzern von Constantia Glen gelingt es sogar, die Historie ihrer wirklich wunderschönen Anlage auf ganz natürliche Weise modern, entspannt und auch im Heute vollkommen authentisch zu interpretieren. Im Ergebnis wird daraus ein absoluter Wohlfühl-Oase – am liebsten für Stunden.

Ich habe Constantia Glen bei unserer letzten Südafrika Reise 2018 kennen- und lieben gelernt. Daher sollte unser erster Weg nach der diesmaligen Ankunft, gleich von Unterkunft in Richtung Constantia Nek gehen, den Pass, an dessen östlichem Hang das Weingut liegt. Leider hat uns die Airline einen Strich durch diese Abendessensplanung in Constantia gemacht. So konnten wir Constantia Glen erst zwei Tage später und auch nur in der Mittagspause auf ein kleines Lunch und das Flagship Weintasting besuchen. Für R150 (Stand Februar 2024) gibt es vier Weine zu verkosten, zwei Mal weiß, zwei Mal rot. Dazu eine geteilte Käseplatte und ein Beetroot Salat. Herrjeh, wie herrlich kann man eigentlich seine Mittagspause verbringen?!

So überschaubar groß Constantia Glen ist, so viel Abwechslung bieten sie auf der Anlage. Die Plätze vor dem Gebäude, sowie die aus dem Haus heraus bieten einen spektakulären Blick hinunter auf Constantia und die False Bay. Lage, Lage, Lage, sag ich da nur. Oder in diesem Fall Terroir! Mein Lieblingsplatz ist allerdings der kleine Innenhof, der hinter dem Haus Richtung Weinberge gelegen ist. Ihr seht ihn oben auf dem Bild. In der Mitte plätschert ein Brunnen, das Glas Weißwein ist kalt, das ist gechillte Ruhe pur hier.

Spaß im Glas bei Constantia Glen

Bevor ich zu meinen Weintasting-Highlights komme, noch etwas zu den Menschen hier. Stellt Euch vor, südafrikanische Freundlichkeit trifft auf österreichische Gastfreundschaft trifft auf Qualität im Glas. Ja, genau, das hat die Vorarlberger Familie Waibel hier geschaffen.

Der 2022 Sauvignon Blanc (ausgebaut im Stahl) war genau richtig für die Mittagshitze, frische Zitrusaromen gepaart mit tropischen Früchten und etwas grüner Paprika. Constantia Glen TWO 2021, eine weiße Bordeaux Cuvée aus Sauvignon Blanc (ausgebaut im Stahl) und Semillon (ausgebaut in französischer Eiche) war ein sensationeller Wein, für mich bei 30 Grad am Mittag aber etwas bullish. Für die heimischen Breitengrade aber eine echte Empfehlung, da ist es dann auch meistens egal, ob zu Mittag oder am Abend.

Die beiden Rotweine waren Bordeaux-Blends aus 2020, der etwas leichtere THREE aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, sowie der etwas körperreichere FIVE, bei dem noch Malbec und Petit Verdot dazukommen. Der Constantia Glen FIVE 2020 wurde im Platter´s Wine Guide von 2024 mit 5 Sternen ausgezeichnet und zählt zu den Top-15 roten Cape Bordeaux. Beide stehen noch 5-8 Jahre vor ihrem Höhepunkt, sind aber schon heute prima trinkbar, der etwas leichtgewichtigere THREE sogar prima an einem Sommerabend zum Grillen.

Auch wenn unser Besuch heute leider nur eine schnelle Nummer – wir waren beide froh, erneut Zeit an diesem schönen Fleck Constantia verbracht zu haben. Allen anderen empfehlen wir, mehr als nur eine Stunde einzuplanen. Öffnungszeiten und Kontakt für Reservierungen findet ihr hier direkt auf der Webseite von Constantia Glen.

Groot Constantia

Groot Constantia

Lust auf etwas Geschichte? Simon van der Stel war der erste Gouverneur der Kapkolonie, und als solcher offenbar ein ziemlich innovativer Kerl, der u.a. 1685 das Weingut Groot Constantia gründete. Besser, gründen ließ, hier in Constantia als Wiege des Weinbaus in Südafrika.

