Bosman Hermanus

Bosman Hermanus Eingang

Bis 2001 firmierte die 270ha große Farm unter dem Namen De Bos, ehe sie von Familie Bosman übernommen wurde, die bereits seit über 200 Jahren Weinbau in Wellington betreiben. Regenerative Landwirtschaft und Nachhaltigkeit stehen seit Jahren im Fokus der Bosmans. So bleibt die Hälfte der Farm naturbelassen, als Fynbos Landschaft Lebensraum für die heimische Tierwelt, sowie als Gebiet für 2-3 stündige Wanderungen für Naturliebhaber. Die Farm ist auch dem Anbau der Protea gewidmet, Südafrikas Nationalblume. Auf nur 54ha der Farm im Hemel-en-Aarde Valley wird Wein angebaut, überwiegend Chardonnay und Pinot Noir. Der Ausbau der Weine findet nicht hier, sondern im Weinkeller in Wellington statt. Auch umliegende Weingüter wie z. B. Hasher Family Estate (ehemals Sumaridge) beziehen Trauben von Bosman Hermanus. Und last but not least ist Bosman Hermanus auch eine Rebschule, in der derzeit 42 verschiedene Rebsorten und Klone gezüchtet werden.

Nachhaltigkeit geht für Bosman aber weit über Engagement für die Natur hinaus. Bereits in 2009 wurden 26% des Farmgeschäftes über eine Stiftung an 260 Mitarbeitende der Farm übertragen. Machen wir uns ehrlich, dieses Land basiert in großen Teilen auf vielen Jahrzehnten zum Himmel schreiender, sozialer Ungerechtigkeit. Jeder helfenden Hand, jeder Brücke und jeder Form von aktiver Entwicklung hin zu Einheit, zu sozialer und gesellschaftlicher Gleichheit gebührt Respekt. Mir jedenfalls ringt das allen Respekt ab, was die Bosman seit vielen Jahren tun. Dieses soziale Engagement wurde mehrfach ausgezeichnet, mehr Informationen dazu findet ihr hier und hier.

Bosman Hermanus im Hemel-en-Aarde Valley

Allein mit Blick auf die globale Erderwärmung macht es für mich total Sinn, hier oben auf immerhin 700 Meter über dem Meer Weinberge zu kaufen. Je 100 Meter Höhenunterschied verringern die durchschnittliche Temperatur um 0,6 Grad Celsius. Diese Bedingungen „hier oben“ sind aber schon heute ideal insbesondere für die beiden Burgundersorten Pinot Noir und Chardonnay. Das folgende Bild ist von der Ferienwohnung auf dem Gelände aus gemacht, und zeigt das gesamte obere Hemel-en-Aarde Valley.

Das Weintasting bei Bosman Hermanus

Das Frame Haus von Bosman Hermanus, in dem die Weintastings stattfinden, liegt etwa 1,3 km abseits der Hauptstrasse. Das ist sicher einer der Gründe für die Ruhe hier oben. Es sind schon Gäste hier, aber es ist einfach nicht so überlaufen wie in anderen Weingütern. Auf der Anlage befinden sich zwei Hütten, in denen man Picknick machen und Weine verkosten kann. Zudem laden eine große Terasse und ein weitläufiger Garten ein, in dem auch für Kinder gesorgt ist.

Das sog. Frame House von Bosman Hermanus, drumrum nur Ruhe und Fynbos

Das Weintasting startet mit einem MCC, also einem nach dem Champagnerverfahren hergestellten Schaumwein, hier aus 100% Chardonnay. Bei den Aromen überwiegen Zitrus, Grapefruit, etwas Tee. Hefe ist nur bei intensiver, bis an die Grenze der Einbildung dauernden Suche vorhanden, die Perlage ist aggressiv. Ich musste spontan an den typischen Prosecco vom Gardasee in den 90ern denken.

Spaß im Glas

Weiter ging es mit einer 2021er Cuvée aus Grenache Blanc, Chenin Blanc und Chardonnay, angebaut in Wellington, also nicht hier auf der Anlage. Ananas, Litschi, weiße Johannisbeeren, gereifter Pfirsich – mir insgesamt fast ein wenig zu einseitig auf der rein fruchtigen Seite. Aber ein schöner, einfacher Begleiter für ein asiatisches Essen, mit umgerechnet etwa 10 EUR pro Flasche ein ordentliches Preis-Genuss-Verhältnis in der Flasche.

Der 2022er Chenin Blanc, ebenfalls an- und ausgebaut im Hauptweingut in Wellington, hat in der 2024er Ausgabe von Platter´s Wine Guide maximale 5 Sterne erhalten. Er wurde ausgebaut sowohl im Beton als auch anschließend im Holz. Die Aromen reichen von Grapefruit, über Kräuter, Schiefer, Kreide bis hin zu Bienenwachs. Gradlinig und trinkanimierend – ein schöner Wein. Schade nur, dass das Highlight der Verkostung nicht von hier oben kommt.

Der 2021er Cinsault anschließend hatte es sicher schwer, wäre aber auch sonst über ein „gut“ nicht hinausgekommen. Samtig, rote Beere, leicht gekühlt ein guter Begleiter, macht, was er muss als Cinsault, aber halt auch nicht mehr.

Besser ist es dem 2019er Pinot Noir „Magnum Opus“ ergangen (oder mir mit ihm), der auch hier in Hemel-en-Aarde angebaut wurde. Auf der Frucht überwiegend Brombeere, dazu Aromen von Fleisch, Tabak. Leder, Pfeffer und Zedernholz, seine 14 Vol.% Alkohol merkt man ihm nicht an. Er kommt mit einem vollen Körper daher, was ich manchmal bei Pinot Noir mag. Für seine umgerechnet 17 EUR ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis.

War es unter dem Strich ein gutes Weintasting? Bosman Family Vines, also die aus Wellington, wurden in der 2024er Ausgabe von Platter´s Wine als „Winery of the Year“ ausgezeichnet. Ich bin überzeugt, man sollte auch Bosman Hermanus für die Zukunft „auf dem Schirm“ haben. Da ist Potential drin!

