Chamonix Estate

Chamonix Estate Terasse

Wenn ich auf einer Weinreise bin, genauer gesagt meistens Wochen davor, versuche ich Weingüter zu recherchieren, die man aus mehreren Gründen heraus gerne besucht. Weil die Weine toll sind, das Weingut eine interessante Geschichte zu erzählen hat, weil der Besuch ein gutes Erlebnis verspricht. Warum mir das wichtig ist? Erstens weil ich selbst Spaß haben möchte, und zweitens weil ich finde, dass eh zu viel Negatives geschrieben wird. Da muss ich mich nicht auch noch einreihen, ich gebe viel lieber positive Tipps.

Das mit der Recherche gelingt leider nicht immer. Heute Nachmittag hatte ich nichts vor in Franschhoek, habe mir spontan überlegt, einfach mal meiner Nase zu folgen. Und die wollte nach oben, an den nordöstlich von Franschhoek gelegenen Hang, zum Chamonix Estate. Meine Idee dabei? 350 Höhenmeter, Nachmittagssonne bis zum Sonnenuntergang, ein wohlklingender Name, was man sich halt zusammenreimt, wenn man im Detail uninformiert ist.

Und tja, was soll ich sagen: Wo Licht bzw. Spitze ist, ist halt auch Schatten, oder Durchschnitt. Es können halt nicht alle Weingüter erstklassige Weine produzieren. Es gab Jahre, da war ich in Mathe mit einer gepflegten Note 3 auch ganz zufrieden.

Der optische Eindruck am Anfang war sogar noch recht erfreulich. Die Terasse für das Weintasting nicht so auf Hochglanz poliert wie viele andere hier in der Region. Vom Stil her etwas shabby chic, abgeplatzte Farbe an den schweren, französischen Bistrostühlen. Die Sonnenschirme mit leichten Stockflecken, verschmutzt vom Laub der Eiche darüber. Die Sitzkissen haben schon den Jahrgang 2012 gesehen, leicht sonnengebleicht. Für viele Südfrankreichurlauber ist das ein Traum. Und ja, Chamonix Estate könnte ein schöner Platz sein, auch und gerade im Kontrast zu den gestylten Locations hier. Könnte, Konjunktiv II, die gute alte Möglichkeitsform.

Die Abluftanlage vom Keller war so dermaßen laut, nein, das mutet man keinem Gast zu. Das war unangenehm, basta. So will man nicht sitzen, weder einfach so, geschweige denn zu einem Weintasting. Nein, das kann man sich schenken, tut mir leid.

Spaß im Glas bei Chamonix Estate?

Nochmal, ich mag weder schlechte Erfahrungen, noch mag ich etwas schlecht schreiben müssen. Also hatte ich große Hoffnung auf die Weine. 350 Höhenmeter, nordöstliche Hanglage, Nachmittagssonne, gute Bedingungen und so. Ist mir auch nicht gelungen, zumindest bei keinem von drei Weißweinen. Zwei kamen aus ihrer Chamonix Range, einer aus der Reserve Range. Mehr habe ich mir dann erspart. Aber in a nutshell:

Unoaked Chardonnay, Chamonix Range, Jahrgang 2023, Mandarine in der Nase, frisches Gras. Am Gaumen super frisch, Zitrusaromen pur, vorrangig Lemon, Grapefruit, parallel dazu kommt der Alkohol mit seinen 14 Vo.% durch. Der Speichel fängt an zu fließen, mein Körper reagiert super, muss das Brennen im Mundraum löschen.

Ebenfalls Chamonix Range, Chardonnay 2021, Aromen von Limone und Mandeln in der Nase. Am Gaumen dieselben Aromen wie beim ersten Wein, dazu noch etwas Kiwi und zurückhaltendes Holz. Zum Glück dieses Mal nicht auch noch brennender Alkohol am Gaumen, dieser Wein hat nur 13,5 Vol.%.

Auch Minuten nachdem ich die beiden Weine verkostet habe, hatte ich noch Zitronensaft im Mund. Wenn ich das will, trinke ich Zitronensaft.

Abschließend ihr Estate White Jahrgang 2021, ein weißer Bordeaux Blend aus der Reserve Range. Wieder überwiegend Zitrusnoten, in ordentlicher Balance mit Bienenhonig und etwas schwarzem Tee. Adstringierend auf der Zunge.

Wie seinerzeit bei den WSET Lehrgängen habe ich jeden Schluck ausgespuckt. Ne Leute, nicht jede Vermietungsanlage für Ferienwohnungen braucht ein angeschlossenes Weingut. Und in Chamonix fährt man weiter besser Ski, statt Wein zu machen. Klimawandel hin oder her.

Topiary

Boutique Weinfarm Topiary

Für mich ist Wein überwiegend und in erster Linie Authentizität. Wein, dafür stehen für mich Menschen, die Träume haben, Vorstellungen, Ziele, Leidenschaft. Menschen, die mit der Natur arbeiten, aus ihrem Terroir und ihren Reben mit sich kontinuierlich entwickelndem handwerklichem Geschick tolle Genussmomente produzieren. Klar, dass ich dann persönlich Boutique-Weingüter bevorzuge, nicht Großkonzerne. Ich komme beruflich aus dem Marketing. Wein, das sind für mich aber eher Gesichter und Geschichten, denn Marketing. Beides kann man natürlich auch kombinieren, also wenn man es kann, aber das ist ein anderes Thema.

Gestern habe ich mal wieder eine solche Boutique gefunden. Etwa 10 km außerhalb von Franschhoek, rechts ab von der Straße, die so aussieht als würde sie von nirgends nach gar nirgendwo führen, liegt Topiary. Ihren Chardonnay Sandstone 2021 hatten wir in der Weinbegleitung im Protégé am Abend davor. Er war herrlich balanciert zwischen cremig und fruchtig-frisch, der richtige Kompromiss für uns zu Hause, wo eine Seite den Chardonnay am liebsten cremig, buttrig und breit mag, während ich es kühl, frisch und mineralisch mag. Jedenfalls war meine Neugier darauf geweckt, was die da sonst noch machen.

Burgund trifft Südafrika

„Die“, das ist im Kern Philippe Collin, Besitzer und Winemaker, für den das Topiary sein Zweitweingut für die Wintermonate ist. Ende der 1980er stieg Philippe Collin in das Weingut seiner Eltern und Großeltern in Chassagne-Montrachet ein. Ab 2003 führte er das 18 ha große „Chardonnay Weingut“ an der Côte de Beaune gemeinsam mit seinem Bruder. Nachdem er 2014 in Franschhoek die Topiary Weinfarm übernommen hatte, entschied er sich in 2021 für eine Verkleinerung im Burgund. Er gab 2/3 seiner Rebfläche an seinen Sohn weiter und behielt nur noch 5 ha selbst.