Die heute älteste Wein produzierende Farm in Südafrika hat die Weinindustrie des Landes schon früh geprägt – und tut dies mit ihrem hohen Qualitätsanspruch noch heute. In der jüngsten Ausgabe von Platter‘s Wine Guide wurde Groot Constantia zum wiederholten Mal ausgezeichnet, so gut wie alle Weine wurden mit 4 1/2 von 5 Sternen bewertet. 5 von 5 Sternen gab es für den weißen Bordeaux Blend „Gouverneurs Reserve White“. Da war er wieder, der Gouverneur, und da wären wir dann auch wieder bei der Geschichte.

Die eigene Historie wird in Groot Constantia so konsequent inszeniert, wie ich es sonst selten in Südafrika erlebt habe. Das weitläufige Weingut mit seinen Tasting Areas und Restaurants zieht tagtäglich zahlreiche Besucher an, jährlich sind es 450.000. Zum modernen Lifestyle-Place wurde es deshalb aber dennoch nicht entwickelt. Neben exzellenten Weinen, überwiegend geprägt von Bordeaux, findet man hier Kap Historie pur. Ein schöner Kontrast zu vielen anderen Weingütern hier in der Region.

Weintasting in Groot Constantia

Bei einem Besuch empfehle ich unbedingt auch das kleine Museum zu besuchen. Das Weintasting kostet aktuell (Stand Februar 2024) R130 und beinhaltet 5 verschiedene Weine. Es gibt mehrere Tasting Areas, sowohl im Haus, als auch im schattigen Park. Alternativ bietet sich eine kleine Mittagspause zum Beispiel im Bistro Jonkershuis an. Die aktuelle Öffnungszeiten gibt es direkt hier auf der Webseite.

Meine persönlichen Highlights im Glas? Ihr Flagship-Wein, der Gouverneur, also der weiße Bordeaux Blend Jahrgang 2021 aus 61% Sauvignon Blanc und 39% Semillon, gereift 10 Monate in französischer Eiche. Daneben hat mir der 2022 Sauvignon Blanc sehr gut gefallen, dem sie wenige Prozent unwooded Semillon zur Seite gestellt haben. Das macht ihn herrlich frisch, ohne zu große Säure, gleichzeitig nicht zu leicht und flüchtig, schöne tropische Aromen im Glas.

Steenberg Wine Farm

Steenberg Wein Farm, Tasting Bar

Mein erster Besuch bei Steenberg war 2018, wir haben dort eine Runde Golf gespielt und sind anschließend statt zu Loch 19 rüber auf das Weingut zu einem Tasting. Der Golfplatz ist wirklich in Erinnerung geblieben, das mag am Platz liegen oder an meinem Spiel, wahrscheinlich an meinem Spiel. Das Weingut hier in Constantia allerdings fand ich schrecklich. Es ist bis heute wie traumatisiert abgespeichert unter der zugegeben wenig schmeichelhaften Analogie: „Die schnöselige Golfgastro unter den Weingütern Südafrikas“. Ich weiß, Geschmäcker sind verschieden. Und es tut mir leid, aber ich hätte wirklich jedem sofort von einem Besuch abgeraten. Bis heute.

Heute wollte ich der Angelegenheit aus gutem Grund eine zweite Chance geben. Und was war das Ergebnis? Die Tasting Area ist weiterhin die Schwester der fürchterlich schnöseligen Golfgastro, stehen geblieben in der schrecklichen Ecke der 90er Jahre, ähnlich wie Schulterpolster und aufgestellte Kragen von Polohemden – und trotzdem lohnt sich sogar ein zweimaliger Besuch auf der Steenberg Wine Farm!

Die meisten der bekannten Weingüter in Südafrika kann man als „Lifestyle-Places“ bezeichnen. Das Erlebnis steht im Vordergrund, ganzheitlich aus häufig sensationeller Landschaft, Inszenierung, Quality time mit Freunden, Essen und Trinken, der Wein ist dabei häufig Mittel zum Zweck. Das ist auch OK, hier für meinen Geschmack halt schlecht exekutiert. Unabhängig davon – was Steenberg Wine Farm dennoch mehr als ein Mal lohnenswert macht, sind die beiden Restaurants auf der Farm, das Tryn und das Bistro Sixteen82.

