Weingut Van Volxem und seine visionären Bierbrauer

Das Stammhaus von Van Volxem

Obwohl 1743 ursprünglich als Klosterweingut gegründet, wurde die Geschichte des Weingutes Van Volxem eher von Bier denn der Kirche geprägt. Denn nach der Übernahme durch den Trierer Bierbrauer Gustav van Volxem Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Weingut vier Generationen lang durch seine Familie geführt. Nach einigen Besitzerwechseln in den für den deutschen Weinbau schwierigen 1980er/1990er Jahren, wurde das Weingut an der Saar im Jahr 1999 erneut von einem Bierbrauer übernommen. Roman Niewodniczanski aus der Bierbrauerdynastie der Bitburger Brauerei ist heute stolzer Eigentümer des Weingutes. Er hat damit offensichtlich mehr als nur interessante Pläne. Ein Besuch des Weingut Van Volxem und eine Weinprobe mit Blick auf die Saar lohnen sich mehr denn je!

Tradition und Fortschritt an der Saar

Nirgends kann man gleichzeitig Tradition und Zukunft von Winzerhandwerks und Weinwirtschaft so deutlich erkennen wie an der Saar bei Van Volxem. Das Stammhaus liegt in der Ortsmitte von Wiltlingen direkt neben der Kirche. Das ursprüngliche, altehrwürdige Klosterweingut wurde durch Roman Niewodniczanski aufwändig und Denkmalschutz gerecht restauriert. Dunkle Holzböden, holzvertäfelte Wände und Decken, ein schwerer Holztisch und antike Ledersessel prägen das Bild. Draussen ein malerisch eingewachsener Garten mit altem Baumbestand und schattigen Plätzchen.

Die Weine der Saar zählten vor 100 Jahren zu den teuersten Weinen der Welt. Und so präsentiert sich das Stammhaus von Van Volxem wie man sich die Residenz eines wohlhabenden Winzers vorstellt. Zugleich präsentiert sich das Stammhaus aber auch wie ein Blick in die Vergangenheit. Dem etwas Neues hinzuzufügen, dem Weingut und mit ihm der gesamten Region eine neue Vision für die Zukunft zu geben, das hat sich Roman Niewodniczanski offensichtlich vorgenommen.

Aufbruch im Weingut Van Volxem

Van Volxem hat sich nicht weniger vorgenommen als zu den goldenen Zeiten des Weinbaus an der Saar zurückzukehren. Grundlage dafür ist, heute wie früher, der kompromisslose Fokus auf erstklassige, handwerkliche Qualität. Bei Van Volxem kommt zudem schnell das Stichwort Nachhaltigkeit ins Spiel, einer der wesentlichen Gründe für den Neubau auf dem Wiltinger Schlossberg. Hoch oberhalb von Wiltingen und der Saar präsentiert sich das moderne Weingut Van Volxem. Die Fassaden aus hellem, freundlichen Muschelkalkstein, die Gebäude in modernen, geradlinigen Formen. Der Turm, in dem Weinproben stattfinden und Gäste zu Events empfangen werden, bietet aus über 8 Meter breiten Fenstern herrliche Ausblicke auf die Umliegenden Weinberge, von denen Van Volxem in den letzten Jahren viele zugekauft hat. Nur Toplagen versteht sich, Schiefersteillagen, die meisten in Süd- oder Südwestausrichtung, denn das Ziel heißt ja Weltspitze.

Beim Weinbau und im Keller setzt Van Volxem auf naturnahen Anbau und Ausbau. Die Reduzierung von Erträgen, Lese ausschließlich von Hand, weitestgehender Verzicht auf Behandlungsstoffe und 100% spontane Vergärung im Keller. Der Neubau des Weingutes erlaubt es, für die Erzielung erstklassiger Qualität wesentliche Traditionen sicherzustellen und zugleich mit modernen Methoden und einer modernen Logistik zu unterstützen.

Impulsgeber für die gesamte Weinwirtschaft

Die moderne Form der Inszenierung eines Weingutes ist auch für den Besucher neu. Denn solche Inszenierungen, die insbesondere in der Neuen Welt, ob in Kalifornien, Südafrika oder Australien schon normal ist, sehen wir bislang noch nicht häufig in Deutschland. Während aus meiner Sicht bei uns oft noch zu sehr die Weinseligkeit der Drosselgasse zelebriert wird, läuft anderswo die Entwicklung weiter. Aber mit Blick auf den Generationenwechsel bei den Weinkäufern ist eine solche Weiterentwicklung für die deutsche Weinwirtschaft genauso wichtig wie für die touristische Anziehungskraft der Region. Was auf dem Weingut Van Volxem an der Saar entsteht, ist somit hoffentlich auch ein Signal an die gesamte Weinwirtschaft. Sie braucht solche Gamechanger wie Roman Niewodniczanski, die Traditionen schätzen und aus ihnen heraus Neues entwickeln.

Weinprobe bei Van Volxem an der Saar

Unser Besuch an der Saar auf dem Weingut Van Volxem fand noch vor der offiziellen Eröffnung des Neubaus statt. Womöglich werden Besucher zukünftig flexibler empfangen, wir hatten uns vorab verbindlich für eine Weinprobe mit Termin angemeldet. Für die Weinprobe bei Van Volxem sollte man sich zwei Stunden Zeit einplanen, sie wurde mit 25 Euro pro Person berechnet. Der Preis erscheint insbesondere uns deutschen Besuchern vielleicht hoch, anders als in anderen Regionen der Welt sind wir es häufig nicht gewohnt für eine Weinprobe zu bezahlen. Das ist an der Mosel grundsätzlich eh anders, aber 25 Euro pro Person ist für manche schon ein Wort. Ganz persönlich habe ich keine Schwierigkeiten damit, denn es reduziert die subjektiv häufig gefühlte Pflicht nach einer Weinprobe etwas kaufen zu müssen. Zudem habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass man die wirklich guten Weine nicht zu probieren bekommt, wenn die Weinprobe nichts kostet.

Die Weine von Van Volxem

Und genau deshalb haben sich für mich die 25 Euro bei Van Volxem gelohnt. Denn als Gegenwert haben wir eine Auswahl von mehr als 10 Weinen verkostet, vom Riesling Sekt über den einfachen Gutscheinen bis hin zu den Großen Gewächsen, von trocken bis feinfruchtig. Mit Ausnahme von zwei Weissburgundern und einem Sekt aus Pinot Noir und Chardonnay produziert das Weingut Van Volxem an der Saar ausschließlich Rieslinge.