Über die Sommermonate macht er also nun „im Kleinen“ noch 1er Crus und Grand Crus zuhause in seinem Weingut in Chassagne-Montrachet, über die Wintermonate lebt und arbeitet er mit seiner Frau hier. Man scheint hier zu wissen, wie man sein Leben gut gestaltet. Sechs Monate Burgund, sechs Monate Südafrika, 12 Monate kein Schnee und Eis, läuft bei denen.

Weintasting bei Topiary

Bei dem Bourgogne Background konnte ich davon ausgehen, dass man hier weiß, wie man hervorragende Burgunder macht. Den Sandstone Chardonnay kannte ich zwar schon, konnte aber vor Ort den nächsten Jahrgang, 2022, verkosten. Noch etwas stärker auf der frischen Seite als der 2021er, weiter herrlich. Und mit einem Cellar-Door Preis von R245 pro Flasche ein sensationelles Preis-Genuss-Verhältnis!

Zweites Highlight? Innocence 2019, eine Cuvée aus 60% Cabernet Sauvignon und 40% Syrah, mit einer Eleganz, die ich hier in SA selten im Glas hatte. Dabei hatte er sich in der Nase erst einmal noch ziemlich lautstark vorgestellt, sich aber dann am Gaumen wirklich ganz anders verhalten. Frische, elegante Frucht, klar separiert, nicht vermischt, Pflaume, Brombeere, schwarze Johannisbeere, Tee, Pfeffer. Diese Unschuld, davon geht auch eine Flasche mehr am Abend 🤷🏼

Last not least, ein reinsortiger Syrah 2019, leichter bis mittlerer Körper, dunkle Beeren in der Nase, am Gaumen überwiegend Schwarzkirsche, weißer Pfeffer. Kein Wein für den Kaminabend, aber im Sommer leicht gekühlt zum Aperitif bringt er‘s sicher ganz hervorragend.

Neben den drei Weinen aus meinem Tasting produziert Topiary noch einen Cap Classique Brut Blanc des Blancs und einen Roséwein. Auf der Farm liegen zudem zauberhafte Guesthouses und ein Restaurant, weitere Infos dazu direkt auf ihrer Webseite.

Für mich ist Topiary absolut eine Empfehlung!

Capensis Wines

Capensis Terasse

Das Leben findet statt, während man es gerade ganz anders plant. Oder anders – es ist voller Zufälle und Gelegenheiten. Und genau dieser Zufall hat uns an unserem zweiten Abend zu einem Chardonnay von Capensis geführt. Empfohlen hat ihn uns ein hervorragender Sommelier im Restaurant Oku in Franschhoek. Er hat uns nicht mehr und nicht weniger angekündigt als den besten Chardonnay der Welt. Das nenne ich mal ein boldes Statement. Aber was er ausgeschenkt hat, gehört tatsächlich in die Spitzenklasse dieser Rebsorte! Also musste die Gelegenheit zum Besuch des Weingutes her.

Die Heimat von Capensis Wines ist das Western Cape, in Paarl liegt das Arbeitszimmer, und die Fijnbosch Vineyards sind ihr Wohnzimmer. OK, das muss man vielleicht etwas erklären: Mastermind von Capensis ist Graham Weerts aus Kapstadt, der 1996 Jahre sein Weinbaustudium in Stellenbosch absolvierte. Die Zeit war geprägt vom Ende der Apartheid in Südafrika, die jungen Leute konnten endlich reisen. Also ging auch Graham Weerts unter anderem nach Kalifornien und arbeitete dort für Jackson Family Wines. Im Jahr 2014 zog es Weerts wieder zurück in seine Heimat. In seinem Gepäck ein klarer Plan und ein Deal mit den Besitzern von Jackson Family Wines: In Western Cape wollten sie Chardonnay machen. Und zwar ausschließlich. Aber Weine, die die vielen Facetten dieser einmaligen Weinbauregion und ihrer Terroirs widerspiegeln.

Das Herz ihrer Weine sind die Reben von Fijnbosch Vineyards, gelegen auf etwa 600 Höhenmetern in der Weinbauregion Stellenbosch. Hier auf der Farm wurde nach dem Erwerb in 2014 auch ihr Wohnzimmer, die Tasting Area als quasi Showcase eröffnet. Sie ist ein tolles Stück moderner, zurückhaltender Architektur in atemberaubender Natur. In diese Natur wollten sie keine komplettes Weingut mit Keller, Logistik und Maschinen bauen, also findet der Ausbau ihrer Weine in Paarl statt. Von weiteren Farmen aus den Regionen Overberg, Stellenbosch, Robertson und Klein Karoo beziehen sie zusätzlich genau die Qualität an Traubenmaterial, das für Graham Weerts die perfekte Bandbreite des Western Cape abbildet und ausmacht. Capensis – lateinisch für „from the Cap“.

Das Wohnzimmer von Capensis, die Verkostungslocation in den Fijnbosch Vineyards
Das Wohnzimmer von Capensis, die Verkostungslocation in den Fijnbosch Vineyards

Das Weintasting bei Capensis Wines

Nirgends ist eine Anmeldung zum Weintasting so eindeutig erforderlich wie hier. Erstens würde man das Weingut ohne Beschreibung gar nicht finden – und die Codes für die beiden Tore nicht kennen. Zweitens sind Weintastings klar reglementiert. Es finden pro Tag genau zwei Tastings statt, eines am Vormittag, eines am Nachmittag, jeweils exklusiv für eine Gruppe. Und wenn man, wie ich heute, alleine kommt, ist man halt alleine die Gruppe. Anmeldungen am besten direkt über ihre Webseite.

Begrüßt wurde ich von Hannah, die hauptberuflich Psychologie an der University of Cape Town lehrt, an zwei bis drei Tagen aber auch Weintastings begleitet. Was für eine Kombination! Und begleitet bedeutet in diesem Fall konkret, dass man gemeinsam mit ihr verkostet. Denn auch das Gespräch über den Wein gehört zur Philosophie von Winemaker Graham Weerts. Deshalb gibt es beim Tasting auch keine Verkostungsnotizen, sondern alles basiert auf den Beschreibungen der fünf verschiedenen Terroirs der Capensis Weine.

Weintasting bei Capensis Weines

Spaß im Glas

Capensis Silene 2021 wurde mir von dem Sommelier im Oku als ihr Einstiegswein präsentiert. Ein frischer, extrem gut zwischen gelben Steinfrüchten, Zitrusaromen und Holz balancierter Tropfen. Ein klein wenig cremig noch auf der Zunge, aber weit entfernt von den bulligen Neue Welt Chardonnays aus Butter, Butter, Butter und Holz. Schon hier wird klar, wohin bei Capensis die Reise geht – zurück ins klassische Burgund.

