Weingut Türk – Spitzen Veltliner aus dem Kremstal

Weingut Türk, Hauptgebäude

Auf 75% der 19 ha Rebfläche, die der Winzer Franz Türk aus Stratzing im Kremstal bewirtschaftet, wird Grüner Veltliner angebaut. Die leidenschaftliche Konzentration auf diese Rebsorte zahlt sich offensichtlich aus. Denn qualitativ zählt das Weingut Türk seit Jahren zu den führenden Produzenten in Österreich und erhielt zahlreiche Preise. Auch als Auszeichnung für eine langjährig hohe Qualität aus Weinberg und Weinkeller darf man die Kooperation mit Eckart Witzigmann verstehen. Der mit zahlreichen Sternen prämierte Koch, den Gault-Millau 1994 als Jahrhundertkoch auszeichnete, schätzte den Grünen Veltliner von Franz Türk bereits über viele Jahre. Mit dem Jahrgang 2015 haben die beiden Perfektionisten nach langer gemeinsamer Arbeit einen gemeinsamen Wein auf den Markt gebracht, den Witzigmann als „Mein Grüner Veltliner“ bezeichnet.

Weinprobe im Weingut Türk

Gastraum für Weinproben für Gruppen bis zu 10 Personen
Gastraum des Weingut Türk

Weinproben sind auf dem Weingut Türk nach vorheriger Anmeldung möglich. Es gibt keine ständig geöffnete Vinothek oder einen Verkaufsraum, die Verkostungen werden individuell für die angemeldeten Besucher durchgeführt. Das Weingut Türk ist ein renommierter Familienbetrieb, dessen Wurzeln über Generationen bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück reichen. Und so führte uns auch der älteste Sohn des Hauses durch unsere Weinprobe. Souverän mit großer Fachkenntnis, erfrischend mit großer Leidenschaft – und auch mit großem Stolz auf die Weine seines Vaters stellte er uns das Sortiment des Weingutes vor.

Highlights der Weinprobe

Im Mittelpunkt der Verkostung standen natürlich die für die Region und das Weingut typischen Grüne Veltliner. Die leichteren Einstiegsweine beginnen bei 10 – 14 Euro, die besseren Lagen kosten im Verkauf ab Hof 15 – 25 Euro. Besonders angetan hat es mir persönlich der Veltliner 333 aus dem Jahrgang 2013, eine Cuvée von drei Toplagen, drei verschiedenen Böden und drei verschiedenen Mikroklimata in ihren jeweiligen Lagen. Der Veltliner 333 wurde in einer limitierten Anzahl produziert und soll ein sehr gutes Reifepotential bis 2020 oder 2025 haben. Vielleicht auch 50 Jahre. Vermutlich wird er es bei mir schon schwer haben, das Jahr 2025 zu erleben. Denn auch mein zweites persönliches Highlight, der Grüne Veltliner Kremser Thurnerberg 2016 Erste Lage, den ich gut und gerne bis 2020 im Keller hätte liegen lassen können, ist leider schon weg. Er passt halt aber auch so gut zu asiatischem Essen, was es bei uns zuhause relativ häufig gibt.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich zudem den Chardonnay Barrique 2015. Sein Ausbau in französischer Eiche ergänzt das Fruchtige und die dezente Säure eines kühleren Chardonnay mit Aromen von Vanille und  geröstetem Holz. Für unter 18 Euro ist diese Qualität wirklich hervorragend.

Kontinuierliche Suche nach der Verbesserung

Weltneuheit aus dem Jahr 2017, das Bodenetikett vom Weingut Türk
Sorgt für Ordnung im Weinschrank, das Bodenetikett

„Wenn Du aufhörst besser zu werden, hörst Du auf gut zu sein.“ Dieses Motto hat für Franz Türk seit Jahren Gültigkeit. Es bezieht sich aber nicht nur auf seine Arbeit in den Weinbergen und im Weinkeller. Mit der Vorstellung des Bodenetiketts im Frühjahr 2017 brachte das Weingut Türk eine raffinierte Novität in die Weinwelt. Die Idee ist so simpel und genial, dass man sich schon auch wundert, weshalb erst im Jahr 2017 jemand daran dachte. Weinflaschen liegen in der Regel – und liegend lassen sich die Etiketten nicht sehen. Was liegt also näher, als Weinflaschen auch auf dem Boden zu etikettieren! Durch die unterschiedlichen Farbcodes erkennt man auf einen Blick, um welche Rebsorte oder welchen Wein es sich handelt.