Die Fokussierung auf Qualität zeigt sich darin, das selbst seine Basisweine aus Toplagen erzeugt werden. Und trotzdem war ich richtig überrascht von ihrem Ortswein, dem 2017er Wiltinger Riesling. Zugegeben, die Flasche war zum Zeitpunkt der Weinprobe schon eine Weile geöffnet, aber eine solchen Duft weißer Blüten hatte ich bei einem Riesling noch nie in der Nase. Am Gaumen indes war seine salzige Mineralik so herrlich erfrischend, dass ich mir fast hätte nachschenken lassen wollen. Der Preis von 13,90 Euro pro Flasche sichert ein Preis-Genuss-Verhältnis das seinesgleichen sucht. Für mich das zweite Highlight war ein Riesling der weltweit bekanntesten Lage an der Saar, das Große Gewächs des 2017er Scharzhofberger Riesling. Ein gradliniger Riesling mit eleganter Frucht und ebenfalls einer herrlichen, salzigen Mineralität. Mit 38 Euro pro Flasche hat diese Qualität wie jedes andere Große Gewächs ihren Preis. Mit Blick auf die Preise großer Crus anderer Regionen oder einem Blick in historische Dokumente von vor 100 Jahren relativieren sich diese 38 Euro sehr schnell.

Mein Fazit: Ich bin froh über diesen Abstecher an die Saar während meines Weintripps. Und Van Volxem war nicht nur ein schönes Erlebnis, sondern hat erfolgreich Werbung für eine ganze Region gemacht. Ich komme gerne wieder!

Weingut Van Volxem
Zum Schlossberg 347
54459 Wiltingen / Saar

Telefon: +49 (0)6501 9477800
Mail: office@vanvolxem.com

Anfahrt via Google Maps

www.vanvolxem.com

Izway – Weingut aus Barossa mit Wurzeln im Bordeaux

Natürlich liegen weder das Barossa Valley noch Seppeltsfield auch nur Ansatzweise in der Nähe von Bordeaux oder der Gironde. Im Gegenteil, es liegen schlappe 16.500 km dazwischen. Und doch steckt ganz viel Bordeaux im Weingut Izway im Barossa Valley. Und noch mehr Zufall, vielleicht sogar Fügung oder Schicksal. Denn nichts anderes war es, als sich 2002 die zwei australischen Weinmacher Brian Conway und Craig Isbel zufällig im Bordeaux kennenlernten. Der Erzählung nach nach mehreren mit Pastis durchzechten Nächte beschlossen die beiden, ein Weingut in ihrer australischen Heimat zu gründen.

Wein so weit das Auge reicht. Buschreben des Weingut Izway im Barossa Valley.
Über 100 Jahre alte Buschreben Down Under

Viel Zeit gelassen haben sie sich nicht. Der erste Jahrgang, ein Shiraz mit dem Namen „Bruce“, wurde bereits 2003 aus 500 kg zugekauften Reben produziert. Seither wächst und gedeiht das Weingut kontinuierlich. Izway steht für moderne Stilistik, für biologischen Anbau und sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Auf der Suche nach dem Austausch mit authentischen Winzern, Handwerk und ehrlichen Weinen ist man bei Izway genau an der richtigen Adresse.

Izway Wines

Apropos Adresse: Man muss schon etwas tiefer eintauchen in das Barossa Valley um Izways Weingut zu finden, denn die Boutique Winery liegt etwas Abseits. Izway liegt malerisch eingebettet in der hügeligen Landschaft des Westkamms des Barossa Valley. Von Nuriootpa aus ist das Weingut über den Sturt Highway leicht in 10 Minuten zu erreichen. Auf halbem Weg zwischen Seppeltsfield und Greenock liegt das Weingut an der malerischen, von Palmen gesäumten Seppeltsfield Road.

Der Tasting Room des Weingutes Izway, modernes Ambiente für tolle Weinproben.
Liam, der Assistant Winemaker führt mit ganz vielen Geschichten durch das Tasting

Weinprobe auf dem Weingut Izway

Das Weingut Izway produziert (Stand 2018) gerade einmal 36.000 Flaschen jährlich im Barossa Valley. Die Produktion verteilt sich auf zwei Weine aus Aglianico, zwei verschiedene Grenache und – natürlich, wir sind ja in Barossa – vier verschiedene Shiraz. Alle Weine sind reine Handarbeit und die Verkostung wird natürlich von einem der Weinmacher durchgeführt. Eine Weinprobe ist daher mehr als nur ein sensorisches Erlebnis, hier werden ganz viele Geschichten erzählt.

Auch in größeren Gruppen kann man auf dem Weingut Izway im Barossa Valley individuelle Weinproben machen.
Erfrischend moderner Tasting Raum

Die Weine von Izway

Ich gebe es zu, mit Aglianico verbinde ich keine große Freundschaft. Ich hatte bisher keinen wirklich spannenden Vertreter dieser Rebsorte im Glas, also gehe ich auf die beiden Aglianico von Izway nicht näher ein. Speziell der 2017er Grenache mit dem Namen „Maurice“ indes war mein Highlight auf diesem Weingut. Kräftige Aromen von dunkler Kirsche, Orangenschale und etwas Leder in der Nase. Süße Textur, starkes Tannin, dennoch schön seidig und geschmeidig. Mein zweiter Favorit war ihr 2015er Shiraz namens „Don“. Im Vergleich zur Rhone fehlen den australischen Shiraz‘ Noten von Pfeffer und Kräutern. Der „Don“ ist der Flagship Wein von Izway. Ein typischer australischer Shiraz, dabei aber eine echte Wucht mit einer unglaubliche Präsenz im Glas. Er präsentiert dort blumige Noten von Lavendel und Cassis, sowie dunkler Kirsche und Orangenschale. Am Gaumen zeigt sich eine ausgeprägte dunkle Schokolade, etwas Kaffee und eine samtige Textur.

Eine Flasche Maurice, ein toller Wein des Barossa aus 100% Grenache vom Weingut Izway.

Das Barossa Valley ist eines der wichtigsten Weinanbaugebiete in Australien, und daher für Weinliebhaber immer eine Reise wert. Wer neben den großen Produzenten auch authentische Weinmacher kennenlernen möchte, dem kann ich einen Besuch des Weingutes Izway nur empfehlen!