Bosman Hermanus Cottage

Einen kleinen Exkurs muss, nein möchte ich noch zur Ferienwohnung auf der Anlage machen. Die bekommt auch von uns 5 Sterne. Das Cottage liegt ein paar Hundert Meter entfernt vom Frame House, der nächste Nachbar ist 4 km Luftlinie entfernt, hier oben ist Ruhe pur. Das Cottage bietet mit zwei Schlafzimmern Platz für 4 Personen und ist wirklich sensationell gut und geschmackvoll eingerichtet. Meine Highlights aber waren die offene Braai-Station im Patio, und der Sonnenaufgang über dem Upper Hemel-en-Aarde Valley morgens um 6 Uhr. Einfach sensationell. Infos und Buchungen direkt über ihre Webseite.

Bouchard Finlayson

Bouchard Finlayson

Bouchard Finlayson ist ein 1989 gegründetes Boutique-Weingut, das im Hemel-en-Aarde Valley in Südafrika liegt. Das Weingut widmet sich der Herstellung von Pinot Noir, Chardonnay und Sauvignon Blanc von herausragender Qualität. Der Gründer Peter Finlayson ist für seine Pionierarbeit bei der Erzeugung von Pinot Noir von Weltklasse in den südafrikanischen Weinbergen berühmt. Als erster Winemaker hat er ab 1979 das Weingut Hamilton Russell in Hemel-en-Aarde aufgebaut. Der Erzählung nach soll Peter Finlayson, der u.a. in Geisenheim Weinbau studiert hat, über Weinbau in dieser Region einmal gesagt haben, dass man Weine im Rheingau anbauen könne, es natürlich auch hier gehe.

Mit seinem eigenen Weingut hat er sich einen weltweiten Ruf für die Herstellung unvergesslicher Weine erworben. Weine, die das einzigartige Terroir des Hemel-en-Aarde Valley widerspiegeln, das von alten Böden und kühlen Brisen vom Meer beeinflusst wird. Neben dem hochgelobten Pinot Noir ist das Weingut auch für seinen preisgekrönten Chardonnay, Sauvignon Blanc und eine rote französisch/italienischen Cuvée namens „Hannibal“ bekannt. Im Laufe der Jahre ist Bouchard Finlayson zu einem Synonym für hervorragende Weine geworden, wobei seine Tête de Cuvée- und Galpin Peak Pinot Noirs zu den besten Südafrikas zählen.

Weinbau im Hemel-en-Aarde Valley

Das maritime Klima des Hemel-en-Aarde Valley hat einen erheblichen Einfluss auf den Geschmack der Weine von Bouchard Finlayson. Die kühle Meeresbrise und die dadurch gemäßigten Temperaturen im Weinberg schaffen ein ideales Umfeld für den Anbau von Trauben, insbesondere Pinot Noir, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Dieses Klima verlangsamt den Reifungsprozess der Trauben, so dass sie komplexere Geschmacksrichtungen und Aromen entwickeln können. Daher sind die Weine von Bouchard Finlayson für ihre Reinheit, Eleganz und Lebendigkeit bekannt und spiegeln die einzigartigen Eigenschaften des kühlen Klimas und der maritimen Lage wider, die die Weinberge definieren.

Die Weinprobe bei Bouchard Finlayson

Von Hermanus kommend liegt das Weingut liegt am Ende des ersten Drittels, da, wo das Tal noch etwas schmaler ist. Erst kurz danach, oberhalb von La Vierge öffnet es sich noch weiter. Es bietet nicht die ganz so imposanten Blicke, die man von anderen Weingütern entlang der Route hat. Aber die Anlage ist sehr schön, insbesondere im kleinen Innenhof mit dem Brunnen sitzt man ganz gemütlich.

Auch das Personal ist freundlich. Es ist überhaupt nichts falsch hier, und doch fehlt mir auch nach dem mittlerweile zweiten Besuch etwas. Das Weingut ist mir zu unpersönlich, bei aller Eleganz zu steril, es kommt kein Gefühl der Gastlichkeit auf. Was aus meiner Sicht ein Makel für Bouchard Finlayson ist, weil wesentliche Aspekte fehlen, die man mit dem Wein auch Jahre später noch verbinden könnte. Markeninszenierung geht halt nun einmal weit über das Produkt hinaus.

Wie üblich bieten sie diverse Weintastings an, vom Flagship Tasting (R350) über das Premium Tasting (R150) bis hin zu Pairings mit kleinen Gerichten. Pairings mit kleinen Häppchen, Käse oder Schokolade sind ja nicht neu. Was ich hier zum ersten Mal gesehen habe, war ein Tasting mit französischen Macarons (R220). Sehr gut fand ich auch, dass man einzelne Weine individuell für jeweils R60 probieren kann. Warum davon die Flagship Weine ausgeschlossen sein müssen, habe ich wiederum nicht verstanden. Ich meine, die Flaschen sind offen, warum verwehrt man Gästen das? Das ist nicht schlau.

Premium Tasting mit Macaron Begleitung

Spaß im Glas

Ich habe mich für das Premium Tasting entschieden, in dem der Crocodile´s Lair Chardonnay 2022, Galpin Peak Pinot Noir 2022, sowie der Hannibal 2020 zur Verkostung kommen. Der Chardonnay ist sehr klassisch ausgebaut, ganz gradlinig, säurebetont, bringt eine leichte Mineralik mit, Burgund halt. Die Länge seines Abgangs war bemerkenswert. Der Pinot Noir hat mich überrascht, die typischerweise rotfruchtige Aromen fehlen nahezu komplett, dafür ganz viel reife Pflaume gepaart mit einer herrlichen Würzigkeit, fast wie bei einem Cabernet Franc. Hannibal ist eine eher untypische Cuvée aus den französischen und italienischen Rebsorten Sangiovese, Pinot Noir, Shiraz, Nebbiolo, Mourvédre und Barbera. Hannibal und seine afrikanischen Elefanten, die ihm bei seiner Überquerung der Alpen von Frankreich nach Italien geholfen haben, stand als Namensgeber für diesen Wein. Schöne Geschichte. Der Wein selbst bringt Aromen von Veilchen ins Glas, ganz viel Café, Fleisch und feuchte Erde, sanfte, samtige Tannen.