Eher aus Verlegenheit waren wir zuerst im Tryn, und dabei ganz begeistern vom super Service, einer unerwartet entspannten, unaufgeregten Atmosphäre und tollem Essen. Also haben wir tags darauf das Bistro Sixteen82 ausprobiert. Und auch hier hatten wir einen tollen Abend. Der Service erneut ganz hervorragend, das kulinarische Konzept basiert auf kleineren Gerichten im Tapas Style, schön zum Teilen, eine tolle Auswahl, hervorragende Qualität. Das ist richtig, richtig gutes Essen hier! Und die Weine?

Der MCC aus Chardonnay war ok, die Perlage für meinen Geschmack vielleicht ein wenig zu biestig. Der 2022 Chardonnay war sehr schön trinkbar, eher auf der cremigen Seite, wie hier in der Region typisch. Den reinsortigen 2022 Semillon fand ich hervorragend – trotz seiner 14,7 Vol. % hat er zum Essen eine gute Figur gemacht.

Klar heisst ihr icon wine „Magna Carta“, darunter machen sie es nicht.

Ob man bei Steenberg eher fürs Essen oder für die Weine stehen möchte? Ich weiß es nicht. Aber zum Essen komme ich definitiv gerne wieder – und trinke dabei dann auch gerne wieder ihren Wein. Reservierungen macht man am besten direkt in der Dineplan App, Alternativ über ihre Website:

Cape Point Vineyards

Cape Point Vineyard

Ich kann es nicht leugnen, Cape Point Vineyards gehört ganz eindeutig in die Kategorie Picknick-Weingut. Damit bezeichne ich diejenigen Weingüter, bei denen der Lifestyle im Vordergrund steht, die Weine nur eine begleitende Rolle haben. Aber hier in diesem Fall finde ich das gar nicht schlimm: Der Blick auf die Hout Bay und den Atlantik macht Cape Point Vineyards für mich zum schönsten unter den Picknick-Weingütern in der Region rund um Kapstadt.

Das Weingut nahe Constantia bietet auch regelmäßig Live-Musik-Events und andere Aktivitäten an. Damit und mit seinen familienfreundlichen Picknick-Wiesen ist sowohl bei Einheimischen aus Kapstadt, als auch touristischen Weinfreunden sehr beliebt. Genau so geht Lifestyle an einem durchschnittlichen Sonntagnachmittag am Kap! Am besten aktuelle Events direkt hier auf der Webseite checken.

Die Weine von Cape Point Vineyards

Bei allem Picknick und Lifestyle, man bekommt hier schon auch Wein. In 2007 wurde das Weingut vom Decanter für den besten Sauvignon Blanc der Welt ausgezeichnet. Bei allem Verständnis für die Freude über eine solche Wertschätzung seiner Leistung. Wenn die letzte dieser Ehrung gute 17 Jahre her ist, bekommt es auch etwas peinlich berührendes… Nach 17 Jahren würde ich persönlich das Schild mal abschrauben, wenn kein neues dazugekommen ist. Aber auch wenn ihr Sauvignon Blanc nicht mehr der beste der Welt ist, sie machen auch heute schon noch sehr ordentlichen Wein. Cape Point Vineyards ist weiter überwiegend auf Sauvignon Blanc spezialisiert, aber auch Chardonnay und weiße Bordeaux Blends gehören ins Programm.

Cape Point Vineyards Sauvignon Blanc Nordhoek 2022

Sowohl der Sauvignon Blanc Reserve 2022 als auch der Sauvignon Blanc Nordhoek 2020 sind eher fruchtbetont, Aromen von Pfirsich und tropischen Früchte. Beide sind angenehm cremig, nicht zu säurebetont. Beim Reserve kommt dazu noch eine schöne Mineralik. Nochmal: Bezogen auf den Anlass, also den entspannte Nachmittag oder das Essen mit Blick auf den Atlantik, sind die Weine sehr ordentlich. Und der Anlass ist die Fahrt zu Cape Point Vineyards absolut wert – jedes Mal wieder!

Weingut Prüm und die Wehlener Sonnenuhr

Das Weingut SA Prüm ist mit einer der berühmtesten Sehenswürdigkeit der Mittelmosel eng verbunden. Jeder Besucher der Mosel kennt sie, die Wehlener Sonnenuhr, gebaut an einem Schieferstein oben in den Steillagen inmitten von Reben. Der berühmte Zeitmesser und Namensgeber einer der Top-Lagen der Gemeinde Wehlen wurde 1842 von Jodocus Prüm erbaut, einem Vorfahren von Saskia Prüm, der heutigen Besitzerin des Weingutes SA Prüm. Das Weingut liegt im Ortsteil Wehlen, und dort direkt an der Mosel an der Uferallee. Aus Bernkastel-Kues kommend ist das Weingut das perfekte Ziel für einen Spaziergang entlang des Flusses.