Izway Winery
923 Seppeltsfield Road
Seppeltsfield Barossa
South Australia 5355

Telefon: +61 (0)409 721 055
info@izway.com.au

www.izway.com.au

Vergelegen – Wein, Natur und Gourmetküche

Wer in dem regionalen Dreieck Kapstadt, Stellenbosch und Somerset West Urlaub macht und sich für Wein und gutes Essen interessiert, kommt am Weingut Vergelegen nicht vorbei. Es liegt etwa 4 km nordöstlich von Somerset West am Fuß des Helderberg. Und wer Vergelegen besucht, kann ruhig etwas Zeit mitbringen, denn es lohnt sich.

Willkommen im Paradies

Vergelegen ist zweifellos eines der eindrucksvollsten Weingüter in Südafrika. Das Weingut liegt eingebettet in einer herrlichen Parklandschaft und steht für deutlich mehr als nur Wein. Wer will, erlebt in Vergelegen ein sensorisches Erlebnis für alle Sinne. Gegründet wurde Vergelegen im Jahr 1700. Nach fast 300 Jahren im Besitz dreier Familien ist das Weingut heute im Besitz des britischen Bergbaukonzerns Anglo American. Nach Gold und Diamanten macht der Mutterkonzern von Vergelegen seit 1987 auch mit Wein seine Geschäfte. Vielleicht ist es auch nur ein Abschreibungsobjekt oder ein Hobby. Egal, es ist einen Besuch wert!

Fünf 300 Jahre alte Kampferbäume dominieren das Herrenhaus von Vergelegen
Fünf historische Kampferbäume dominieren das Herrenhaus

Weinproben bei Vergelegen

Herzstück der Anlage ist natürlich die moderne Vinothek, hier werden vier verschiedene Weinproben angeboten. Das Tasting der „Premium Range“ umfasst für 30 Rand (2 Euro) pro Person die einfacheren Einstiegsweine von Vergelegen. Man erhält je einen Sauvignon Blanc und einen Chardonnay bei den Weißweinen, sowie je einen Shiraz und einen Bordeaux-Blend bei den Rotweinen. Die Weinprobe der „Reserve Range“ kostet 40 Rand (2,50 Euro) pro Person und beinhaltet einen Semillon, einen Chardonnay, einen reinsortigen Merlot und einen Shiraz. In der sogenannten „Mix Range“ kann man für 45 Rand (2,80 Euro) den Sauvignon Blanc aus der Premium Range, einen Cabernet Franc, einen Cabernet Sauvignon Reserve und einen dem Sauternes angelehnten Dessert-Wein aus Semillon und Sauvignon Blanc verkosten.

Die Spitzenweine von Vergelegen

Die besten Weine von Vergelegen werden in der Weinprobe der „Flagship Range“ angeboten. Und wenn man schon mal hier ist, sollte man auch genau diese Range probieren. Zumal der Preis für das Tasting der hier dargebotenen Weine gerade einmal bei 80 Rand, also bei knapp 5 Euro pro Person liegt. Dafür erhält man den reinsortigen Sauvignon Blanc Reserve und den Vergelegen GVB White, eine mehrfach preisgekrönte Weißwein-Cuvée im Bordeaux-Stil aus Sauvignon Blanc und Semillon. Zudem den Vergelegen GVB Red, einen Bordeaux aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, sowie den Vergelegen V, den reinsortigen Cabernet Sauvignon von Vergelegen. Schon der reinsortige Cabernet Sauvignon von Vergelegen ist das Tasting wert, denn allein der Kaufpreis dieser Flasche Wein liegt bei 85 Euro. 

Der moderne und großzügige Tasting Room von Vergelegen bietet auch größeren Gruppen Raum für schöne Weinproben.
Herzstück des Weingutes, die Vinothek

Meine Empfehlung: Ganz klar die Flagship Range

Klar, dass ich mir bei meinem letzten Besuch die Chance nicht entgehen habe lassen die Flagship Weine von Vergelegen zu probieren. Und ich hatte zwei ganz klare Favoriten: Der Sauvignon Blanc, der im Schaapenberg-Weinberg Anfang Januar 2017 nur mit sehr viel Glück einer Brandkatastrophe entgangen ist. Dabei wurden fast 40% des Weingutes zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen. Mit diesem Hintergrund im Kopf glaubt man sogar noch ein paar rauchige Noten im Wein zu entdecken. Im Kern zeigt er aber schöne Aromen von Ananas, reifer Passionsfrucht und einen Hauch Zitronengras, nicht zu hohe Säure, genau wie ich es am liebsten mag. Mein zweiter Favorit war ihr 2012 Vergelegen V. Dieser 100% Cabernet Sauvignon wurde als „Mund voll Schwarzwälder Kirsch Torte“ vorgestellt. Und genau das war er auch – kombiniert mit dem feinen Duft von Omas Schokoladencreme. Ein ganz starkes Stück südafrikanischen Weins!

Vergelegens Park und Garten

Ein Muss nach oder vor jedem Weintasting sind die Park- und Gartenlandschaft von Vergelegen. Kernstück ist das ehemalige Herrenhaus, das heute ein kleines Museum beinhaltet und Einblicke in die Geschichte von Vergelegen zeigt. Vor dem Herrenhaus dominieren fünf jeweils über 300 Jahre alte Kampferbäume das Bild. Ebenfalls mehr als 300 Jahre alt ist die älteste englische Eiche Südafrikas, die sich im Garten besichtigen lässt. Herrlich sind auch der Rosengarten und der Kräutergarten. Der angrenzende Wald ist teilweise ein Meer aus Hortensien. Blumen und Pflanzenfreunde kommen genauso auf ihre Kosten wie Weinliebhaber. Beides miteinander kombinieren kann man mit einem Picknick im Wald, romantisch zu Zweit oder als ganze Gruppe. Das Picknick lässt sich vorab buchen – und dann der Nachmittag ziemlich gut geniessen.

Fine Dining in Vergelegen

Apropos „geniessen“: Mit dem Camphor betreibt das Weingut einen Gourmet-Tempel der Spitzenklasse. Seit seiner Eröffnung 2012 wurde das Restaurant jährlich erneut unter die 10 besten Restaurants in Südafrika gewählt. Das Camphor hat von Mittwoch bis Sonntag sowohl Mittags zum Lunch, und Freitag und Samstag Abends zum Dinner geöffnet. Meine Empfehlung ist ganz eindeutig der Abend. Und hier das 7-Gänge-Menü mit Weinbegleitung, der schönsten Form der Weinprobe. Zum Thema „don´t drink & drive“: Wir waren schon sehr häufig in Südafrika und haben am Westkap nur sehr gute Erfahrungen mit Uber gemacht. Probleme mit der Weinbegleitung hatten wir also nie, dafür konnten wir aber Menschen auch noch bei ihrer Existenzgründung helfen.