Unterm Strich war auch der diesmalige Besuch bei Bouchard Finlayson einwandfrei und ist durchaus empfehlenswert. Er bleibt aber nicht so in Erinnerung, wie es sein könnte. Unter den Weingütern im Hemel-en-Aarde Valley für mich eher im Mittelfeld. Aktuelle Öffnungszeiten und Angebote findet ihr hier direkt auf ihrer Webseite.

Hemel-en-Aarde-Valley: (M)ein südafrikanisches Weinparadies

Bowman Cottage, Hemel-en-Aarde Valley

Ich bin gerade im Hemel-en-Aarde-Valley, einem verborgenen Juwel in der beeindruckenden Weinlandschaft der Western Cape Provinz Südafrikas. Mein absolutes Lieblings-Weingebiet in Südafrika! Dieses malerische Tal, dessen Name poetisch „Himmel und Erde“ bedeutet, liegt nicht weit von der berühmten Küstenstadt Hermanus. In diesem Blogbeitrag tauche ich in die Welt des Hemel-en-Aarde-Valleys ein, um Euch zu zeigen, was dieses Weinanbaugebiet aus meiner Sicht so einzigartig macht.

Die Magie des Hemel-en-Aarde-Valleys

Das Hemel-en-Aarde-Valley besticht durch seine ruhige, idyllische Lage, eingebettet zwischen majestätischen Bergen und dem kühlen Atlantik. Diese besondere Lage verleiht dem langsam aber stetig nach hinten aufsteigenden Tal ein einzigartiges Mikroklima, das ideal für den Weinanbau ist. Als Balance zur Wärme sorgen kühlen Brisen vom Meer dafür, dass die Trauben langsam und gleichmäßig reifen. Diese regelmäßigen Tag/Nacht-Temperaturunterschiede sind entscheidend für die Entwicklung komplexer Aromen und ausgewogener Säurestrukturen. Das Tal profitiert auch von seiner vielfältigen Bodenbeschaffenheit, die von reichem Lehm bis hin zu kiesigen Untergründen reicht, was den Weinen eine außergewöhnliche Tiefe und Komplexität verleiht.

Burgunder prägen das Hemel-en-Aarde-Valley

Das Hemel-en-Aarde-Valley ist vor allem für seine herausragenden Pinot Noir und Chardonnay Weine bekannt. Diese Rebsorten profitieren besonders von dem kühlen Klima und den vielfältigen Bodenbedingungen des Tals. Pinot Noir, bekannt für seine Empfindlichkeit, gedeiht hier in der kühlen Brise und bringt elegante, komplexe Weine hervor. Chardonnay, ebenfalls eine klimasensitive Sorte, entwickelt in diesem Mikroklima seine charakteristische Balance aus Fruchtigkeit und Mineralität.

Von der Küste aus ziehen sich insgesamt 23 Weingüter wie am Schnürchen über 20 km durch das malerische Tal nach oben in Richtung Caledon. Meine persönlichen Favoriten davon sind:

  • Hamilton Russell Vineyards: Mit Sicherheit das bekannteste Weingut im Tal, berühmt für seine erstklassigen Pinot Noir und Chardonnay Weine.
  • Bouchard Finlayson: Ein Boutique-Weingut, das sich auf Pinot Noir spezialisiert hat und für seine Terroir-geprägten Weine bekannt ist. Hier geht es zum Bericht meines letzten Besuchs mit Weinprobe.
  • Bosman Hermanus: Wurde gerade in der aktuellen Ausgabe von Platter´s Wine Guide zur Winery of the Year 2024 gekürt.
  • Newton Johnson Vineyards: Ein Familienbetrieb, der sich einen Namen für seine hochwertigen Pinot Noir und Chardonnay Weine gemacht hat. Erstklassiges Restaurant!
  • Hasher Famila Estate (ehemals Sumaridge): Hiervon war ich begeistert bei meiner letzten Reise in 2019, tolle Weine, toller Service. Schöne Experience, weshalb ich sie gerne aufliste. Wurden vor wenigen Jahren vom belgischen Ehepaar produzieren weiterhin Weine, haben aber leider bis auf Weiteres für Besucher geschlossen.
  • Creation Wines: Dieses Weingut bietet nicht nur hervorragende Weine, sondern auch ein beeindruckendes kulinarisches Erlebnis.
  • Ataraxia Wines: Bekannt für ihre elegante Architektur und exzellente Chardonnay-Produktion.
  • Domaine Des Dieux: Geografisch eines der letzten der Weingüter am Ende des Valley, aber offiziell das erste, das in Hemel-en-Aarde MCC, also Schaumweine im traditionellen Champagner Verfahren herstellt.

Wine Hopper Safari

Der für mich beste Weg, die Weingüter des Hemel-en-Aarde-Valley zu erkunden ist die Wine Hopper Safari, die ein Anbieter von Hermanus aus anbietet. Im 30-Minuten-Takt fahren zahlreiche Safari-Jeeps von Hermanus aus ins Tal und halten an 10 der 23 Weingüter. Wie bei einer Stadtrundfahrt kann man an jedem Weingut aussteigen, ein Weintasting machen oder auch hervorragend Mittagessen. Und nach 30, 60 oder 90 Minuten springt man in den nächsten Safari-Jeep und fährt weiter.

Die Tour wird sehr von Touristen und Walbeobachtern auf ihrem Trip entlang der Garden Route gerne gemacht. Aber auch weinbegeisterte, heimische Tagesausflügler aus Kapstadt haben hier ihre Freude und ihren Spaß. Von Weingut zu Weingut wird die Stimmung fröhlicher, man muss nur aufpassen, dass man den letzten Safari Jeep um etwa 17 Uhr zurück nicht verpasst. Wobei wir den Eindruck hatten, die Fahrer verlieren nie Überblick über ihre „Schäfchen“ und halten sich untereinander gut informiert.