Die Steilhanglagen des Weingut SA Prüm an der Mittelmosel
Steillagen an der Mosel zwischen Bernkastel, Graach und Wehlen

Die Geschichte des Weingut Prüm

Namentlich erwähnt wurde die Familie Prüm in Dokumenten erstmals 1156. Sie ist damit bereits seit mehr als 860 Jahren an der Mittelmosel im Weinbau aktiv. Die Weinbergslagen von damals werden bis heute von der Familie bewirtschaftet. Aber es sollte dennoch bis 1911 dauern, bis Matthias Prüm das heutige Weingut Prüm gründete und nach seinem Vater Sebastian Alois Prüm nannte. Bis vor wenigen Jahren wurde das Weingut von Raimund Prüm geführt, auch als „der rote Prüm“ bekannt. Raimund Prüm war Gründungsmitglied des Verbandes der Prädikatsweingüter in Deutschland und kompromisslos in Sachen Qualität. Er ist einer derjenigen Winzer der Mosel, denen die gesamte Weinbauregion ihre Spitzenstellung weltweit verdankt. Aber nicht nur am weltweiten Ansehen war Raimund Prüm gelegen, er wollte vor allem auch die Weinkultur in Deutschland entwickeln. Und so arbeitete er 2007 erstmals mit dem Discounter Aldi zusammen, für deren Kundschaft er extra einen preisgünstigen Riesling produzierte. Der Aufschrei derer war groß, die die Idee hinter seinem Projekt nicht verstanden haben. Es ging Prüm darum, neue Kunden an das Produkt Mosel Riesling heranzuführen. Auf diesem Weg wollte er sie schrittweise an höhere Qualitäten und Kaufpreise heran- und vom billigen 2,79 Euro Massenwein wegzuführen.

Seit 1. Juli 2017 wird das Weingut Prüm von seiner Tochter Saskia Andrea geführt. Mit den Initialen der diplomierten Weinbauingenieurin wird das Weingut erstmals nicht nur von einer Frau, sondern wirklich von einer SA geführt.

Rieslinge aus den besten Lagen des Weingut SA Prüm
Rieslinge aus den besten Lagen der Mittelmosel

100% Riesling pur

Im Weingut SA Prüm hat man sich voll und ganz dem Riesling verschrieben. Die Karte weist zwar einen Pinot Noir aus, für dessen Erzeugung werden jedoch Trauben von ausgewählten Produzenten aus der Region zugekauft.

SA Prüm bewirtschaftet ausschließlich Steilhanglagen mit Süd- bis Südwestausrichtung, gelegen entlang der Mosel auf einer Länge von etwa 4 km von Bernkastel bis zum Ortsteil Wehlen. Die Hänge zeichnen sich neben ihres starken Gefälles vor allem durch ihre mineralstoffreichen Schieferböden aus. Die steilen Schieferhänge über den Flüssen speichern tagsüber die Sonnenwärme und geben sie nachts wieder ab. Die Wurzeln der Reben dringen weit mehr als 10 Meter tief in den Boden ein, um sich dort mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Aus hier geernteten Trauben lassen sich dadurch einzigartig feine, fruchtige Weine mit einer für die Mosel bzw. ihren Boden typischen Mineralik erzeugen.

Vinothek im Weingut SA Prüm
Die Vinothek des Weingutes SA Prüm

Weinprobe auf dem Weingut SA Prüm

Eine Weinprobe bei Prüm kann schon sein zwei Stunden dauern, die Vinothek ist werktags und an Samstagen geöffnet. Es bietet sich aber an, sich vorher anzumelden um in den Genuss der vollen Aufmerksamkeit zu gelangen. Das Tasting wird pro Person mit 15 Euro berechnet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt!

In die Verkostung kamen bei uns etwa 14 Weine aus einer Auswahl an über 60 Weinen. Die extrem gastfreundliche Mitarbeiterin in der Vinothek ist dabei auf unsere Vorlieben und Interessen sehr gut eingegangen und hat uns einen informativen Aufenthalt beschert. Ein weiterer Vorteil wenn man sich vorab zur Weinprobe anmeldet.