Ich komme immer wieder gerne nach Vergelegen, denn hier dieser Ort steht für mehr als Wein, hier ist für jeden Anlass etwas geboten. Herrliche Weine, wunderschöne Natur, ein entspanntes Picknick oder ein Abendessen auf Sterne-Niveau.

Vergelegen Estate
Somerset West, South Africa
Telefon +27 21 847 2100
http://www.vergelegen.co.za
info@vergelegen.co.za

Weinwanderweg durch Stuttgarts Weingärten

Rosen und Reben am Weinwanderweg

Für die Wanderfreunde unter den Weinliebhabern bietet die Weinbauregion Stuttgart zahlreiche besondere Weintripps. Am vergangenen Wochenende sind wir den Stuttgarter Weinwanderweg gewandert. Die Weinwanderung beginnt in Obertürkheim und verläuft über Uhlbach, Rotenberg und Untertürkheim. Der Ausflug in die Reben bzw. durch die Reben dauert etwa vier Stunden – ohne Pause. Am Ende standen etwa 13 km und umgerechnet 67 erklommene Stockwerke auf dem Display meines Handys. Eine Grundlage an Kondition sollte man also durchaus mitbringen für den Ausflug.

Der Weinwanderweg startet in Obertürkheim

Obertürkheim liegt quasi vor den Türen von Stuttgart. Die Anreise aus der Stadtmitte zum Bahnhof von Obertürkheim dauert sowohl mit dem Auto als auch mit der S-Bahn nur 15 bis 20 Minuten. Noch am Bahnhofsvorplatz beschreibt eine Tafel den Weinwanderweg und informiert über die geöffneten Besenwirtschaften entlang der Route.

Wegweiser am Bahnhof Obertürkheim
Wegweiser und Routenplaner durch die Weingärten und zu den Besenwirtschaften

Am Bahnhof von Obertürkheim angekommen überquert man die Hauptstrasse, biegt vor dem Hotel „Brita“ und nach dem Hotel rechts in die Uhlbacher Strasse ab. Ab hier beginnt der Weinwanderweg und die Reise in die Welt der Stuttgarter „Wengerter“, wie sich die Weingärtner hier nennen.

Ehemaliges Schultheißenwohnhaus am Weinwanderweg
Auch das bietet der Weinwanderweg: Fachwerkbaukunst aus dem 17. Jh. in der Uhlbacher Strasse

Kurz nach der (theoretischen) Möglichkeit einer ersten Einkehr im Sonnen-Besen des Weingutes Zaiß, geht es links Richtung die Kirchsteige hinauf. Der Anstieg zur Kirche und zum Friedhof hat es schon etwas in sich, zumal bei knapp 30 Grad. Nach (!) dem Anstieg bräuchte man eine Besenwirtschaft, nicht vorher. Aber wir sind noch frisch und verlassen die Ortschaft. Die letzten Ausläufer von Obertürkheim liegen rechts unter uns, vor uns liegen die Weinberge, deren Rebzeilen sich gen Himmel ziehen. In der Ruhe der Weinberge hören wir nur noch Zwitschern von Vögeln. Fast zumindest. Denn in der Ferne fangen plötzlich die Glocken des Rathauses von Uhlbach an, „Muss i denn zum Städele hinaus“ zu spielen. Ein wenig kitschig, aber unterm Strich doch ganz lustig, die kurzfristige musikalische Untermalung unseres Weintripps.

Auf dem Weinwanderweg Blick Richtung Uhlbach
Obertürkheim weitestgehend hinter uns, die weiten Weinberge vor uns

Weinbaumuseum Stuttgart in Uhlbach

Nach den ersten zwei Kilometern auf dem Weinwanderweg erreichen wir Uhlbach, hier genauer gesagt das Weinbaumuseum Stuttgart. Beheimatet in der „Alten Kelter“ bietet das Museum einen Überblick über 2.000 Jahre Weinbau, von der Römerzeit bis heute.

Der Weinwanderweg führt zum Weinmuseum und zum Rathaus in Uhlbach
Das Rathaus von Uhlbach und links das Weinmuseum, das 1979 aus der „Alten Kelter“ entstanden ist

Zwölf Themen  umfasst die Ausstellung, von der Geschichte des Weinbaus und Einblicken in die Arbeit der „Wengerter“ über Wissenswertes über Anbau und Rebflurbereinigung bis hin zu Schädlingsbekämpfung und der Lese des Weins.

Baumpresse im Weinbaumuseum Stuttgart
Zahlreiche historische Ausstellungsstücke lassen die Entwicklung der Weinbaugeschichte nachvollziehen

Nach einem Rundgang durch 2.000 Jahre Weinbaugeschichte und Weinkultur können in der museumseigenen Vinothek Stuttgarter Weine verkostet werden. Im monatlichen Wechsel stehen jeweils 20 Weine auf der Karte. Sie stammen natürlich alle aus den Weinlagen, durch die uns der Weinwanderweg führt.

Schautafeln erzählen die Geschichte des Weinbau in Stuttgart
Eine der zahlreichen Schautafeln informiert auf einen Blick auch über Weingüter von Stuttgart

Auf dem Weinwanderweg von Uhlbach nach Rotenberg

Neben der Vinothek im Weinbaumuseum laden in Uhlbach zahlreiche weitere Restaurants und Besenwirtschaften zu einer Pause ein. Da der Weg noch weit ist, begeben wir uns ohne Rast auf den weiteren Weg. Er verläuft rechts des Museums an der Pfarrkirche St. Andreas vorbei mit ihrem markanten, achteckigen Turm und den glänzend lasierten Dachziegeln. Nach einigen hundert Metern lassen wir Uhlbach hinter uns und gelangen in den meiner Meinung nach schönsten Teil der Weinwanderung. Denn die nächsten etwa drei Kilometer führen uns mitten in die Weinberge mit einem herrlichen Talblick hinter und dem Anblick der Grabkapelle Rotenberg vor uns. Die Kapelle thront auf dem Württemberg, hoch über den Weinbergen und der Stadt Stuttgart. Der Blick über die Stadt und das Neckartal zählt zu den schönsten Aussichtspunkten von Stuttgart – und genau daran ist die Stadt nun wirklich nicht gerade arm.