Daneben haben wir den Capensis Chardonnay aus den beiden Jahrgängen 2016 und 2019 verkostet. Während die Aromen schon bei Silene extrem intensiv aus dem Glas in die Nase strömten, ist das hier nochmal eine andere Liga. In diese Gläser muss man nicht reinriechen – selbst aus gut 20 cm Abstand zum Glas ist die Aromenfülle riesig. Am Gaumen beim 2019er Jahrgang Mandarine, Apfel, Zitrusfrüchte, gelber Pfirsich und eine salzige Mineralik. Der 2016er ein klein bisschen weniger fruchtig, eher leichte Grapefruit anstelle des Pfirsich, die Mineralik noch einmal ausgeprägter als beim 2019er. 2016 hat mir ein ganz klein wenig besser gefallen als der 2019er, aber beide müssen sich vor keinem Spitzenwein aus dem Burgund verstecken. Für mich in Südafrika auf einem Level mit Ataraxia aus dem Hemel-en-Aarde Valley.

Capensis 2016, 2019 und Capensis Silene 2021 in der Verkostung gegeneinander

Der Cellar Door Preis für den Capensis Sirene liegt bei 17/18 Euro, das ist ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis. Der 2019er Capensis Chardonnay liegt bei knapp 50 Euro, der 2016er Jahrgang bei umgerechnet etwa 55 Euro. Das ist ein gutes, ein faires Preis-Genuss-Verhältnis. Ihr Flagship Wein, Capensis Fijnbosch Chardonnay 2019, leider ausverkauft und daher nicht in der Verkostung, 100% aus Reben nur von der Farm hier, liegt bei 75 Euro pro Flasche. Je nach Anlass geht das noch, wenn man vor Ort einkaufen kann. Der Importeur in Deutschland verlangt dafür allerdings 125 Euro. Damit wäre dann meine Schmerzgrenze für einen Chardonnay überschritten, da ist dann auch der Anlass egal. Aber die 100 Kisten, die davon pro Jahr produziert werden, werden auch so ihre Abnehmer finden.

Aber unabhängig von der Preisdiskussion: Das hier war großes Kino, ich weiß, ich hatte mindestes einen der beiden besten Chardonnay im Glas, die ich hier in Südafrika je im Glas hatte.

Die Franschhoek Winetram

Franschhoek Wine Tram

Wenn man in Franschhoek ist, kommt man an der Winetram nicht vorbei. Und irgendwie auch nicht um sie herum, also konkret um eine Fahrt mit ihr. Das professionelle Eintauchen ins Glas kommt dabei zwar definitiv zu kurz, aber man kann (und sollte) auch einfach mal nur Spaß mit Wein haben. Dafür ist so ein Tag in der Winetram ideal, für Urlauber und für Tagesausflügler aus Kapstadt. Wobei die eigentliche Zeit in der Winetram ziemlich begrenzt ist. Die Wegstrecke ist ganze 18 Minuten lang, beginnt in Franschhoek am Terminal und endet beim Weingut Rickety Bridge. Dazwischen liegen zwei weitere Haltepunkte, Franschhoek Cellar und das Weingut Grande Provence.

Eine zweite Tram fährt etwa 15 km entfernt Richtung Stellenbosch auf einer ähnlich langen Strecke. Von der Station Groot Drakenstein verbindet sie die Weingüter Boschendal, Vrede en Lust sowie Plaisir.

Alle weiteren der insgesamt 30 Weingüter werden mit Bussen angesteuert, die zumindest ein wenig so aussehen wie die Winetram. Fünf verschiedene Linien fahren jeweils knapp 10 verschiedene Weingüter an. Den jeweils aktuellen Linienplan findet ihr hier auf der Website der Winetram.

Ein fröhlicher Tag in Franschhoek

Nochmal, hier steht der Spaß mit Freunden und/oder der Familie im Vordergrund. Und klar, je später der Nachmittag, desto fröhlicher die Mitfahrenden, das gehört dazu. Die meisten der angefahrenen Weingüter fallen in meine Kategorie der Picknick-Weingüter, Lifestyle-Plätzen für den entspannten Nachmittag. Und so kann man überall Essen, Trinken, Picknicken, Kinder können Tiere streicheln oder von Klettergerüsten fallen. Fast jedes Weingut bietet die unterschiedlichsten Arten von Weintasting statt, pur oder im Pairing meistens mit Schokolade, Käse oder Austern.

Nach etwas Recherche habe ich mich für die Blaue Linie entschieden, aus zwei für mich guten Gründen. Erstens wollte ich unbedingt zu Holden Manz, ganz auf die Ernsthaftigkeit konnte ich dann doch nicht verzichten. Aus purem Spaß wollte ich zudem unbedingt zu Rickety Bridge, das erste Weingut in Franschhoek, das ab 1797 mit Paulina De Villiers von einer Frau geführt wurde.

In Rickety Bridge kann man seinen eigenen Wein cuvéetieren, entweder weiß oder rot. Wie das geht? Man bekommt drei Flaschen reinsortige Weine, hier Merlot, Pinotage und Syrah, die probiert man zuerst und versucht sich dann an seinen eigenen, individuellen Mischungsverhältnissen. Ich bin schon ziemlich gespannt, wie es schmeckt, das Ergebnis meines „eigenen“ Weines, zurück zuhause.

Kosten, cuvéetieren, verkorken, Label malen, fertig

Impressionen vom Tag mit der Franschhoek Winetram

Von Rickety Bridge ging es mit der Winetram weiter zum Weingut Grande Provence, das auf eine mehr als 300 jährige Geschichte zurückblicken kann. Und wie es der Name vermuten lässt, sehr auf stilvolle Eleganz setzt, tolle Architektur, viel zeitgenössische Kunst, ein schöner Fleck Franschhoek. Und die Weine? Zweifellos sehr ordentlich, aber so richtig vom Hocker haben sie uns beide nicht gerissen. Dafür sollen die Austern ganz hervorragend gewesen sein!

Picknickwiesen, Restaurants, Kunst und Wein

La Bri

Der totale Kontrast zu Grande Provence war anschließend das Weingut La Bri, dessen Geschichte bis ins Jahr 1694 zurückreicht. La Bri war damals eine der ersten Farmen der Hugenotten hier in der Region und hatte somit maßgeblichen Anteil an der Entwicklung von Franschhoek. In La Bri ist alles ein gutes Stück bodenständiger, einfacher und vielleicht authentischer als in Grande Provence, man ist hier weit entfernt von Austern. Womöglich muss man dazu aber „noch“ sagen, denn 2022 wurde das Weingut von der Familie um den ehemaligen BMW Manager Hendrik von Kuenheim übernommen. Man braucht ja was zu tun im Rentenalter, ich bin gespannt auf die Entwicklung. Was aktuell auffällt: Während in der Historie des Weingutes alle anderen Vorbesitzer mit Vornamen und Nachnamen Erwähnung finden, heisst es bei den neuen Besitzern nur Mr und Ms.

Ausgezeichnete Weine haben sie in La Bridge jedenfalls schon vorher produziert. Das Weingut ist in den letzten 10 Jahren quasi Stammgast mit 4,5 Sterne Bewertungen in Platter´s South African Wine Guide. Ihr La Bri Barrel Select Chardonnay Jahrgang 2022 erhielt in der aktuellen Ausgabe sogar 5 Sterne – und ist wirklich ein hervorragender Wein.