Bemerkenswert fand ich eine ganze Auswahl mehrere, ganz verschiedener Weine. Auch wenn die Reben für ihren Pinot Noir Rosé nicht selber anbauen, als einfacher Sommerwein hat mir der Jahrgang 2018 super gefallen. Und mit 9,50 Euro pro Flasche ist das Preis-Genuss-Verhältnis auf der heimischer Terrasse schwer zu überbieten. Auch ihr Gutswein 2017 Prüm Blue Kabinett Trocken habe ich in sehr guter Erinnerung behalten. Mit 8,2 Gramm Restzucker ist er am oberen Ende meiner persönlichen Skala für einen trockenen Wein, aber sein erfrischendes Säure-Süße-Spiel mochte ich gerne leiden. Für 13,50 Euro erhält man einen sehr ordentlichen Einstiegswein!

Meine beiden Highlights allerdings waren zwei Rieslinge aus der Lage Wehlener Sonnenuhr. Einmal das Große Gewächs „Alte Reben“ aus dem Jahr 2012 (34,50 Euro), sowie der 2009er Riesling „Devon“ Kabinett Trocken (19,50 Euro). Diese beiden Rieslinge zeigen in trockener Form das ganze Potential der Mosel: Elegante, fruchtige Weine, eine frische und trinkanimierende Säure, und schnörkellose Mineralik. In Verbindung mit der Freundlichkeit der Gastgeber ist sowohl die Mosel als auch das Weingut SA Prüm definitiv eine Reise wert!

Weingut S.A. Prüm
Uferallee 25-26
54470 Bernkastel-Kues (Wehlen)

Anfahrt via GoogleMaps

Telefon: +49 6531 3110
Mail: info@sapruem.com
www.sapruem.com

Markus Molitor – einmaliger Wein vom einmaligen Winzer

Der Aufgang zur Vinothek am alten Gutshaus am Klosterberg

Einfach gemacht hat es der Wein Markus Molitor nicht gerade. Als junger Winzer im Alter von 20 Jahren übernimmt er 1984 von seinem Vater zwei Hektar Rebfläche in Bernkastel-Wehlen an der Mosel. Kurz darauf gerät die gesamte deutsche Weinwirtschaft in eine existenzielle Krise, die bis tief in die 1990er Jahre andauern wird. Aber der junge Winzer Markus Molitor hat eine Vision von Wein. Also kauft er über die Jahre ein Portfolio der besten Steillagen der Mosel, setzt bedingungslos auf Qualität und verzichtet bis heute auf das „schnelle Geld“. Das sind die wesentlichen Zutaten, auf denen die Anerkennung ruht, die sich der Winzer Markus Molitor erarbeitet hat. Und mit denen er darüber hinaus einer derjenigen Ausnahmewinzer ist, der mit seinem Schaffen einer ganzen Anbauregion zurück zu alter Größe verholfen hat.

Die Erfolgsgeschichte des Markus Molitor

Heute bewirtschaftet Markus Molitor eine Rebfläche von etwa 70 Hektar entlang der Mosel. Er setzt ausschließlich auf Top-Lagen, in denen bis über 100 Jahre alte, wurzelechte (!) Reben stehen. Die steilsten Hanglagen weisen 80% Gefälle auf, das ist schon von unten ein imposanter Anblick. Es sind die Top-Lagen wie Wehlener Sonnenuhr, Zeltinger Sonnenuhr, Würziger Gewürzgarten, Bernkasteler Badstube oder Graacher Himmelreich, um nur einige zu nennen. Zudem bewirtschaftet Markus Molitor mittlerweile knapp 30 Hektar Rebfläche an der Saar. Dort, an der kleineren Schwester der Mosel, arbeitet Molitor eng mit dem Weingut Van Volxem und dessen Besitzer Roman Niewodniczanski zusammen.

Naturnaher Anbau, geringe Erträge und mehrfaches Lesen ausschließlich von Hand sind Markus Molitors handwerkliche Qualitätsfaktoren im Weinberg. Im Keller setzt er unter anderem auf 100% Spontanvergärung, den Verzicht auf stabilisierende Maßnahmen – und vor allem auf Zeit. Denn nur etwa 40% vom jeweils aktuellen Jahrgang geht in den Verkauf. Der Rest kommt in den Keller, dort wird er schließlich keinesfalls schlechter.