Aufstieg zur Grabkapelle auf dem Württemberg
Durch die Weinlandschaft bergauf nach Rotenberg und zur Grabkapelle auf dem Württemberg

Rotenberg und die Grabkapelle auf dem Württemberg

Die Grabkapelle ist ein Mausoleum, das König Wilhelm I. von Württemberg für Seite zweite Frau Katharina Pawlowna (1788–1819) errichten liess. König Wilhelm I. (1781–1864) selbst, sowie ihre gemeinsame Tochter Marie Friederike Charlotte von Württemberg (1816–1887) sind ebenfalls in der Grabkapelle bestattet. Ein Besuch des Kapellenraums und der Gruft ist absolut lohnenswert, nicht allein wegen der Pause, die zu diesem Zeitpunkt der Wanderung gut tut. Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene, Familien zahlen 10 Euro.

Weiter geht es in Rotenberg noch ein paar hundert Meter bergauf, bevor der Weinwanderweg nach links abbiegt und wir das Dorf wieder hinter uns lassen.

Weinderweg durch Rotenberg
Ehemaliger Weingärtner in Rotenberg

Rotenberg liegt über uns
Weinwanderweg unterhalb von Rotenberg in Richtung Untertürkheim

An dieser Stelle muss ich aber leider etwas Kritik üben. Ein Weinwanderweg zieht in der Regel an Wein und Weinbau interessierte Wanderer an. Für diesen Zweck finde ich die Inszenierung des Weinwanderweges nicht gut, ich würde der Inszenierung allenfalls die Note „ausreichend“ geben. Das machen andere Weinbauregionen besser. Die Wanderung führt durch den Großteil der Weinlagen von Stuttgart. Ich hätte mir eine Kennzeichnung der Weinlagen gewünscht. Zudem haben es die Winzer verpasst, ihre Parzellen zu kennzeichnen und dadurch auf sich und auf ihre jeweils angepflanzten Rebsorten aufmerksam zu machen. Ich bin mir sicher, die Herkunft würde mehr Weinliebhaber interessieren als nur mich. Stuttgart, das kannst Du besser! Und wenn Du gerade dabei bist – die Beschilderung der Wegstrecke könnte auch eine Überarbeitung gebrauchen. So aus Perspektive eines guten Standortmarketings…

Das Collegium Wirtemberg am Weinwanderweg

Immerhin, das Collegium Wirtemberg, eine Weingärtner-Genossenschaft und mit seinen beiden Keltern in Uhlbach und Rotenberg größter Weinerzeuger in Stuttgart, beschildern den Weg zwischen Uhlbach und Rotenberg mit Info-Tafeln über die gängigsten Rebsorten. Etwa 30 Minuten nachdem wir Rotenberg verlassen haben, passieren wir die Kelter Rotenberg des Collegium Wirtemberg. Leider hat sie am Sonntag nicht geöffnet, die Terrasse mitten in den Reben hätte uns sicher eine zweite Pause machen lassen.

Kelter Rotenberg am Weinwanderweg
Kelter Rotenberg des Collegium Wirtemberg mit herrlicher Sonnenterrasse in den Weinbergen

Oberhalb von Untertürkheim zurück

Der Weg von Rotenberg zurück nach Obertürkheim ist zwar noch lang, aber es geht ab nun immer leicht bergab und so ist der Rückweg kein bisschen beschwerlich. Bis zurück zur Kirche in Obertürkheim verläuft der Wanderweg ausschließlich durch Rebhänge – nur der Ausblick verändert sich, je näher wir wieder dem Neckar kommen.

Denn hier zwischen Unter- und Obertürkheim ist der Neckar nicht etwa ein bilderbuchhafter Anblick, sondern er fließt entlang der Motoren-, Getriebe- und sonstigen Werke von Daimler und am Stromversorger EnBW vorbei. Aber das sind halt genau die reizvollen Kontraste, die zu Stuttgart gehören wie die Docks in Hamburg gegenüber dem Elbstrand.

Weinwanderweg oberhalb des Neckar in Untertürkheim
Blick aus den Weinbergen Richtung Neckar und Stuttgarts wichtigster Industrie

Unten angekommen verändert sich auch mein Blick auf den Sonnen-Besen des Weingutes Zaiß. Jetzt haben wir uns dort einen Schoppen Weißwein verdient und eine Vesper mehr als verdient!

 

Trotz der kleinen Einschränkung einer verpassten Inszenierung, der Weintripp durch Stuttgarts Gärten lohnt sich! Ob man nun Weinliebhaber ist oder nicht, der Ausflug ist definitiv sehr schön und eine Empfehlung wert. Abschließend noch der Link zum P+R Parkplatz am Bahnhof Obertürkheim bzw. zum S-Bahn Fahrplan:

Anfahrt (via Google Maps)

 

Drautz-Able – das Weingut mit den drei Tauben

Auch Events sind bei Drautz-Able möglich

Am Stadtrand von Heilbronn, am Fuß des Wartberges liegt das traditionsreiche, württembergische Weingut Drautz-Able. Die Geschichte des Familienbetriebes reicht weit zurück, mehr als 500 Jahre bis ins Jahr 1495. Heute wird das Weingut gemeinsam von Monika Drautz und ihrem Sohn Markus geführt. Das Familienteam komplettiert seine Frau Stephanie de Longueville-Drautz, die uns erfrischend sympathisch und sehr aufmerksam als Gastgeberin durch unsere Weinprobe führte. Aber dazu später mehr.

Liebe zum Frieden, zur Innovation und zur Qualität

Die Taube ziert das Logo und die Etiketten
Tradition, modern interpretiert

Eine Taube zierte über viele Jahrzehnte das Familienwappen und findet daher auch heute noch auf jedem Etikett ihren Platz. Das Friedenssymbol geht zurück auf die mittelhochdeutsche Übersetzung des historischen Familiennamens Drudaz, „der friedliebende Freund“.