Mir persönlich reichen drei Weingüter am Tag. Priorisierung war also angesagt, was in dem speziellen Fall nicht schwer gefallen ist: Es ging anschließend zu Holden Manz, dem Weingut, das sich selbst als Hidden Gem in Franschhoek bezeichnet. Weingut und Weine wurden mir von meinem besten Freund empfohlen – und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Ich habe vor, hierüber noch einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben. Die Weine sind es absolut wert!

Was wir nicht gemacht haben: Sir Richard Bransons Mont Rochelle Hotel & Vineyards, Maison Estate und Klein Goederust, das Weingut des ersten schwarzern Besitzers in Südafrika. Für diese besondere Geschichte habe ich mir an einem anderen Tag mehr Zeit genommen und hier einen eigenen Blogbeitrag geschrieben.

Fazit eines Tages in der Franschhoek Winetram

Ich bin ja immer eher auf der Suche nach der Nische, nach Neuem und Unbekannten. Ich freue mich immer, wenn ich eine Boutique entdecke, weil die großen Marken kennt man ja nun einmal schon. Und trotzdem, wenn man sich darauf einlässt, kann man viel Spaß haben an einem Tag mit der Winetram. Ich empfehle nur trotzdem, sich ein wenig mit den Routen, dein Weingütern und ihren Angeboten auseinanderzusetzen. Die Internetrecherche dauert 30-60 Minuten. Ohne sie hätte wir die Cuvéetierung unseres eigenen Weines nicht gefunden, dafür aber 4 x Weintasting mit Schokoladenpairing machen müssen.

Und sollte man es gar nicht mehr aushalten – ein Ehepaar aus den USA habe ich kennengelernt, denen erging das so – dann bucht man sich halt ein Uber und macht auf eigene Faust weiter.

Klein Goederust

Einfahrt auf die Farm Klein Goederust

Mein heutiger Tag in Franschhoek hat bei Mullineux & Leeu Family Wines begonnen, einem bemerkenswerten Projekt eines milliardenschweren Inders und zwei mehrfach ausgezeichneten Winemakern aus Südafrika. Die Erfahrung war toll, ich brauchte danach aber dringend einen möglichst großen Kontrast zu Geld und Luxus. Nichts hätte da näher liegen können, als eine 5 minütige Fahrt zur Farm Klein Goederust. Weil die Geschichte hinter dieser Boutique Winery schöner nicht sein könnte.

Bei Paul Siguqa, dem Besitzer von Klein Goederust handelt es sich um den ersten schwarzen Weingutsbesitzer in Südafrika. Bis 2019 hat es gedauert, dabei verbanden Paul Siguqa und die Farm schon seit Jahrzehnten eine enge Beziehung. Denn seine Mutter arbeitete 37 Jahre lang für den Vorbesitzer der Farm, er selbst jobbte in seiner Jugend auf dem Weingut. Soweit zurück reicht sein Traum von einer eigenen Farm. Mangels Vermögen arbeitete er aber erst einmal 15 Jahre lang in Johannesburg in der Medienindustrie. Seinen Traum behielt er und sparte darauf hin, ihn sich 2019 endlich erfüllen zu können.

Gerade in Südafrika, dem Land, in dem über so viele Jahrzehnte eine so himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit herrschte (und es weiterhin tut), war diese Erfahrung genau das, was ich nach allem Geld und Luxus von Mullineux & Leeu gebraucht habe.

Außenterasse des Weingutes Klein Goederust
Einfacher, authentischer Stil, zurückhaltend modern.

Das Weintasting in Klein Goederust

Im Schatten der schönen und großen Weingüter Franschhoeks mit ihren teilweise mehr als 300 jährigen Traditionen dürfte es für einen Newcomer wie Klein Goederust nicht einfach sein. Aber sie machen das mit großer Freundlichkeit und Herzlichkeit mehr als wett. Hier kann sich etwas entwickeln! Auf den Besucher wartet ein ruhiger Garten mit fünf großzügig verteilten, schattigen Sitzgruppen. Im Hintergrund läuft Smooth Jazz, auch nicht üblich. Bei meinem Besuch hatte es 39 Grad, ich habe die kühlere Terasse des Hauptgebäudes bevorzugt. In den Wintermonaten Südafrikas kann man sich auch im Haus sicher sehr wohlfühlen.

Das Weintasting umfasst einen Cap Classique, zwei Weißweine und zwei Rotweine, das sind aktuell ihre Produkte. Der Cap Classique zum Start hat mich positiv überrascht. Schöne Aromen von grünem Apfel, etwas Grapefruit und geröstete Mandeln, dazu eine sehr feine Perlage. Da habe ich in den letzten Tagen bei tradierten Häusern hier in der Region auch schon deutlich schlechtere Schaumweine getrunken. Der verkostete 2020er Cap Classique war das erste Produkt, das unter neuer Leitung entstanden ist. Als Hommage an seine Mutter gab er ihm ihren Namen, Nomaroma.

Der Chenin Blanc Jahrgang 2022 wurde 10 Monate in französischer Eiche ausgebaut. Die Aromenintensität aus dem Glas heraus ist auffällig hoch, Kräuter und getrocknetes Gras überwiegen. Am Gaumen Aromen von Bienenwachs und tropische Früchte in einer schönen Balance. Dazu ist er schön cremig am Gaumen, ein schöner Wein, für umgerechnet 12,50 EUR ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis.

Auch der 2022er Chardonnay wurde 10 Monate im Holz ausgebaut, er bringt die gängigen Aromen mit, gelbe Steinfrüchte, Apfel, Quitte – aber leider auch ziemlich viel Alkohol. Laut Angabe sind es 13,5 Vol.%, die sich bei 39 Grad Außentemperatur aber anfühlen wie Feuer im Mund. Ähnlich ergeht es mir mit dem reinsortigen 2021er Shiraz, der neben vielen Gewürzen und weißem Pfeffer sogar stolze 14,5 Vol.% Alkohol mitbringt. Wie gesagt, 39 Grad Außentemperatur mögen auch dazu beigetragen haben, dass ich mich mit diesen beiden Weinen weniger gut anfreunden konnte.

Besser ergeht es mir abschließend mit dem 2020er Cabernet Sauvignon, der zwar ebenfalls bei 14,5 Vol.% liegt, dessen Aromen von Schwarzwälder-Kirschtorte aber gute Counterparts zum Geschmack des Alkohols sind.

Weitere Angebote

Zum Weintasting wird eine schöne Auswahl an Käse, Obst und Aufschnitt angeboten. Am Wochenende wird im Nebengebäude zusätzlich ein Restaurant betrieben, dessen gegrilltes Lamm wohl zahlreiche Fans hat. Wer reservieren möchte, hier der Link zu ihrer Webseite.