Ich persönlich hoffe sehr, dass sich die Erfindung in der Weinwelt durchsetzt. Denn bei aller Tradition – egal was man tut, man sollte nie aufhören besser werden zu wollen. Bei der Leidenschaft, mit der sich auch der Junior bereits für das Weingut Türk einsetzt, kann man davon ausgehen, dass sich Besuche und Weinproben auf dem Weingut Türk noch eine ganze Zeit lang mehr als nur lohnen.

Anfahrt zum Weingut Türk

Das Weingut  Türk liegt in Niederösterreich, im Weinbaugebiet Kremstal in der Gemeinde Stratzing. Es ist sowohl von Krems an der Donau, als auch aus Langenlois jeweils in gut 10 Minuten mit dem Auto erreichbar. Hier findet ihr Kontaktdaten, die Adresse und einen Link zur Routenplanung.

Weingut Türk
Kirchengasse 16
3552 Stratzing, Österreich

Telefon +43 2719 28460

eMail info@weinguttuerk.at

Anfahrt (via Google Maps)

Weingut Nikolaihof Wachau

Kaiserlinde im Innenhof des Weingutes

Um eines vorwegzunehmen, selten wurden wir auf einem “größeren” Weingut so gastfreundlich empfangen und bewirtet wie im Weingut Nikolaihof Wachau in Mautern an der Donau. Und das, obwohl wir uns am Osterwochenende zum Besuch angemeldet hatten, wenige Tage vor der eigentlichen Eröffnung der “Saison”, die im Nikolaihof von Ende April bis Mitte November dauert.

Das historische Städtchen Mautern liegt ziemlich genau gegenüber von Krems auf der anderen Seite der Donau, mit dem Auto 4 km oder 10 Minuten entfernt von Krems. Das Weingut Nikolaihof selbst befindet sich mitten in der Stadt. Wer den Nikolaihof durch das hölzerne Eingangstor betritt, den empfängt ein weitläufiger, ruhiger Innenhof. In seiner Mitte ruht und dominiert eine ausladende, mehr als 100 Jahre alte Kaiserlinde, die im Sommer tagsüber für kühlenden Schatten und abends für romantische Stimmung sorgt. Der Nikolaihof selbst bildet sich aus einem Ensemble ehrwürdiger Gebäude und kann auf eine fast 2.000-jährige Geschichte zurückblicken. Er gilt damit als das älteste Weingut in Österreich. Ein wesentlicher Blickfang im Innenhof des Weingutes ist die Agapitus Kapelle, die im 11. – 12. Jahrhundert auf den Grundmauern einer römischen Basilika errichtet wurde.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich der Hof im Besitz der Winzerfamilie Saahs, mit Sohn Nikolaus Saahs jun. als Weinmacher steht mittlerweile die 4. Generation für Qualität – und für ausgezeichnete Weine. Auf einer Rebfläche von 22 Hektar rund um Mautern werden – wie für die Region Wachau üblich – überwiegend Riesling (55%) und Grüner Veltliner (35%) produziert.

Die älteste Holz-Weinpresse der Welt

350 Jahre alte Baumpresse
Größte Baumpresse der Welt

Ein Highlight des Nikolaihof besichtigt man noch bevor man in die alten Kellergewölbe hinabsteigt. Es ist eine über 350 Jahre alte Weinpresse aus Holz, weltweit die größte ihrer Art. Ihr 12 Meter langer Pressbaum wurde in einem Stück aus dem Stamm einer Ulme gefertigt. Auch heute noch ist die Baumpresse funktionsfähig. Jedes Jahr im Oktober wird die historische Baumpresse für die Produktion eines einzigen Fasses in Betrieb genommen. Das historische Pressverfahren ist traditionelle Wachauer Handarbeit und für die Trauben besonders schonend. Weil diese Handarbeit andererseits auch besonders aufwändig ist, wird jährlich nur eine limitierte Anzahl von rund 2000 Flaschen aus diesem Verfahren gewonnen. Die zehnstündige abendliche bzw. nächtliche Pressung soll laut Erzählung ein einzigartiges, fast mystisches Erlebnis bei Kerzenschein sein. Allein dafür muss ich definitiv noch einmal nach Mautern in den Nikolaihof!