Auf ihrer Tradition ruht sich die Familie Drautz jedoch keinesfalls aus. Im Gegenteil, sie steht seit vielen Jahren für die Pioniere in der deutschen Winzerszene. Bereits Markus Drautz‘ Vater war ein Visionär seiner Zunft. Er war 1986 Gründungsmitglied der Hades-Gruppe, einer Vereinigung der sechs schwäbischen Winzer: Fürst zu Hohenlohe (H), Graf Edelmann (A), Drautz-Able (D), Ellwangen (E), sowie dem Sonnenhof und dem Staatsweingut Weinsberg (S). Gemeinsam verfolgten sie die Mission, den Ausbau deutsche Weine im Barrique-Fass zu fördern. Neben dem Einsatz der kleinen Fässer aus Eichenholz vereinbarte die Gruppe diverse Kriterien zur Steigerung der Weinqualität. Markus Drautz führt die familiäre Tradition zur Innovation offensichtlich weiter. Denn seine Philosophie „Hier spricht das Winzerherz und nicht (nur) die Vernunft des Kaufmanns“ stellt die vermeintliche Unvernunft zur Qualität klar über die Quantität. Seit 1994 ist das Weingut Mitglied im VDP, dem Verband deutscher Prädikatsweingüter.

Weinprobe bei Drautz-Able

Wie häufig in Württemberg dominiert der Lemberger auch das Sortiment des Weingutes Drautz-Able. Etwa 60% der Rebfläche ist mit roten Sorten bepflanzt. Neben Lemberger werden Trollinger, Dornfelder, Merlot und Samtrot angebaut. Letzteres ist eine in Württemberg beheimatete Mutation des Schwarzriesling und zählt zur Familie der Burgunderreben. Die Weißweine von Drautz-Able reichen von Weissburgunder, Grauburgunder, Muskateller, Gewürztraminer, natürlich dem Riesling bis hin zum im Barrique ausgebauten Sauvignon Blanc. Die einfacheren VDP Guts- bzw. Ortsweine liegen preislich zwischen 8 und 12 Euro. Die Preise der Ersten bzw. Großen Lagen liegen zwischen 20 und 30 Euro.

Weinprobe an der Theke bei Drautz-Able
Weinprobe bei Drautz-Able

 

Von den einfacheren, weissen Alltagsweinen fand ich den Heilbronner Pinot Gris trocken aus dem Jahr 2016 für 11,90 Euro wirklich bemerkenswert. Ein echter Knaller für einen schönen Sommernachmittag auf dem Balkon, auf der Terrasse oder beim Picknick ist der Blanc de Noir trocken aus dem Jahr 2017 mit dem schönen Namen „Le Petit Pigeon Blanc“. Mit einem Alkoholgehalt von gerade einmal 10 Vol. % kann man diesen Wein schon fast gefahrlos nachmittags trinken. Ab Hof kostet er 5,95 Euro, er ist also auch preislich weit entfernt von Kopfschmerzen.

Den einfacheren Sauvignon Blanc trocken habe ich in der Weinprobe zugunsten des im Barrique ausgebauten Sauvignon Blanc trocken Hades aus dem Jahr 2016 ausgelassen. Zum Glück! Er kann zwar noch gut 1-2 Jahre in der Flasche liegen, seine Qualität beweist er aber schon heute. Das Holz bildet einen guten Kontrast zur Säure und nimmt ihr etwas von der beim Sauvignon Blanc natürlichen Dominanz. Der Preis von 20 Euro für die Flasche ist sehr gut angelegt. Und natürlich liegen seit der Weinprobe ein paar davon auch in meinem Keller.

Die Rotweine von Drautz-Able

Ich gebe es zu, ich bin kein natürlicher Freund des Lembergers. Aber beim Lemberger „R“ trocken Hades aus dem Jahr 2013 hätte ich zumindest beinahe zugegriffen. Er lag 3 Jahre im Barrique, kann gut noch weitere 3-5 Jahre in der Flasche liegen, ist aber bereits heute schon angenehm geschmeidig. Aber das Leben besteht nun einmal aus Entscheidungen, das gilt auch bei einer Weinprobe. Allerdings haben mir zwei weitere Rotweine die Entscheidung für meine persönlichen Highlights letztlich doch einfach gemacht.

Denn der reinsortige Merlot „R“ trocken Hades aus dem Jahr 2011 ist eine Wucht! Ich gebe meine anfängliche Skepsis zu, weil die beiden Schlagwörter Merlot und Deutschland miteinander immer noch eher fremd klingen. Markus Drautz hat mich eines Besseren belehrt. Dunkle Beeren, dunkle Schokolade und etwas Vanille in der Nase, eine vollmundige und samtige Frucht auf der Zunge. Ein sehr schöner Wein!

Das zweite Highlight in Rot war der der Samtrot „R“ trocken Hades Jahrgang 2012. Ein schönes Rubinrot im Glas, der Duft von roten und schwarzen Früchten in der Nase und auch hier eine wunderbar geschmeidige und sanfte Frucht auf der Zunge. Beide Rotweine liegen zwischen 26 und 30 Euro, sind für den entsprechenden Anlass aber meiner Meinung nach wirklich jeden Cent wert.

Modern ist auch der Gastraum
Hell und gastfreundlich

Mein Fazit: Uneingeschränkt Empfehlenswert

Hervorragende Top-Weine zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis in Verbindung mit wirklich hervorragenden Alltagsweinen, die um die 10 Euro und darunter liegen, lassen mich einen Besuch bei Drautz-Able absolut empfehlen. Und on-top kommt noch die Gastlichkeit und Freundlichkeit einer wirklich netten Winzerfamilie. Offenbar befinde ich mich mit meiner Meinung in guter Gesellschaft. Denn obwohl sie keinen eigenen Webshop betreiben, werden etwa 50% der Produktion direkt an Privatkunden verkauft, die dafür offenbar auch gerne nach Heilbronn kommen. Seit meinem Ausflug zum Weingut Drautz-Able kann ich das sehr gut nachvollziehen.

Und wer jetzt neugierig ist, hier die Adresse und die Kontaktdaten:

Weingut Drautz-Able
Faißtstrasse 23
74076 Heilbronn

Telefon: 07131 177908
eMail: info@drautz-able.de

Anfahrt (via Google Maps)

Weingut Türk – Spitzen Veltliner aus dem Kremstal

Weingut Türk, Hauptgebäude

Auf 75% der 19 ha Rebfläche, die der Winzer Franz Türk aus Stratzing im Kremstal bewirtschaftet, wird Grüner Veltliner angebaut. Die leidenschaftliche Konzentration auf diese Rebsorte zahlt sich offensichtlich aus. Denn qualitativ zählt das Weingut Türk seit Jahren zu den führenden Produzenten in Österreich und erhielt zahlreiche Preise. Auch als Auszeichnung für eine langjährig hohe Qualität aus Weinberg und Weinkeller darf man die Kooperation mit Eckart Witzigmann verstehen. Der mit zahlreichen Sternen prämierte Koch, den Gault-Millau 1994 als Jahrhundertkoch auszeichnete, schätzte den Grünen Veltliner von Franz Türk bereits über viele Jahre. Mit dem Jahrgang 2015 haben die beiden Perfektionisten nach langer gemeinsamer Arbeit einen gemeinsamen Wein auf den Markt gebracht, den Witzigmann als „Mein Grüner Veltliner“ bezeichnet.