Hemel-en-Aarde Valley – mein Himmel auf Erden

Für mich ist das Hemel-en-Aarde-Valley mehr als nur ein Weinanbaugebiet. Es ist ein Tal, an dem die Leidenschaft für Wein, das einzigartige Terroir und die Schönheit der Natur eine ganz eigene, harmonische Liaison eingehen. Ihr merkt es vielleicht, ich bin verliebt. Der Besuch in diesem Tal bietet die Möglichkeit, exzellente Weine kennenzulernen, und gleichzeitig in eine Natur voller Schönheit und Ruhe einzutauchen. Hier ist alles so ruhig für das Auge, so unaufgeregt, herrlich! Für Weinliebhaber ist Hemel-en-Aarde ein unvergessliches Erlebnis und absolutes „must“.

Highlight – High Constantia

Boutique Winery High Constantia

Das Drehbuch meiner Woche in Constantia hätte mit High Constantia kein besseres Finale erleben können. Der Abschluss war mein absolutes High-Light, und kam noch dazu ganz zufällig, wie vom Himmel gefallen.

Wie 450.000 andere Besucher auch, bin ich ich auf meinem Weg zur Anlage von Groot Constantia direkt an dieser Boutique Winery vorbeigefahren. Aber um Gegensatz zu mir, bleibt es für Großteil dieser jährlich 450.000 Besucher genau bei diesem Vorbeifahren. Gottseidank wissen sie dabei nicht, was sie da tun. Mich hingegen hat die Neugier gepackt, also bin ich am nächsten Tag noch einmal los.

Gestoßen bin ich auf ein verstecktes Juwel, auf einen authentischen, handwerklichen Betrieb. Hier wird Wein gemacht, und zwar genau hier, seit 1693 schon. Seit 1999 bewirtschaftet der Winemaker David van Niekerk das Weingut, seit 2001 unterstützt im Weinkeller durch Roger Arendse. Jährlich produzieren sie lediglich etwa 35.000 Flaschen. Ihr Angebot reicht vom MCC über Chardonnay, Sauvignon Blanc, Shiraz bis zum Cabernet Franc dominierten Cap Bordeaux Blend.

Herzlich begrüßt wurde ich durch Sannaline, die Frau des zweiten Weinmakers Roger. Seit 23 Jahren schmeisst sie zusammen mit den beiden Männern das Weingut, und ist dabei unter anderem für die Weintastings zuständig. Halleluja, was kann Besseres passieren, als ein Weintasting bei Sannaline! Herzliche Freundlichkeit trifft bei ihr auf eine eigene Motivation, Besuchern die Handswerkskunst des Weingutes und die Ideologie dahinter wirklich nahezubringen. Sannaline verkörpert die Form von echter Gastfreundschaft, die sich über Rückfragen, Austausch und gemeinsame Diskussion freut.

Start your tasting right, am besten mit Bubbles

Das Weintasting beginnt mit Omas Apfelkuchen, also zumindest mit seinen Aromen in der Nase, wenn sie sich aus dem Ofen langsam im Haus ausgebreitet haben. Clos André heißt der Start, ein MCC aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier, 2019, drei Jahre auf der Hefe gelagert. In der Nase dieser Apfel und diese Hefe, dazu eine Perlage auf der Zunge wie Seide. Was für ein Start, die Flasche mit der Nummer 525 von 712.

Weiter geht es mit Chardonnay 2021 und einem sensationellen Sauvignon Blanc (Cielo nel Capo, Jahrgang 2021). Beide bringen nur 12 Vol. % Alkohol mit ins Glas, was für eine Seltenheit hier in der Region, beides exzellent feine Weine. Mein Favorit der beiden Weißweine war der Sauvignon Blanc mit seinen Aromen von Pfirsich, Birne, Litschi, Grapefruit, ein ganz klein wenig Paprika, weißer Pfeffer und sanftes Karamell. Um die Frucht zu betonen, sowie um Alkohol, Säure sowie grüne Noten zu reduzieren, wurden die Trauben mit nur sanftem Druck gepresst. Nach der Gärung kam der Wein für 10 Monate in der 2. und 3. Belegung in heimisches Acaia Holz und französische Eiche.

Mein Tag schien an der Stelle eigentlich schon gelaufen. In meiner Überzeugung, dass es nicht mehr besser werden kann, bringt Sannaline die Rotweine…

Die Rotweine von High Constantia

Sie beginnt mit zwei reinsortigen Cabernet Franc, gegeneinander verkostet die Jahrgänge 2016 und 2013. Nicht etwa weil die wegmüssen, sondern weil es Philosophie dieser Boutique ist, Weine dann auf den Markt zu bringen, wenn sie soweit sind. Was auch der Grund dafür ist, dass sie irgendwann aufgehört haben, ihre Weine bei Platter‘s & Co verkosten zu lassen. Denn gemeinhin beschreibt und vergleicht ein Weinführer halt nun einmal die aktuellen Weine. Eigene Ideologie und klassisches Konzept passen hier einfach nicht aufeinander. Da sie hier bei High Constantia von ihrem Weg überzeugt sind, verzichte sie dann halt auf die Werbewirkung.

Der Jahrgang 2016 war etwas kühler als 2013, was ich bestätigen kann, wir waren im Winter 2016 auch hier. Was beim Cabernet Franc dieses Jahrgangs zu einer himmlischen Kombination aus Frucht und Würzigkeit führt, sanft eingebunden Tannine. Ich bin großer Cab Franc Fan, dieser Wein ist zum niederknien! Der Preis von umgerechnet 25 Euro die Flasche ergibt ein sensationelles Preis-/Genuss-Verhältnis!