Klein Goederust ist übrigens auch mit der Franschhoek Winetram erreichbar.

Mullineux & Leeu Family Wines

Winetasting Keller Mullineux & Leeu

Wie kann man mit einem Weingut ein kleines Vermögen machen? Mit einem großen. Zumindest dem Sprichwort nach, das mir irgendwann einmal vor die Füße gefallen ist. Bei meinem Besuch bei Mullineux & Leeu Family Wines musste ich heute an den Satz denken. Mehrfach & zwiegespalten.

Eigentlich handelt es sich bei Mullineux & Leeu Family Wines um zwei Weingüter in einem. Mullineux aus Swartland, gegründet von den beiden mehrfach ausgezeichneten Winemakern Chris and Andrea Mullineux auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Leeu Passant aus Franschhoek, Teil der Luxusimperium Marke Leeu Collection des Inders Analjit Singh. Seine Milliarden hat Analjit Singh in Indien mit Lebensversicherungen, Immobilien, Mobilfunk und in der Pharmabranche gemacht. Unter der Marke Leeu Collection hat er in den letzten 14 Jahren Franschhoek entwickelt, also zum Luxus hin. Ähnlich wie Musik-, Luftfahrt-, und Telekommunikations-Multimilliardär, „Mr Virgin Group“, Sir Richard Branson, der Mont Rochelle Hotel & Vineyard sein Eigen nennen kann. Oder Laurence Graff, der mit seinem Reichtum aus dem Diamanten-Business heute das Weingut und Luxushotel Delaire Graff funkeln lässt.

Im Falle Mullineux & Leeu Family Wines traf es sich für die beiden Winemaker Chris and Andrea Mullineux vermutlich ganz gut, offiziell eine Partnerschaft mit Analjit Singh einzugehen. Was auch immer diese Partnerschaft bedeutet. Aber die eine Seite kann exzellenten Wein machen, die andere Seite hat Geld. Weil mehr zu dieser Partnerschaft eh nicht bekannt ist, gehe ich mal von einer Win-Win-Situation aus.

Geld und Luxus sind ersichtlich beim Besuch von Mullineux & Leeu Family Wines. Strenge Sicherheitskontrollen an der Einfahrt, Anfahrt entlang von Rosenfeldern zum Tasting-Raum, drin ganz viel dunkles Leder – und überall der Löwe, das Markenzeichen von Leeu.

Verkostungsraum von Mullineux & Leeu Family Wines

Das Weintasting bei Mullineux & Leeu Family Wines

Ich war unangemeldet an einem Montagmittag hier, würde nach meinem Besuch aber eine Reservierung empfehlen. Denn die Plätze sind begrenzt, vor allem aber nimmt sich das Personal erfreulich viel Zeit für seine Gäste. Wer das nicht gefährden möchte, reserviert einfach besser. Hier der Link direkt zu ihrer Webseite.

Zur Auswahl stehen drei verschiedene Weintastings. Das Mullineux Signature Tasting, bestehend aus zwei Weißweinen, zwei Rotweinen und einem Süßwein. Das Leeu Passant Tasting, bestehend aus einem Chardonnay und drei Rotweinen, darunter ihr Flagship Wein „The Leeu Passant“ , eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Cinsault. Als Drittes bieten sie das Mullineux Single Terroir Tasting an, mit Chenin Blanc und Syrah zwei Rebsorten, angebaut auf 3 verschiedenen Terroirs. Alle Weine wurden gleich ausgebaut, die beiden Rebsorten sogar jeweils am selben Tag gelesen, um den reinen Unterschied zu zeigen, der aus dem Terroir kommt. Das Single Terroir Tasting findet in zwei Flights statt, man verkostet also die beiden Chenins und die drei Syrah jeweils direkt gegeneinander. Keine Frage, für welches der drei Tastings ich mich entschieden habe. Vollkommen zurecht übrigens, wie sich gezeigt hat. Diese Experience war außerordentlich!

Die drei Böden von Mullineux in Swartland: Grant, Schiefer und Eisen
Die drei Böden von Mullineux in Swartland: Grant, Schiefer und Eisen

Spaß im Glas

Mullineux GRANITE Chenin Blanc 2022 und Mullineux SCHIST Chenin Blanc 2022 im direkten Vergleich. Wie gesagt, die Weine sind exakt gleich ausgebaut, lagen beide 11 Monate in der vierten Belegung von französischer Eiche. Die Trauben beider Weine wurden sogar am selben Tag zur selben Uhrzeit gelesen. Der Unterschied in den Aromen kann also nur aus dem Boden kommen. Und dieser Unterschied ist immens! Der GRANIT ist herrlich frisch, cremig, bringt Aromen von Kreide mit an den Gaumen, dazu Zitrusaromen und Grapefruit. Mit 12,5 Vol.% liegt er deutlich unter den 13,5 Vol.% des SCHIST, die man ihm anmerkt, aber nicht übel nimmt. Der SCHIST ist der größere Schluck Wein im Mund, er bringt etwas mehr tropische Früchte und eine herrliche Salzigkeit mit, sein Finish ist lang und erfrischend. Beide Chenins sind vollkommen verschieden, wirklich außergewöhnlich exzellente Weine, ich habe mir schwer getan, hier einen Favoriten zu finden. Unentschieden also.

Selbes Spiel mit den Syrah, wobei sich hier mit dem Mullineux IRON Syrah 2021 noch ein drittes Terroir in den Wettbewerb dazu gesellt. Alle drei Weine lagen 22 Monate im Holz, 50% davon neues Holz. Alle drei sind noch ziemlich jung, ich würde jedem von ihnen noch 3-5 Jahre im Keller geben. Der GRANITE Syrah kommt mit Aromen von Schokolade in die Nase, am Gaumen wirkt er noch etwas grün, die Tannen sind noch etwas harsch. Der SCHIST Syrah ist am Gaumen der samtigste unter den Dreien, aber insgesamt wenig aufregend dort. Diesen Part übernimmt der IRON Syrah. Was für eine Party am Gaumen! Blaubeere, Pflaume, Gewürze, florale Aromen, dazu Milchcafe. Das ist richtig guter Stoff, den dieser eisenhaltige Boden da fördert.

Zum Abschluss und zum Vergleich der „beiden Weingüter“ verkoste ich noch ihren Flagship-Wein, den Leeu Passant 2020. Das ist eine Cuvée aus jeweils 45% Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, ergänzt um 10% Cinsault. Die Südafrikanische Variante des Bordeaux halt. Der Cinsault stammt aus dem ältesten registrierten Weinberg Südafrikas, das im Jahr 1900 angepflanzt wurde. Aus dem Glas kommen super intensive Aromen in die Nase, am Gaumen dominieren Bergamot Orange, Veilchen und schwarze Beeren. Schöne Frucht, schöne Frische, gut eingebundene Tannine. ich kann verstehen, warum sie auf diesen Wein stolz sind. Aber umgerechnet wirklich knapp 90 Euro? Da sind wir wieder beim Geld.