Weinprobe im Weingut Türk

Gastraum für Weinproben für Gruppen bis zu 10 Personen
Gastraum des Weingut Türk

Weinproben sind auf dem Weingut Türk nach vorheriger Anmeldung möglich. Es gibt keine ständig geöffnete Vinothek oder einen Verkaufsraum, die Verkostungen werden individuell für die angemeldeten Besucher durchgeführt. Das Weingut Türk ist ein renommierter Familienbetrieb, dessen Wurzeln über Generationen bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück reichen. Und so führte uns auch der älteste Sohn des Hauses durch unsere Weinprobe. Souverän mit großer Fachkenntnis, erfrischend mit großer Leidenschaft – und auch mit großem Stolz auf die Weine seines Vaters stellte er uns das Sortiment des Weingutes vor.

Highlights der Weinprobe

Im Mittelpunkt der Verkostung standen natürlich die für die Region und das Weingut typischen Grüne Veltliner. Die leichteren Einstiegsweine beginnen bei 10 – 14 Euro, die besseren Lagen kosten im Verkauf ab Hof 15 – 25 Euro. Besonders angetan hat es mir persönlich der Veltliner 333 aus dem Jahrgang 2013, eine Cuvée von drei Toplagen, drei verschiedenen Böden und drei verschiedenen Mikroklimata in ihren jeweiligen Lagen. Der Veltliner 333 wurde in einer limitierten Anzahl produziert und soll ein sehr gutes Reifepotential bis 2020 oder 2025 haben. Vielleicht auch 50 Jahre. Vermutlich wird er es bei mir schon schwer haben, das Jahr 2025 zu erleben. Denn auch mein zweites persönliches Highlight, der Grüne Veltliner Kremser Thurnerberg 2016 Erste Lage, den ich gut und gerne bis 2020 im Keller hätte liegen lassen können, ist leider schon weg. Er passt halt aber auch so gut zu asiatischem Essen, was es bei uns zuhause relativ häufig gibt.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich zudem den Chardonnay Barrique 2015. Sein Ausbau in französischer Eiche ergänzt das Fruchtige und die dezente Säure eines kühleren Chardonnay mit Aromen von Vanille und  geröstetem Holz. Für unter 18 Euro ist diese Qualität wirklich hervorragend.

Kontinuierliche Suche nach der Verbesserung

Weltneuheit aus dem Jahr 2017, das Bodenetikett vom Weingut Türk
Sorgt für Ordnung im Weinschrank, das Bodenetikett

„Wenn Du aufhörst besser zu werden, hörst Du auf gut zu sein.“ Dieses Motto hat für Franz Türk seit Jahren Gültigkeit. Es bezieht sich aber nicht nur auf seine Arbeit in den Weinbergen und im Weinkeller. Mit der Vorstellung des Bodenetiketts im Frühjahr 2017 brachte das Weingut Türk eine raffinierte Novität in die Weinwelt. Die Idee ist so simpel und genial, dass man sich schon auch wundert, weshalb erst im Jahr 2017 jemand daran dachte. Weinflaschen liegen in der Regel – und liegend lassen sich die Etiketten nicht sehen. Was liegt also näher, als Weinflaschen auch auf dem Boden zu etikettieren! Durch die unterschiedlichen Farbcodes erkennt man auf einen Blick, um welche Rebsorte oder welchen Wein es sich handelt.

Ich persönlich hoffe sehr, dass sich die Erfindung in der Weinwelt durchsetzt. Denn bei aller Tradition – egal was man tut, man sollte nie aufhören besser werden zu wollen. Bei der Leidenschaft, mit der sich auch der Junior bereits für das Weingut Türk einsetzt, kann man davon ausgehen, dass sich Besuche und Weinproben auf dem Weingut Türk noch eine ganze Zeit lang mehr als nur lohnen.

Anfahrt zum Weingut Türk

Das Weingut  Türk liegt in Niederösterreich, im Weinbaugebiet Kremstal in der Gemeinde Stratzing. Es ist sowohl von Krems an der Donau, als auch aus Langenlois jeweils in gut 10 Minuten mit dem Auto erreichbar. Hier findet ihr Kontaktdaten, die Adresse und einen Link zur Routenplanung.

Weingut Türk
Kirchengasse 16
3552 Stratzing, Österreich

Telefon +43 2719 28460

eMail info@weinguttuerk.at

Anfahrt (via Google Maps)

Weingut Nikolaihof Wachau

Kaiserlinde im Innenhof des Weingutes

Um eines vorwegzunehmen, selten wurden wir auf einem “größeren” Weingut so gastfreundlich empfangen und bewirtet wie im Weingut Nikolaihof Wachau in Mautern an der Donau. Und das, obwohl wir uns am Osterwochenende zum Besuch angemeldet hatten, wenige Tage vor der eigentlichen Eröffnung der “Saison”, die im Nikolaihof von Ende April bis Mitte November dauert.

Das historische Städtchen Mautern liegt ziemlich genau gegenüber von Krems auf der anderen Seite der Donau, mit dem Auto 4 km oder 10 Minuten entfernt von Krems. Das Weingut Nikolaihof selbst befindet sich mitten in der Stadt. Wer den Nikolaihof durch das hölzerne Eingangstor betritt, den empfängt ein weitläufiger, ruhiger Innenhof. In seiner Mitte ruht und dominiert eine ausladende, mehr als 100 Jahre alte Kaiserlinde, die im Sommer tagsüber für kühlenden Schatten und abends für romantische Stimmung sorgt. Der Nikolaihof selbst bildet sich aus einem Ensemble ehrwürdiger Gebäude und kann auf eine fast 2.000-jährige Geschichte zurückblicken. Er gilt damit als das älteste Weingut in Österreich. Ein wesentlicher Blickfang im Innenhof des Weingutes ist die Agapitus Kapelle, die im 11. – 12. Jahrhundert auf den Grundmauern einer römischen Basilika errichtet wurde.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich der Hof im Besitz der Winzerfamilie Saahs, mit Sohn Nikolaus Saahs jun. als Weinmacher steht mittlerweile die 4. Generation für Qualität – und für ausgezeichnete Weine. Auf einer Rebfläche von 22 Hektar rund um Mautern werden – wie für die Region Wachau üblich – überwiegend Riesling (55%) und Grüner Veltliner (35%) produziert.