Zum Abschluss, festhalten bitte, kommt ein 2009er Cap Bordeaux Blend in die Verkostung, 50% Cabernet Franc, 39% Merlot, 11% Cab Sauvignon. Im Glas schon erste bräunliche Töne, in der Nase natürlich überwiegend die tertiären Aromen der Flaschenreifung. Und dennoch viel frische Frucht am Gaumen, Brombeere, Kirsche, Pflaume, reife Erdbeeren. Herrlich dazu in der Balance Leder, Fleisch, Tabak und Würzigkeit, im Hintergrund ganz feine Tannine.

Vermutlich ist meine Freude über die Entdeckung von High Constantia in diesem Beitrag deutlich geworden. Ich möchte nicht sagen, „Leute, biegt bloß rechtzeitig ab, wenn ihr auf dem Weg zu Groot Constantia seid“. Die 450.000 Besucher liegen nicht falsch. Die wahren Weinkenner und -freunde sollten aber unbedingt am nächsten Tag wiederkommen, High Constantia darf man nicht verpassen!

Das Weintasting hat übrigens nicht mehr gekostet als überall anders in Constantia. R130 oder 150, geradezu lächerlich für das, was einem hier geboten wird. Hier der Link direkt zu ihrer Webseite.

Klein Constantia

Eingang zu Klein Constantia

„Ach, das ist ja ganz süß hier“, waren meine Gedanken auf den letzten paar Hundert Metern bevor ich auf dem Weingut Klein Constantia angekommen bin. Vorbei an Rebflächen und zwischen die durch ging es ein bisschen rauf, runter, links und rechts hinein in eine scheinbar verschlafene Ecke von Constantia. Der Name schien hier umgehend Programm.

Wie man auf der folgenden Karte gut sehen kann, steht Klein Constantia überwiegend für zwei Rebsorten. Sauvignon Blanc, das ist überraschungsfrei hier in der Gegend, und Muscat de Frontignan. Letzteres ist die Traube für den berühmten Vin de Constance, ein Süßwein, der zu den besten Dessertweinen der Welt gehört. Drüben bei den Kollegen von Groot Constantia nennen sie ihn übrigens Grand Constance. Oben rechts auf der Karte sieht man übrigens noch die Parzelle mit Riesling, auf die ich als großer Fan des Rheingaus natürlich super gespannt war. Leider geben sie den Riesling jedoch auf, reissen in den nächsten Wochen die Riesling Reben raus, ersetzen sie gegen Sauvignon Blanc, und hatten ihn natürlich auch nicht mehr in der Verkostung.

Lagenkarte Klein Constantia

Ich gebe es ja gerne zu, wenn man es kann, bin ich schon ein Freund davon, wenn sich Weingüter mit und in ihrer Landschaft inszenieren. Weil was bei Immobilien Lage, Lage, Lage heißt, heißt im Weinbau Terrain. Und das ist ja nun eher selten hässlich, sondern gerne offen und der Sonne zugeneigt. Kann man also ruhig zeigen, und das tun sie hier in Südafrika bekanntlich auch. Dabei kommt halt nur der Wein und das vertiefte Interesse daran dem Lifestyle und der Architektur bisweilen unter die Räder. Das ist hier in Klein Constantia anders.

Weintasting für echte Liebhaber

Wenn ich mich selbst als Gruppe bezeichne, waren heute Nachmittag fünf Gruppen mit insgesamt 12 Weinliebhabern zum Tasting vor Ort. Und alle hatten ihre Nasen in den Gläsern! Es wurden Aromen gesucht, Körper und Abgänge vermessen, es wurde geschwenkt, getuschelt und genickt. Die fünf Gruppen wurden von bis zu 4 super freundlichen und fachkundigen Hosts betreut. Mit ihnen konnte man diskutieren, sie sind auf ihre Gäste eingegangen und waren an ihren Meinungen interessiert. Me in heaven! Ich erinner mich noch gut an das Weintasting, bei dem der Host permanent seinen Spickzettel konsultieren musste.

Eben weil sie sich hier gerne die Zeit für ihre Gäste nehmen, bietet sich eine Reservierung vorab an. Das geht am besten direkt über ihre Webseite. Für Gruppen bis maximal 8 Personen bieten sie auch Vineyard Drives im offenen Landrover an. Das nehme ich mir fest für den nächsten Besuch vor!

Verkostungsraum von Klein Constantia

Der Spaß im Glas bei Klein Constantia

Über allem steht ihre Philosophie von Terroir geprägten Weinen, deren Trauben auf bis zu 300 Höhenmetern wachsen. Sie blenden hier nicht, sondern versuchen Jahr für Jahr den besten Wein aus seinem jeweiligen Terroir zu machen. Bei den Rebsorten definiert sich Klein Constantia überwiegend über Sauvignon Blanc. Neben den Vin de Constance Süssweinen natürlich, von denen ich zum Abschluss auch noch einen on-top verkosten durfte.

Insbesondere der Sauvignon Blanc Metis 2019 war ein schöner Wein, mit Aromen von reifer Ananas, Papaya, Pfirsich, einer schönen Mineral, hinten raus schön salzig. Sein relativ hoher Alkoholgehalt von 13,5% wurde durch einen leichten Schmelz (20% Holz-Anteil) schön überdeckt.

Bei aller Fokussierung auf Sauvignon Blanc. Aus meinem Signature Weintasting für R150 (Stand Februar 2024) fand ich dennoch ihren 2022 Chardonnay für mich am überzeugendsten. Vielleicht weil sie zugunsten der Frische auf die malolaktische Gärung verzichtet haben. Das Holz (60% für 9 Monate in französischer Eiche) war präsent, aber er war trotzdem erfreulich frisch statt übertünchend buttrig. Ein riesiges Bukett an Aromen in der Nase und am Gaumen, von Apfel, etwas Grapefruit, Brioche, Pfeffer, Heu bis zu wirklich ganz zartem Leder. Dabei ein immens langer Abgang, bei dem eine Salzigkeit aufgetreten ist, die sofort den nächsten Schluck verlangt hat. Tolle Trink- und Genussfreude!