Chenin aus dem Terroirs Granit und Schiefer
Chenin aus dem Terroirs Granit und Schiefer

Fazit

Ich will ehrlich sein, ich bin ein wenig hin- und hergerissen über meinen heutigen Besuch auf dem Weingut. Da sind einerseits wirkliche Spitzenweine und mit dem Single Terroir Tasting eine sehr lehrreiche, anschauliche Erfahrung in Sachen Weinbau. Andererseits bauen zur Schau gestelltes Geld und Luxus für viele sicher Hürden auf, die ich ja eigentlich nicht will. Ich bin ja ein großer Freund der Demokratisierung von Wein, weg mit dem elitären Gehabe rund um Wein. Am Ende würde ich aber jedem tiefer interessierten Weinfreund das Single Terroir Tasting empfehlen, man nimmt wirklich viel mit davon!

Ataraxia

Ataraxia Gebäude

Die britische Weinkritikerin Jancis Robinson bezeichnete Hemel-en-Aarde einmal als Südafrikas Antwort auf das Burgund. Und wenn das Anbaugebiet der Himmel auf Erden für Pinot Noir und Chardonnay ist, ist Ataraxia sein Olymp.

Ataraxia liegt am höchsten Punkt des Hemel-en-Aarde Valley, das sind hier mit Sicherheit 750 Meter über Meeresspiegel. Von Onrus her wehen stetig kühlende Brisen vom Ozean bis hier hoch, die Babilongstoring Bergkette sorgt nachts für Abkühlung und für feuchte Morgenstunden. Tagsüber wird es auch hier oben ganz schön heiß. Unterm Strich ideale cool climate Bedingungen für Pinot Noir und Chardonnay.

Man kann geteilter Meinung sein über die Einrichtung bei Ataraxia, genauer über die Kunst an den Wände, nicht aber über die Architektur des Gebäudes. Und schon gar nicht über die Weine. Winemaker Kevin Grants Ataraxia Chardonnay Skn Contact 2022 gehört zum Besten, was ich hier im Tal je im Glas hatte. Er und Graham Weerts von Capensis Wines aus Stellenbosch produzieren für mich die besten Chardonnays Südafrikas. Chardonnays im klassischen Burgunder Stil, nicht die buttrigen, breiten Neue Welt Vertreter dieser Rebsorte.

Weintasting bei Ataraxia

„Great wines take us to the edge of language and sometime to the edge of what we can know“ habe ich unlängst einmal irgendwo gelesen. Und nirgends scheint diese Aussage so gut zuzutreffen wie hier bei Ataraxia.

Das Tasting beginnt mit dem Chardonnay Earthborn 2022, und zwar lange bevor ich das Glas an den Lippen habe. Diese Intensität, mit der die Aromen aus dem Glas strömen, ist nahezu einmalig. Das sind mehr als 20 cm zwischen Glas und Nase – Hammer! In der Nase dominieren Zitrusfrüchte, ganz feine Hefe, Mandelblüte, der feine Rauch von Granit. Am Gaumen tropische Früchte, aber super separiert, das ist kein Obstkorb, das sind einzelne Früchte.

Der Chardonnay Skin Contact 2022 ist sogar noch ein bisschen intensiver in der Nase, überwiegend tropische Früchte, etwas Honig. Am Gaumen weniger Frucht, mehr Struktur und Rückgrat, hinten raus Stroh und weißer Pfeffer, tolle Balance, sensationeller Wein!

Da hatte es abschließend der Pinot Noir schwer mitzuhalten. Ich war schon im Chardonnay Himmel. Aber auch Pinot Noir Freunde kommen hier bei Ataraxia voll auf ihre Kosten. Der Pinot Noir Whole Cluster 2022 am Gaumen frisch und samtig, rote Früchte, Erdbeere überwiegend, rote Johannisbeere und Kirsche, dazu Fleisch und Kräuter. Es lohnt sich, das Hemel-en-Aarde Valley ganz nach oben zu fahren, glaubt mir!

Informationen über Öffnungszeiten etc. direkt auf ihrer Website.

Spookfontein

Spookfontein Restaurant

Ehrlichkeit führt zu klaren Erwartungshaltungen und verhindert Enttäuschung. Und so fand ich es erfrischend ehrlich von unserer Host bei der Begrüßung zu hören, dass Spookfontein für easy drinking wines steht. Spookfontein ist auch nicht bloß ein Showroom. In der Etage unter dem Tasting-Room wird tatsächlich Wein gemacht. Der Inbegriff eines Weingutes also. Außerdem soll es spuken. Der Legende nach kann man in den Strudeln einer fließenden Quelle der Farm einen Geist erkennen.

Uns hat der Geist in Ruhe gelassen, wofür ich ihm recht dankbar war. Denn Spookfontein ist ein ziemlich entspannter Hangout. Moderne, coole Architektur und Inneneinrichtung, ein ganz ganz natürlicher, entspannter Ort ist das hier im oberen Teil des Hemel-en-Aarde Valley. In dieser Wohlfühlatmosphäre hätte der südafrikanische Pumuckl wirklich gestört.

Tasting Restaurant

Spaß im Glas mit Spookfontein

Es gibt drei verschiedene Tasting-Optionen. Wenn man Angst vor Geistern hat, oder es sonst eilig, greift auf das Express Tasting zurück. Das sind ein 2023 Sauvignon Blanc, ein 2023 Rosé und ein 2021er Merlot für R55. Alternativ bietet Spookfontein ein Bordeaux Tasting für R70 an, darin ein 2021er Merlot, ein 2020er Cabernet Franc, ein 2022er Cabernet Sauvignon, sowie – natürlich – ein 2021er Blend daraus. Aus dem gesamten Repertoire kann man sich aber auch individuell 5 Weine selbst aussuchen für sein eigenes Tasting, kostet dann R85.

Mein individuelles Tasting beginnt mit Spookfontein Full Moon 2022, einer Cuvée aus Sauvignon Blanc, Chenin Blanc und Chardonnay. Die typischen Chenin Noten, Heu, Bienenwachs werden mit frischen und tropischen Aromen kombiniert. Ja, ordentlich, gefällig, easy drinking.

Der reinsortige Chenin Blanc 2022 hat mir gut gefallen. Er wurde 10 Monate im Holz ausgebaut, aber nur zweite und dritte Belegung, also nichts, was dominieren könnte. Am Gaumen gelbe Steinfrucht, wenig Holz, Ananas, Stachelbeere, feine Gewürze. Das ist ein wirklich schöner Terrassenwein, für gut 10 Euro ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis für eine entspannte Kundschaft.

Auch der 2022 Chardonnay lag 10 Monate im Holz, auch hier nur zweite und dritte Belegung. Erwartungsgemäß dominieren tropische Früchte, mir insgesamt aber auch für easy drinking zu flach.