Der Wein von Markus Molitor

Ein Anteil von 94% der Rebfläche von Molitor ist mit Riesling bepflanzt. Daneben baut Markus Molitor in geringen Mengen Wein aus Pinot Blanc und Pinot Noir an, die sich aber auch nicht verstecken müssen. Aus seinen Rebflächen produziert Markus Molitor jährlich bis zu 40 verschiedene Rieslinge. Grund dafür ist seine Akribie, die er an den Tag legt wenn es um die Qualität seiner Weine geht. Da werden häufig keine ganzen Trauben geerntet, sondern nur einzelne Beeren. Diese mehrfache Selektion im Weinberg folgt seinem Motto „Reife statt Öchsle“ und ist die Grundlage für die Qualität dessen, was später gemeinsam in der Flasche liegt.

Die Weinprobe bei Markus Molitor

Die Vinothek am Klosterberg ist an Werktagen für spontane Besuche geöffnet. Da wir in einer Gruppe unterwegs waren, haben wir uns vorher angemeldet. An Wochenenden und Feiertagen öffnet die Vinothek nur nach Terminvereinbarung.

Die Weinprobe wird mit 20 Euro pro Person berechnet, die ab einem Bestellwert von 300 Euro pro Person erlassen wird. Aus vielen Weinbauregionen in Deutschland sind wir keine Eintrittspreise gewohnt. Mir hingegen kommen sie ganz recht. Denn erstens entfällt ggfs. die gefühlte Verpflichtung zum Kauf nach der Weinprobe, zweitens ist es eine Dienstleistung von zwei Stunden, und drittens werden meist auch bessere Weine ausgeschenkt. Und genau das sollte sich bei der Weinprobe bei Markus Molitor bewahrheiten.

Aus einer Auswahl von insgesamt 46 Weinen, davon vier Pinot Blanc und drei Pinot Noir, haben wir in zwei Stunden Tasting insgesamt 12 Weine verkostet. Angefangen vom „einfacheren“ Wehlener Klosterberg Kabinett, der dafür bereits fünf Jahre alt war, über den Drei-Sterne-Wein 2011er Erdener Treppchen Auslese, bis hin zur Trockenbeerenauslese 2006 Zeltinger Schlossberg. Die Flasche dieses Weines kostet ab Weingut allein 115 Euro. Ohne einen Unkostenbeitrag von 20 Euro würde kein Winzer der Welt einen solchen Wein in eine Verkostung geben. Daher bin ich fast froh, wenn die (höhere) Leistung auf einem Weingut auch einen Preis hat.

Mein persönliches Fazit

Meine Highlights – und anschließende Begleiter auf dem Weg nach Hause – waren die beiden trockenen Rieslinge 2017 Zeltinger Sonnenuhr Spätlese (weiße Kapsel) und 2017 Zeltinger Sonnenuhr Auslese (weiße Kapsel). Beides feinfruchtige Charakter mit Aromen von Zitrus, Grapefruit, und einer leicht salzigen Mineralik am Gaumen, die ich mir gerne für ein paar weitere Jahre in den Keller lege. Obwohl ich ein Anhänger trockener Weine bin, bei mir in der Regel kein Wein mit mehr als 4 Gramm Restzucker ins Glas kommt, habe ich mich spontan in den 2003er Graacher Domprobst Auslese (grüne Kapsel) verliebt, ein feinherber Riesling mit einem tollen Spiel zwischen Säure und Süße, der bei mir bald ein paar Scampis vom Grill zum Highlight werden lassen.

Ich mochte die moderne, ruhige und freundliche Atmosphäre, und die sehr freundliche, informative und sachkundige Weinprobe. Markus Molitor bietet erstklassige Weine – von trocken über feinherb bis zum fruchtsüßen Dessertwein. Wer sich ein Bild davon machen möchte, was die Mosel „kann“, sollte den Wein von Markus Molitor probieren – am besten gleich auf dessen Weingut, die Reise lohnt sich!

Weingut Markus Molitor
Haus Klosterberg
54470 Bernkastel-Wehlen

Telefon: +49 6532 95400 0
eMail: info@markusmolitor.com

Anfahrt (via Google Maps)

www.markusmolitor.com