Rotweinfreunden sei der Estate Red Blend empfohlen, eine Cuvée aus überwiegend Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Malbec. Ich habe Jahrgang 2021 verkostet, die 18 Monate in französischer Eiche gereift hat. In der Nase dominieren Schwarzkirsche und Karamell, am Gaumen gesellen sich Pflaume, schwarze Johannisbeere, rote Paprika, etwas Heu und feines Zedernholz dazu. Die Tannine sind super geschmeidig, sagen nur ganz leise „Hallo“, der Jahrgang ist schon heute gut trinkbar, hat seinen Höhepunkt meiner Meinung nach in 5 Jahren. Auch trotz seiner 14% Alkohol ist er wunderbar komplex und gradlinig.

Fazit

Das Weintasting bei Klein Constantia hat mich auf allen Ebenen überzeugt und ist eine echte Empfehlung für jeden Weinfreund in Constantia. Das Weintasting an sich war eine tolle Experience, die Weine sind hervorragend.

Buitenverwachting

Buitenverwachting, Zufahrt

Ist Picknick-Weingut eigentlich ein formal bekannter und anerkannter Fachbegriff? Egal, vielleicht sollte ich den Begriff einführen. Er ist dabei gar nicht despektierlich gemeint, sondern soll einfach der Einordnung dienen. Buitenverwachting in Constantia wäre eines dieser Picknick-Weingüter, in denen das Abhängen mit Freunden oder der Familie der eigentlich Besuchsgrund ist, der Wein eher die Begleiterscheinung. 

Ja, und damit ist der Wein halt auch austauschbar. Seine primäre Aufgabe in diesem Setting ist gutes Benehmen. Am besten fällt er einfach nicht unangenehm auf. Also bloß nicht wie zum Beispiel Onkel Ernst, früher Corona-Schwurbler, jetzt Klimawandel-Leugner. Vermutlich hat jeder irgendwo im (hoffentlich) sehr entfernten Familien- oder Bekanntenkreis einen solchen Onkel. Niemand braucht das, man will ja schließlich einen fröhlichen, leichten, seichten Nachmittag verbringen. Das ist auch total fein so – wenn der leichte Zeitvertrieb das Ziel der Reise ist. 

Zeitvertreib bei Buitenverwachting

In diesem Fall kann man sich bei Buitenverwachting eine hölzerne Nummerntafel neben die Picknickdecke stecken und sich damit seinen Claim für den Nachmittag mitsamt Friends & Family abstecken. Oder man holt sich bei Coffee Bloc einen nachmittäglichen Espresso. Spätestens danach sind Nase und Gaumen der Wein eh Wurst. Man kann hier sein Geld auch in Schmuck des Designer-Duos Maack & Martin anstelle in Wein anlegen. Oder in Seifen, Kerzen oder Glückwunschkarten. Egal was alles nichts mit Wein zu tun hat – bekommt man hier im Studio genannten Gebäude auch. Den Wein von Buitenverwachting gibts zuhause schließlich auch bei Lidl. 

Das war jetzt vielleicht etwas arg zugespitzt – und hat mir zuhause gleich einen Rüffel eingebracht. Das Gelände und das Angebot von Buitenverwachting sind super, wenn man eine entspannte Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen möchte. Und natürlich kann man hier auch ein Weintasting machen. Das Tasting-Center im 250 Jahre alten Weinkeller ist sogar wirklich schön gemacht. Nur habe ich sie mir ehrlicherweise erspart, nachdem ich ihren Sauvignon Blanc (Hussey’s Vlei, Jahrgang 2022) getrunken habe, den sie mir in der Vinothek als ihren Flagship Wein empfohlen habe. Mir war heute einfach zu wenig nach Picknick heute. Außerdem war ich alleine unterwegs, war also heute auf der Suche nach jemandem, der mir auch Antworten gibt, statt nur gefällig neben mir auf der Picknickdecke zu sitzen.

Der Andrang ist groß, für ein Weintasting würde ich vorab eine Reservierung empfehlen. Sonntags ist die Anlage geschlossen. Weitere Informationen findet ihr hier direkt auf der Webseite von Buitenverwachting.

Beau Constantia

Beau Constantia

Für mich das Weingut mit der besten Lage entlang der Constantia Wine Route. Ein wenig wie ein Amphitheater liegt das Weingut Beau Constantia oberhalb von Constantia, auf etwa 300 Metern Höhe am Constantia Nek. An guten Tagen reicht der Blick bis weit in die False Bay, bis zu den Bergen von Stellenbosch oder Helderberg. Aber bleiben wir erstmal hier, im Heute und beim Weintasting.

Es werden drei verschiedene Weintastings angeboten. Das Lifestyle Tasting „Pas de Nom“, bei dessen Weinen Trauben aus der Region rund um Stellenbosch verarbeitet werden. Im Februar 2024 kostete es R110. Bei sogenannten „Family Tasting“ (R150) stammen die Trauben direkt von der eigenen Farm. Die dritte Möglichkeit ist eine Mischung aus den Erstgenannten und kostet ebenfalls R150. Überraschungsfrei habe ich mich für das qualitativ höhere „Family Tasting“ (R150) entschieden, da ich immer auf der Suche nach Terroir bin. Also bin ich auch hier bei der Herkunft der Weine lieber vor Ort geblieben. Die Rebflächen von Beau Constantia reichen bis auf 350 Höhenmeter hinauf, die hier oben kühleren Nächte versprechen ideale Reifebedingungen und Frische.

Beau Constantia, Ausblick Richtung False Bay

Das Weintasting startet mit einem reinsortigen 2023 Viognier namens „Cecily“, sehr außergewöhnlich für die Region hier. Es gibt nur ein weiteres Weingut am ganzen Kap, das ebenfalls Viognier anbaut. Danach folgt ein 2023 Rosé aus 100% Cabernet Franc namens „Karin“, danach folgt mit „Lucca“ eine 2020er Cuvée aus 50/50 Cabernet Franc und Merlot. Das Tasting schließt ab mit einem nahezu reinsortigen Syrah namens „Stella“, ebenfalls Jahrgang 2020, dem sie „zur Verschlankung“ 0,5% Viognier mit die französische Eiche gegeben haben.