Jedem Kind der Familie Saahs wurde ein Holzfass gewidmet
Schöne Familientradition

Im geschichtsträchtigen Weinkeller, der in eine römische Unterkirche gebaut wurde, beeindrucken vor allem die mit Schnitzereien verzierten Holzfässer, die das Ehepaar Christine und Nikolaus Saahs für jedes ihre Kinder anfertigen liess. Da der Nikolaihof seine Weine zum größten Teil in Holzfässern lagert, befinden sich im Keller darüber hinaus noch zahlreiche weitere Holzfässer, die jeweils 2.000 Liter bis 12.000 Liter Wein in sich reifen lassen – manche von ihnen über 20 Jahre lang. Mit einem dieser geduldig gereiften Weine, einem Riesling aus dem Jahrgang 1995, erzielte der Nikolaihof die Höchstpunktzahl von 100 Punkten von Robert Parker. Nikolaus Saahs ist der erste österreichische Winzer, dem diese Auszeichnung gelungen ist.

Pioniere des biodynamischen Weinanbaus

Saahs senior wird in Weinführern gerne mit dem Satz zitiert „Wir sind so altmodisch, dass es schon wieder modern ist.“ Die Winzerfamilie Saahs arbeitet bereits seit Anfang der siebziger Jahre nach den Demeter-Richtlinien, der strengsten Richtung der biologischen Landbewirtschaftung. Das Prinzip besteht darin, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. Je mehr sich die Reben aus möglichst eigener Kraft gegen Schädlinge “anstrengen” müssen, desto mehr Kraft und Energie gelangen auch in ihre Trauben und dadurch in den Wein. In den Weingärten des Nikolaihof werden also keine Herbizide, keine Pestizide und keine Kunstdünger verwendet – sondern unter anderem Brennesseljauche und Baldriantee. Homöopathie im Weinberg.

Der Natur ihren Lauf lassen, so wenig wie möglich eingreifen und den Weinen viel Zeit geben, sich zu entwickeln. Das ist die Weinbauphilosophie von Nikolaus Saahs. Das kann man auch in seinen Weinen schmecken, sie sind echte Produkte der Natur, keine auf Einhaltung einer geschmacklichen Linie getrimmte Ware.

Weinprobe im Nikolaihof

Am Ende der etwa 20 Minuten langen Führung durch den Nikolaihof hatten wir Glück mit dem Wetter. Die Frühlingssonne zeigte sich und die Weinverkostung konnte trotz der frühen Jahreszeit draußen im Innenhof stattfinden. Wer den Nikolaihof besuchen möchte, sollte wissen, dass er nicht unbedingt für Alltagsweine bekannt ist. Etwa 70% der Produktion exportiert der Nikolaihof in über 40 Länder, vor allem in die USA und nach Japan. In Österreich oder Deutschland sind die Weine auch in der Spitzengastronomie vertreten. Die Weine, die man ab Hof kaufen kann, beginnen preislich zwischen 12 und 15 Euro pro Flasche. Dafür bekommt man sehr elegante Rieslinge, würzige Grüne Veltliner oder interessante unfiltrierte Grüne Veltliner mit dem Beinamen “Zwickl”. Aus den Weinkellern kommen aber auch ebenso viele Weine in Preiskategorien zwischen 30 und 50 Euro pro Flasche.

Riesling aus der antiken Weinpresse
Riesling gepresst wie vor 350 Jahren

Dennoch kamen 12 Weine in die Verkostung und wir waren positiv überrascht, dass sich unter den angebotenen Weinen auch hochpreisigere Raritäten befanden. Mein persönliches Highlight war der 2011 durch das historische Pressverfahren in der Baumpresse gewonnene Riesling. Zudem der Vinothek Riesling aus dem Jahrgang 2000, der 16 Jahre im Eichenholzfass lagerte. Was sage ich, er lagerte nicht einfach dort, er hat dort auf mich gewartet. Also konnte ich leider trotz der Flaschenpreise von 65 bzw. 90 Euro nicht anders, ich musste jeweils eine Flasche von den beiden Weinen haben. Weil die Weine vom Nikolaihof halt nun einmal keine Alltagsweine sind, sondern Besonderheiten. Und an einem besonderen Tag werden sie mir schöne Geschichten über Tradition, Handwerkskunst, die Zeit und Nachhaltigkeit erzählen.

Im Nachhinein bedauere ich es, zu früh im Jahr zum Nikolaihof gekommen zu sein. Ich habe die Weinstube verpasst und vor allem die Möglichkeit auf ein Abendessen unter der Kaiserlinde. Ich komme also wieder!

Nikolaihof Wachau
Nikolaigasse 3
3512 Mautern, Wachau, Österreich

+43 2732 829 01

eMail: wein@nikolaihof.at

Anfahrt (via Google Maps)