Testsieger war für mich ihr 2020er Cabernet Franc. Weil ich Cabernet Franc eh gerne mag, und weil das ein super gefälliger Wein ist. Mit dem ist überhaupt nichts verkehrt, und mit dem macht man nichts verkehrt. Der taugt zur alltäglichen Einladung genauso wie zum Weinfest. Aromen von Pflaume, Kirsche, schwarze Johannisbeere, schwarzer Tee, Fleisch, Gewürze – alles dabei, was dabeisein soll. Und das für 10 Euro, unschlagbar in der easy drinking Liga.

Fazit:

Was wir leider nicht ausprobiert haben, war ihr Restaurant mit sensationellem Blick ins Tal und auf die gegenüber liegenden Babilongstoring Berge. Das ist nächstes Mal dran, weil wir sicher wiederkommen werden. Und Spookfontein eine wirkliche Empfehlung ist, wenn es einfach mal easy und herzlich sein soll. Ach ja, und schlafen kann man auf der Farm anscheinend auch in zwei separaten Cottages. Bei Interesse am besten direkt auf ihrer Webseite schauen.

Bosman Hermanus

Bosman Hermanus Eingang

Bis 2001 firmierte die 270ha große Farm unter dem Namen De Bos, ehe sie von Familie Bosman übernommen wurde, die bereits seit über 200 Jahren Weinbau in Wellington betreiben. Regenerative Landwirtschaft und Nachhaltigkeit stehen seit Jahren im Fokus der Bosmans. So bleibt die Hälfte der Farm naturbelassen, als Fynbos Landschaft Lebensraum für die heimische Tierwelt, sowie als Gebiet für 2-3 stündige Wanderungen für Naturliebhaber. Die Farm ist auch dem Anbau der Protea gewidmet, Südafrikas Nationalblume. Auf nur 54ha der Farm im Hemel-en-Aarde Valley wird Wein angebaut, überwiegend Chardonnay und Pinot Noir. Der Ausbau der Weine findet nicht hier, sondern im Weinkeller in Wellington statt. Auch umliegende Weingüter wie z. B. Hasher Family Estate (ehemals Sumaridge) beziehen Trauben von Bosman Hermanus. Und last but not least ist Bosman Hermanus auch eine Rebschule, in der derzeit 42 verschiedene Rebsorten und Klone gezüchtet werden.

Nachhaltigkeit geht für Bosman aber weit über Engagement für die Natur hinaus. Bereits in 2009 wurden 26% des Farmgeschäftes über eine Stiftung an 260 Mitarbeitende der Farm übertragen. Machen wir uns ehrlich, dieses Land basiert in großen Teilen auf vielen Jahrzehnten zum Himmel schreiender, sozialer Ungerechtigkeit. Jeder helfenden Hand, jeder Brücke und jeder Form von aktiver Entwicklung hin zu Einheit, zu sozialer und gesellschaftlicher Gleichheit gebührt Respekt. Mir jedenfalls ringt das allen Respekt ab, was die Bosman seit vielen Jahren tun. Dieses soziale Engagement wurde mehrfach ausgezeichnet, mehr Informationen dazu findet ihr hier und hier.

Bosman Hermanus im Hemel-en-Aarde Valley

Allein mit Blick auf die globale Erderwärmung macht es für mich total Sinn, hier oben auf immerhin 700 Meter über dem Meer Weinberge zu kaufen. Je 100 Meter Höhenunterschied verringern die durchschnittliche Temperatur um 0,6 Grad Celsius. Diese Bedingungen „hier oben“ sind aber schon heute ideal insbesondere für die beiden Burgundersorten Pinot Noir und Chardonnay. Das folgende Bild ist von der Ferienwohnung auf dem Gelände aus gemacht, und zeigt das gesamte obere Hemel-en-Aarde Valley.

Das Weintasting bei Bosman Hermanus

Das Frame Haus von Bosman Hermanus, in dem die Weintastings stattfinden, liegt etwa 1,3 km abseits der Hauptstrasse. Das ist sicher einer der Gründe für die Ruhe hier oben. Es sind schon Gäste hier, aber es ist einfach nicht so überlaufen wie in anderen Weingütern. Auf der Anlage befinden sich zwei Hütten, in denen man Picknick machen und Weine verkosten kann. Zudem laden eine große Terasse und ein weitläufiger Garten ein, in dem auch für Kinder gesorgt ist.

Das sog. Frame House von Bosman Hermanus, drumrum nur Ruhe und Fynbos

Das Weintasting startet mit einem MCC, also einem nach dem Champagnerverfahren hergestellten Schaumwein, hier aus 100% Chardonnay. Bei den Aromen überwiegen Zitrus, Grapefruit, etwas Tee. Hefe ist nur bei intensiver, bis an die Grenze der Einbildung dauernden Suche vorhanden, die Perlage ist aggressiv. Ich musste spontan an den typischen Prosecco vom Gardasee in den 90ern denken.

Spaß im Glas

Weiter ging es mit einer 2021er Cuvée aus Grenache Blanc, Chenin Blanc und Chardonnay, angebaut in Wellington, also nicht hier auf der Anlage. Ananas, Litschi, weiße Johannisbeeren, gereifter Pfirsich – mir insgesamt fast ein wenig zu einseitig auf der rein fruchtigen Seite. Aber ein schöner, einfacher Begleiter für ein asiatisches Essen, mit umgerechnet etwa 10 EUR pro Flasche ein ordentliches Preis-Genuss-Verhältnis in der Flasche.

Der 2022er Chenin Blanc, ebenfalls an- und ausgebaut im Hauptweingut in Wellington, hat in der 2024er Ausgabe von Platter´s Wine Guide maximale 5 Sterne erhalten. Er wurde ausgebaut sowohl im Beton als auch anschließend im Holz. Die Aromen reichen von Grapefruit, über Kräuter, Schiefer, Kreide bis hin zu Bienenwachs. Gradlinig und trinkanimierend – ein schöner Wein. Schade nur, dass das Highlight der Verkostung nicht von hier oben kommt.

Der 2021er Cinsault anschließend hatte es sicher schwer, wäre aber auch sonst über ein „gut“ nicht hinausgekommen. Samtig, rote Beere, leicht gekühlt ein guter Begleiter, macht, was er muss als Cinsault, aber halt auch nicht mehr.

Besser ist es dem 2019er Pinot Noir „Magnum Opus“ ergangen (oder mir mit ihm), der auch hier in Hemel-en-Aarde angebaut wurde. Auf der Frucht überwiegend Brombeere, dazu Aromen von Fleisch, Tabak. Leder, Pfeffer und Zedernholz, seine 14 Vol.% Alkohol merkt man ihm nicht an. Er kommt mit einem vollen Körper daher, was ich manchmal bei Pinot Noir mag. Für seine umgerechnet 17 EUR ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis.