Spaß im Glas

Ich war vor 5 Jahren zuletzt hier, mein Favorit hat sich nicht geändert, es bleibt „Lucca“, die Cuvée aus Cabernet Franc und Merlot. Der Wein begleitet einen Grillabend ganz hervorragend, führt aber auch als Solist ganz hervorragend durch den Abend. Vor 5 Jahren haben wir ihn in auch mitgenommen zum Open Air Konzert im Botanischen Garten Kirstenbosch. Auch auf dieser super entspannten Bühne hat er eine gute Figur gemacht.

Und sonst? Ich mag eigentlich Viognier, aber mit seinen 13,5 Vol. % war er mir ehrlich gesagt eine Spur zu bullish, insbesondere um 11 Uhr am Vormittag… autsch. Der ist auch im Sommer eher nichts für tagsüber, aber am Abend zu gegrillten Shrimps kann ich mir den sehr gut vorstellen.

Für das Weintasting verlangen sie R150, also aktuell 7,50 Euro. Und ja, ich bin ein großer Freund von bezahlten Tastings. Die wechselseitigen Erwartungen sind einfach geklärt, das mag ich. Ich meine, dass dadurch auch der Service besser ist. Hier bei Beau Constantia war er zumindest ganz exzellent, fachkundig und aufmerksam. Und neben guten Weinen bekommt man optisch auch noch etwas geboten. Stichwort Lage, Amphitheater, zwei wirklich schöne Stunden! Eine Reservierung würde ich empfehlen, über Mittag wurde es ziemlich voll – sogar an einem Montag. Die Kontaktdaten findet ihr hier.

Chefs Warehouse at Beau Constantia

Ich kann den Blogbeitrag einfach nicht beenden, ohne auf das Restaurant auf der Farm hinzuweisen, Chefs Warehouse. Einfach weil die Küche von Chefkoch Ivor Jones zu den besten gehört, die man in Constantia finden kann. Es gibt also mindestens zwei Gründe für einen Besuch von Beau Constantia – viel Spaß dabei!

Constantia Glen

Constantia Glen, Innenhof

Man kann die Historie einer Cap typischen Farm zelebrieren, ohne dabei steif oder gar verstaubt zu wirken. Den österreichischen Besitzern von Constantia Glen gelingt es sogar, die Historie ihrer wirklich wunderschönen Anlage auf ganz natürliche Weise modern, entspannt und auch im Heute vollkommen authentisch zu interpretieren. Im Ergebnis wird daraus ein absoluter Wohlfühl-Oase – am liebsten für Stunden.

Ich habe Constantia Glen bei unserer letzten Südafrika Reise 2018 kennen- und lieben gelernt. Daher sollte unser erster Weg nach der diesmaligen Ankunft, gleich von Unterkunft in Richtung Constantia Nek gehen, den Pass, an dessen östlichem Hang das Weingut liegt. Leider hat uns die Airline einen Strich durch diese Abendessensplanung in Constantia gemacht. So konnten wir Constantia Glen erst zwei Tage später und auch nur in der Mittagspause auf ein kleines Lunch und das Flagship Weintasting besuchen. Für R150 (Stand Februar 2024) gibt es vier Weine zu verkosten, zwei Mal weiß, zwei Mal rot. Dazu eine geteilte Käseplatte und ein Beetroot Salat. Herrjeh, wie herrlich kann man eigentlich seine Mittagspause verbringen?!

So überschaubar groß Constantia Glen ist, so viel Abwechslung bieten sie auf der Anlage. Die Plätze vor dem Gebäude, sowie die aus dem Haus heraus bieten einen spektakulären Blick hinunter auf Constantia und die False Bay. Lage, Lage, Lage, sag ich da nur. Oder in diesem Fall Terroir! Mein Lieblingsplatz ist allerdings der kleine Innenhof, der hinter dem Haus Richtung Weinberge gelegen ist. Ihr seht ihn oben auf dem Bild. In der Mitte plätschert ein Brunnen, das Glas Weißwein ist kalt, das ist gechillte Ruhe pur hier.

Spaß im Glas bei Constantia Glen

Bevor ich zu meinen Weintasting-Highlights komme, noch etwas zu den Menschen hier. Stellt Euch vor, südafrikanische Freundlichkeit trifft auf österreichische Gastfreundschaft trifft auf Qualität im Glas. Ja, genau, das hat die Vorarlberger Familie Waibel hier geschaffen.

Der 2022 Sauvignon Blanc (ausgebaut im Stahl) war genau richtig für die Mittagshitze, frische Zitrusaromen gepaart mit tropischen Früchten und etwas grüner Paprika. Constantia Glen TWO 2021, eine weiße Bordeaux Cuvée aus Sauvignon Blanc (ausgebaut im Stahl) und Semillon (ausgebaut in französischer Eiche) war ein sensationeller Wein, für mich bei 30 Grad am Mittag aber etwas bullish. Für die heimischen Breitengrade aber eine echte Empfehlung, da ist es dann auch meistens egal, ob zu Mittag oder am Abend.

Die beiden Rotweine waren Bordeaux-Blends aus 2020, der etwas leichtere THREE aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, sowie der etwas körperreichere FIVE, bei dem noch Malbec und Petit Verdot dazukommen. Der Constantia Glen FIVE 2020 wurde im Platter´s Wine Guide von 2024 mit 5 Sternen ausgezeichnet und zählt zu den Top-15 roten Cape Bordeaux. Beide stehen noch 5-8 Jahre vor ihrem Höhepunkt, sind aber schon heute prima trinkbar, der etwas leichtgewichtigere THREE sogar prima an einem Sommerabend zum Grillen.

Auch wenn unser Besuch heute leider nur eine schnelle Nummer – wir waren beide froh, erneut Zeit an diesem schönen Fleck Constantia verbracht zu haben. Allen anderen empfehlen wir, mehr als nur eine Stunde einzuplanen. Öffnungszeiten und Kontakt für Reservierungen findet ihr hier direkt auf der Webseite von Constantia Glen.