Die älteste Holz-Weinpresse der Welt

350 Jahre alte Baumpresse
Größte Baumpresse der Welt

Ein Highlight des Nikolaihof besichtigt man noch bevor man in die alten Kellergewölbe hinabsteigt. Es ist eine über 350 Jahre alte Weinpresse aus Holz, weltweit die größte ihrer Art. Ihr 12 Meter langer Pressbaum wurde in einem Stück aus dem Stamm einer Ulme gefertigt. Auch heute noch ist die Baumpresse funktionsfähig. Jedes Jahr im Oktober wird die historische Baumpresse für die Produktion eines einzigen Fasses in Betrieb genommen. Das historische Pressverfahren ist traditionelle Wachauer Handarbeit und für die Trauben besonders schonend. Weil diese Handarbeit andererseits auch besonders aufwändig ist, wird jährlich nur eine limitierte Anzahl von rund 2000 Flaschen aus diesem Verfahren gewonnen. Die zehnstündige abendliche bzw. nächtliche Pressung soll laut Erzählung ein einzigartiges, fast mystisches Erlebnis bei Kerzenschein sein. Allein dafür muss ich definitiv noch einmal nach Mautern in den Nikolaihof!

Jedem Kind der Familie Saahs wurde ein Holzfass gewidmet
Schöne Familientradition

Im geschichtsträchtigen Weinkeller, der in eine römische Unterkirche gebaut wurde, beeindrucken vor allem die mit Schnitzereien verzierten Holzfässer, die das Ehepaar Christine und Nikolaus Saahs für jedes ihre Kinder anfertigen liess. Da der Nikolaihof seine Weine zum größten Teil in Holzfässern lagert, befinden sich im Keller darüber hinaus noch zahlreiche weitere Holzfässer, die jeweils 2.000 Liter bis 12.000 Liter Wein in sich reifen lassen – manche von ihnen über 20 Jahre lang. Mit einem dieser geduldig gereiften Weine, einem Riesling aus dem Jahrgang 1995, erzielte der Nikolaihof die Höchstpunktzahl von 100 Punkten von Robert Parker. Nikolaus Saahs ist der erste österreichische Winzer, dem diese Auszeichnung gelungen ist.

Pioniere des biodynamischen Weinanbaus

Saahs senior wird in Weinführern gerne mit dem Satz zitiert „Wir sind so altmodisch, dass es schon wieder modern ist.“ Die Winzerfamilie Saahs arbeitet bereits seit Anfang der siebziger Jahre nach den Demeter-Richtlinien, der strengsten Richtung der biologischen Landbewirtschaftung. Das Prinzip besteht darin, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. Je mehr sich die Reben aus möglichst eigener Kraft gegen Schädlinge “anstrengen” müssen, desto mehr Kraft und Energie gelangen auch in ihre Trauben und dadurch in den Wein. In den Weingärten des Nikolaihof werden also keine Herbizide, keine Pestizide und keine Kunstdünger verwendet – sondern unter anderem Brennesseljauche und Baldriantee. Homöopathie im Weinberg.

Der Natur ihren Lauf lassen, so wenig wie möglich eingreifen und den Weinen viel Zeit geben, sich zu entwickeln. Das ist die Weinbauphilosophie von Nikolaus Saahs. Das kann man auch in seinen Weinen schmecken, sie sind echte Produkte der Natur, keine auf Einhaltung einer geschmacklichen Linie getrimmte Ware.

Weinprobe im Nikolaihof

Am Ende der etwa 20 Minuten langen Führung durch den Nikolaihof hatten wir Glück mit dem Wetter. Die Frühlingssonne zeigte sich und die Weinverkostung konnte trotz der frühen Jahreszeit draußen im Innenhof stattfinden. Wer den Nikolaihof besuchen möchte, sollte wissen, dass er nicht unbedingt für Alltagsweine bekannt ist. Etwa 70% der Produktion exportiert der Nikolaihof in über 40 Länder, vor allem in die USA und nach Japan. In Österreich oder Deutschland sind die Weine auch in der Spitzengastronomie vertreten. Die Weine, die man ab Hof kaufen kann, beginnen preislich zwischen 12 und 15 Euro pro Flasche. Dafür bekommt man sehr elegante Rieslinge, würzige Grüne Veltliner oder interessante unfiltrierte Grüne Veltliner mit dem Beinamen “Zwickl”. Aus den Weinkellern kommen aber auch ebenso viele Weine in Preiskategorien zwischen 30 und 50 Euro pro Flasche.

Riesling aus der antiken Weinpresse
Riesling gepresst wie vor 350 Jahren

Dennoch kamen 12 Weine in die Verkostung und wir waren positiv überrascht, dass sich unter den angebotenen Weinen auch hochpreisigere Raritäten befanden. Mein persönliches Highlight war der 2011 durch das historische Pressverfahren in der Baumpresse gewonnene Riesling. Zudem der Vinothek Riesling aus dem Jahrgang 2000, der 16 Jahre im Eichenholzfass lagerte. Was sage ich, er lagerte nicht einfach dort, er hat dort auf mich gewartet. Also konnte ich leider trotz der Flaschenpreise von 65 bzw. 90 Euro nicht anders, ich musste jeweils eine Flasche von den beiden Weinen haben. Weil die Weine vom Nikolaihof halt nun einmal keine Alltagsweine sind, sondern Besonderheiten. Und an einem besonderen Tag werden sie mir schöne Geschichten über Tradition, Handwerkskunst, die Zeit und Nachhaltigkeit erzählen.

Im Nachhinein bedauere ich es, zu früh im Jahr zum Nikolaihof gekommen zu sein. Ich habe die Weinstube verpasst und vor allem die Möglichkeit auf ein Abendessen unter der Kaiserlinde. Ich komme also wieder!

Nikolaihof Wachau
Nikolaigasse 3
3512 Mautern, Wachau, Österreich

+43 2732 829 01

eMail: wein@nikolaihof.at

Anfahrt (via Google Maps)