War es unter dem Strich ein gutes Weintasting? Bosman Family Vines, also die aus Wellington, wurden in der 2024er Ausgabe von Platter´s Wine als „Winery of the Year“ ausgezeichnet. Ich bin überzeugt, man sollte auch Bosman Hermanus für die Zukunft „auf dem Schirm“ haben. Da ist Potential drin!

Bosman Hermanus Cottage

Einen kleinen Exkurs muss, nein möchte ich noch zur Ferienwohnung auf der Anlage machen. Die bekommt auch von uns 5 Sterne. Das Cottage liegt ein paar Hundert Meter entfernt vom Frame House, der nächste Nachbar ist 4 km Luftlinie entfernt, hier oben ist Ruhe pur. Das Cottage bietet mit zwei Schlafzimmern Platz für 4 Personen und ist wirklich sensationell gut und geschmackvoll eingerichtet. Meine Highlights aber waren die offene Braai-Station im Patio, und der Sonnenaufgang über dem Upper Hemel-en-Aarde Valley morgens um 6 Uhr. Einfach sensationell. Infos und Buchungen direkt über ihre Webseite.

Bouchard Finlayson

Bouchard Finlayson

Bouchard Finlayson ist ein 1989 gegründetes Boutique-Weingut, das im Hemel-en-Aarde Valley in Südafrika liegt. Das Weingut widmet sich der Herstellung von Pinot Noir, Chardonnay und Sauvignon Blanc von herausragender Qualität. Der Gründer Peter Finlayson ist für seine Pionierarbeit bei der Erzeugung von Pinot Noir von Weltklasse in den südafrikanischen Weinbergen berühmt. Als erster Winemaker hat er ab 1979 das Weingut Hamilton Russell in Hemel-en-Aarde aufgebaut. Der Erzählung nach soll Peter Finlayson, der u.a. in Geisenheim Weinbau studiert hat, über Weinbau in dieser Region einmal gesagt haben, dass man Weine im Rheingau anbauen könne, es natürlich auch hier gehe.

Mit seinem eigenen Weingut hat er sich einen weltweiten Ruf für die Herstellung unvergesslicher Weine erworben. Weine, die das einzigartige Terroir des Hemel-en-Aarde Valley widerspiegeln, das von alten Böden und kühlen Brisen vom Meer beeinflusst wird. Neben dem hochgelobten Pinot Noir ist das Weingut auch für seinen preisgekrönten Chardonnay, Sauvignon Blanc und eine rote französisch/italienischen Cuvée namens „Hannibal“ bekannt. Im Laufe der Jahre ist Bouchard Finlayson zu einem Synonym für hervorragende Weine geworden, wobei seine Tête de Cuvée- und Galpin Peak Pinot Noirs zu den besten Südafrikas zählen.

Weinbau im Hemel-en-Aarde Valley

Das maritime Klima des Hemel-en-Aarde Valley hat einen erheblichen Einfluss auf den Geschmack der Weine von Bouchard Finlayson. Die kühle Meeresbrise und die dadurch gemäßigten Temperaturen im Weinberg schaffen ein ideales Umfeld für den Anbau von Trauben, insbesondere Pinot Noir, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Dieses Klima verlangsamt den Reifungsprozess der Trauben, so dass sie komplexere Geschmacksrichtungen und Aromen entwickeln können. Daher sind die Weine von Bouchard Finlayson für ihre Reinheit, Eleganz und Lebendigkeit bekannt und spiegeln die einzigartigen Eigenschaften des kühlen Klimas und der maritimen Lage wider, die die Weinberge definieren.

Die Weinprobe bei Bouchard Finlayson

Von Hermanus kommend liegt das Weingut liegt am Ende des ersten Drittels, da, wo das Tal noch etwas schmaler ist. Erst kurz danach, oberhalb von La Vierge öffnet es sich noch weiter. Es bietet nicht die ganz so imposanten Blicke, die man von anderen Weingütern entlang der Route hat. Aber die Anlage ist sehr schön, insbesondere im kleinen Innenhof mit dem Brunnen sitzt man ganz gemütlich.

Auch das Personal ist freundlich. Es ist überhaupt nichts falsch hier, und doch fehlt mir auch nach dem mittlerweile zweiten Besuch etwas. Das Weingut ist mir zu unpersönlich, bei aller Eleganz zu steril, es kommt kein Gefühl der Gastlichkeit auf. Was aus meiner Sicht ein Makel für Bouchard Finlayson ist, weil wesentliche Aspekte fehlen, die man mit dem Wein auch Jahre später noch verbinden könnte. Markeninszenierung geht halt nun einmal weit über das Produkt hinaus.

Wie üblich bieten sie diverse Weintastings an, vom Flagship Tasting (R350) über das Premium Tasting (R150) bis hin zu Pairings mit kleinen Gerichten. Pairings mit kleinen Häppchen, Käse oder Schokolade sind ja nicht neu. Was ich hier zum ersten Mal gesehen habe, war ein Tasting mit französischen Macarons (R220). Sehr gut fand ich auch, dass man einzelne Weine individuell für jeweils R60 probieren kann. Warum davon die Flagship Weine ausgeschlossen sein müssen, habe ich wiederum nicht verstanden. Ich meine, die Flaschen sind offen, warum verwehrt man Gästen das? Das ist nicht schlau.

Premium Tasting mit Macaron Begleitung

Spaß im Glas

Ich habe mich für das Premium Tasting entschieden, in dem der Crocodile´s Lair Chardonnay 2022, Galpin Peak Pinot Noir 2022, sowie der Hannibal 2020 zur Verkostung kommen. Der Chardonnay ist sehr klassisch ausgebaut, ganz gradlinig, säurebetont, bringt eine leichte Mineralik mit, Burgund halt. Die Länge seines Abgangs war bemerkenswert. Der Pinot Noir hat mich überrascht, die typischerweise rotfruchtige Aromen fehlen nahezu komplett, dafür ganz viel reife Pflaume gepaart mit einer herrlichen Würzigkeit, fast wie bei einem Cabernet Franc. Hannibal ist eine eher untypische Cuvée aus den französischen und italienischen Rebsorten Sangiovese, Pinot Noir, Shiraz, Nebbiolo, Mourvédre und Barbera. Hannibal und seine afrikanischen Elefanten, die ihm bei seiner Überquerung der Alpen von Frankreich nach Italien geholfen haben, stand als Namensgeber für diesen Wein. Schöne Geschichte. Der Wein selbst bringt Aromen von Veilchen ins Glas, ganz viel Café, Fleisch und feuchte Erde, sanfte, samtige Tannen.

Unterm Strich war auch der diesmalige Besuch bei Bouchard Finlayson einwandfrei und ist durchaus empfehlenswert. Er bleibt aber nicht so in Erinnerung, wie es sein könnte. Unter den Weingütern im Hemel-en-Aarde Valley für mich eher im Mittelfeld. Aktuelle Öffnungszeiten und Angebote findet ihr hier direkt auf ihrer Webseite.