Groot Constantia

Groot Constantia

Lust auf etwas Geschichte? Simon van der Stel war der erste Gouverneur der Kapkolonie, und als solcher offenbar ein ziemlich innovativer Kerl, der u.a. 1685 das Weingut Groot Constantia gründete. Besser, gründen ließ, hier in Constantia als Wiege des Weinbaus in Südafrika.

Die heute älteste Wein produzierende Farm in Südafrika hat die Weinindustrie des Landes schon früh geprägt – und tut dies mit ihrem hohen Qualitätsanspruch noch heute. In der jüngsten Ausgabe von Platter‘s Wine Guide wurde Groot Constantia zum wiederholten Mal ausgezeichnet, so gut wie alle Weine wurden mit 4 1/2 von 5 Sternen bewertet. 5 von 5 Sternen gab es für den weißen Bordeaux Blend „Gouverneurs Reserve White“. Da war er wieder, der Gouverneur, und da wären wir dann auch wieder bei der Geschichte.

Die eigene Historie wird in Groot Constantia so konsequent inszeniert, wie ich es sonst selten in Südafrika erlebt habe. Das weitläufige Weingut mit seinen Tasting Areas und Restaurants zieht tagtäglich zahlreiche Besucher an, jährlich sind es 450.000. Zum modernen Lifestyle-Place wurde es deshalb aber dennoch nicht entwickelt. Neben exzellenten Weinen, überwiegend geprägt von Bordeaux, findet man hier Kap Historie pur. Ein schöner Kontrast zu vielen anderen Weingütern hier in der Region.

Weintasting in Groot Constantia

Bei einem Besuch empfehle ich unbedingt auch das kleine Museum zu besuchen. Das Weintasting kostet aktuell (Stand Februar 2024) R130 und beinhaltet 5 verschiedene Weine. Es gibt mehrere Tasting Areas, sowohl im Haus, als auch im schattigen Park. Alternativ bietet sich eine kleine Mittagspause zum Beispiel im Bistro Jonkershuis an. Die aktuelle Öffnungszeiten gibt es direkt hier auf der Webseite.

Meine persönlichen Highlights im Glas? Ihr Flagship-Wein, der Gouverneur, also der weiße Bordeaux Blend Jahrgang 2021 aus 61% Sauvignon Blanc und 39% Semillon, gereift 10 Monate in französischer Eiche. Daneben hat mir der 2022 Sauvignon Blanc sehr gut gefallen, dem sie wenige Prozent unwooded Semillon zur Seite gestellt haben. Das macht ihn herrlich frisch, ohne zu große Säure, gleichzeitig nicht zu leicht und flüchtig, schöne tropische Aromen im Glas.

Steenberg Wine Farm

Steenberg Wein Farm, Tasting Bar

Mein erster Besuch bei Steenberg war 2018, wir haben dort eine Runde Golf gespielt und sind anschließend statt zu Loch 19 rüber auf das Weingut zu einem Tasting. Der Golfplatz ist wirklich in Erinnerung geblieben, das mag am Platz liegen oder an meinem Spiel, wahrscheinlich an meinem Spiel. Das Weingut hier in Constantia allerdings fand ich schrecklich. Es ist bis heute wie traumatisiert abgespeichert unter der zugegeben wenig schmeichelhaften Analogie: „Die schnöselige Golfgastro unter den Weingütern Südafrikas“. Ich weiß, Geschmäcker sind verschieden. Und es tut mir leid, aber ich hätte wirklich jedem sofort von einem Besuch abgeraten. Bis heute.

Heute wollte ich der Angelegenheit aus gutem Grund eine zweite Chance geben. Und was war das Ergebnis? Die Tasting Area ist weiterhin die Schwester der fürchterlich schnöseligen Golfgastro, stehen geblieben in der schrecklichen Ecke der 90er Jahre, ähnlich wie Schulterpolster und aufgestellte Kragen von Polohemden – und trotzdem lohnt sich sogar ein zweimaliger Besuch auf der Steenberg Wine Farm!

Die meisten der bekannten Weingüter in Südafrika kann man als „Lifestyle-Places“ bezeichnen. Das Erlebnis steht im Vordergrund, ganzheitlich aus häufig sensationeller Landschaft, Inszenierung, Quality time mit Freunden, Essen und Trinken, der Wein ist dabei häufig Mittel zum Zweck. Das ist auch OK, hier für meinen Geschmack halt schlecht exekutiert. Unabhängig davon – was Steenberg Wine Farm dennoch mehr als ein Mal lohnenswert macht, sind die beiden Restaurants auf der Farm, das Tryn und das Bistro Sixteen82.

Eher aus Verlegenheit waren wir zuerst im Tryn, und dabei ganz begeistern vom super Service, einer unerwartet entspannten, unaufgeregten Atmosphäre und tollem Essen. Also haben wir tags darauf das Bistro Sixteen82 ausprobiert. Und auch hier hatten wir einen tollen Abend. Der Service erneut ganz hervorragend, das kulinarische Konzept basiert auf kleineren Gerichten im Tapas Style, schön zum Teilen, eine tolle Auswahl, hervorragende Qualität. Das ist richtig, richtig gutes Essen hier! Und die Weine?

Der MCC aus Chardonnay war ok, die Perlage für meinen Geschmack vielleicht ein wenig zu biestig. Der 2022 Chardonnay war sehr schön trinkbar, eher auf der cremigen Seite, wie hier in der Region typisch. Den reinsortigen 2022 Semillon fand ich hervorragend – trotz seiner 14,7 Vol. % hat er zum Essen eine gute Figur gemacht.

Klar heisst ihr icon wine „Magna Carta“, darunter machen sie es nicht.

Ob man bei Steenberg eher fürs Essen oder für die Weine stehen möchte? Ich weiß es nicht. Aber zum Essen komme ich definitiv gerne wieder – und trinke dabei dann auch gerne wieder ihren Wein. Reservierungen macht man am besten direkt in der Dineplan App, Alternativ über ihre Website: